Mal sanft, mal kraftvoll Lucie Horsch verzaubert Klosterkirche Malgarten mit brillanten Flötentönen

Von Jan Kampmeier, 10.09.2018, 15:25 Uhr
Beeindruckender Klang: Lucie Horsch und Menno van Delft in der Malgartener Klosterkirche. Foto:

Lucie Horsch und Menno van Delft präsentierten in der Malgartener Klosterkirche barocke Werke für Blockflöte und Cembalo und beeindruckten ihr Publikum mit Virtuosität und wunderbarem Klang.

Nach einer virtuosen Blockflötistin gefragt, kämen viele wohl auf Dorothee Oberlinger. Die Besucher eines Konzerts in der Malgartener Klosterkirche würden seit Sonntag wohl den Namen Lucie Horsch nennen. So berühmt wie ihre Kollegin ist die zwar noch nicht, aber das wird schon noch. Lucie Horsch ist erst 19, hat aber schon einen Vertrag beim Label Decca, zwei Platten sind bereits aufgenommen.

Peter Koch, künstlerischer Leiter der Malgartener Klosterkonzerte, hob in der Ankündigung besonders ihre unglaubliche technische Meisterschaft hervor. Damit hat er recht, doch der Auftritt gerät keineswegs zur virtuosen Zirkusnummer. Die einzelnen Stücke sind, selbst wenn es sich um ganze Sonaten handelt, recht kurz und nicht unbedingt immer die ganz hohe Kunst. Lucie Horschs Spiel allerdings schon, und so macht eigentlich alles in diesem Programm einen ganz reizenden Eindruck.

Die Stücke, in denen die Virtuosität zur Schau gestellt wird, gibt es natürlich, etwa Marin Marais Variationen über das berühmte „Folia“-Thema. Lucie Horsch rauscht darin mit der größten Leichtigkeit durch noch so rasante Läufe, artikuliert absolut brillant und scheint dabei doch nicht einmal annähernd an ihre Grenzen zu stoßen. Doch vor allem beeindruckt der Klang. Man versteht gut, warum die Blockflöte auch „Flauto dolce“ heißt, süße, liebliche Flöte: Bei Lucie Horsch ist der Klang ungemein sanft und angenehm, er leuchtet auch in den tiefen Lagen und ist durchaus kraftvoll, obwohl die Flötistin niemals forciert oder übersteuert.

Interessant wird das bei Claude Debussys „Syrinx“, dem einzigen nicht-barocken Werk, denn es ist schon mutig, ein so expressives Stück auf einem Instrument zu spielen, dem ja die größten Möglichkeiten der Dynamik und des Ausdrucks letztlich nicht gegeben sind. Es gelingt ihr erstaunlich gut: Aus den vier Flöten des Abends wählt sie eine der beiden Altflöten, die klingt dunkler als die von Debussy eigentlich vorgesehene Querflöte, und quasi ohne Vibrato beeindruckt besonders der zarte Pianissimoklang der tiefen Lage.

Obwohl Menno van Delft beileibe nicht nur im Hintergrund begleitet und als Duopartner absolut tadellos ist, steht doch Lucie Horsch ziemlich im Zentrum, und so spielt der Cembalist wenigstens ein Solo, eine Toccata des jungen Bach. Ein typisches „Stylus fantasticus“-Stück, dessen einzelne Abschnitte er bald frei und wie improvisiert, bald mit Schwung und Entschlossenheit präsentiert.

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