Gehweg als Fahrradstreifen Polizei kontrolliert Radler am Nadelöhr Johannisstraße

Von Sebastian Philipp, 12.09.2018, 07:03 Uhr
Die Polizei hat am Dienstag entlang der Baustelle an der Johannisstraße Fahrradfahrer kontrolliert, die auf dem beengten Gehweg nicht abgestiegen sind. Foto: David Ebener

Osnabrück. Nur rund zwei Meter breit ist der Bürgersteig an seinen engsten Stellen, auf dem Passanten aktuell zwischen den Läden und der Baustelle auf der Johannisstraße vorankommen. Das hält viele Radler nicht davon ab, das Nadelöhr fahrend zu durchqueren. Am Dienstag kontrollierte die Polizei vor Ort.

Eng ist es momentan zwischen Neumarkt und der Einmündung der Seminarstraße. Seit die Baustelle am Entree der Einkaufsstraße an beiden Seiten bis an die Bürgersteige heranreicht, herrscht nicht nur zu den Stoßzeiten dichtes Gedränge. Zum Ärger vieler Passanten und vor allem der Geschäftsleute ignorieren immer wieder Fahrradfahrer die Tatsache, dass es sich zwischen Landgerichtsgebäude und Tchibo-Filiale um einen Gehweg handelt.

Polizei zeigt Flagge

Kaufleute wie Udo Exner von Brillen Lünetta oder Ottmar Sorg, Filialleiter von Foto Erhardt, haben mittlerweile nach eigenem Bekunden die Schnauze voll. Sie verschafften ihrem Ärger über die Situation an der Johannisstraße zuletzt bei einem Treffen mit Oberbürgermeister Wolfgang Griesert Luft. Offenbar als direkte Reaktion auf das Gespräch zeigte die Polizei am Dienstag Flagge. Mehrere Beamte hatten sich in den Ladenzeilen und an der Einmündung der Seminarstraße aufgestellt, um Radler darauf hinzuweisen, ihr Gefährt in der etwa 30 Meter langen Verbindung doch lieber zu schieben.

Die Polizei beließ es am Dienstag zumeist bei Ermahnungen. Kopfhörer mit lauter Musik sahen die Beamten auch nicht gerne. Foto: David Ebener

"Wir wollen hier nicht die Staatskasse füllen, sondern die Menschen dafür sensibilisieren, in diesem Bereich vom Fahrrad abzusteigen", sagte Polizeisprecher Frank Oevermann unserer Redaktion vor Ort. Zumeist beließen es die Polizisten bei Ermahnungen. "Es gibt immer einen gewissen Ermessensspielraum, den die Kollegen haben. Wenn Einsicht erkennbar ist, kann man auch mal von einem Bußgeld absehen", so Oevermann. Allerdings ging den Beamten auch ein mutmaßlicher Fahrraddieb ins Netz, der in sportlicher Manier mit einem als gestohlen gemeldeten Mountainbike über den Gehweg fuhr. (Weiterlesen: Mehr zur Johannisstraße lesen Sie im NOZ-Themenportal.)



Passanten begrüßen Kontrollen

Während sich der Großteil der angehaltenen Radler einsichtig zeigte, sorgte die Kontrollaktion bei vielen Passanten für Zustimmung. "Ich finde es richtig, dass kontrolliert wird. Ich gehe häufiger hier entlang und habe nicht zum ersten Mal erlebt, wie gefährlich es ist, wenn einem Fahrradfahrer entgegenkommen", sagte eine ältere Dame, die wenige Momente zuvor fast von einem Radler touchiert wurde.

Damit keiner behauptet, er wäre nicht gewarnt worden: Ein Schild mit der Aufschrift “Radfahrer absteigen“. Foto David Ebener

In Zukunft sind weitere stichprobenartige und auch Schwerpunktkontrollen im Baustellenbereich der Johannisstraße geplant, wie Oevermann berichtete. Anders als am Dienstag werden die Beamten dann aber in zivil auflaufen. Hintergrund: Durch den von weither sichtbaren Polizeiwagen war die "Absteiger-Quote" bei den Radlern relativ hoch. Udo Exner und Ottmar Sorg jedenfalls haben festgestellt, dass normalerweise weitaus mehr Fahrradfahrer die Bürgersteige nutzen, als während der Kontrolle am Dienstag. "Dass Fahrradfahrer hier die Gesundheit der Passanten und letztlich unserer Kunden gefährden, ist unser täglich Brot", sagte Sorg. 

Den beiden Geschäftsleuten ist klar, dass die Polizei nicht jeden Tag vor Ort kontrollieren kann. "Die haben auch noch andere Sachen zu tun", so Exner. "Ob die Kontrolle wirklich nachhaltig ist, glaube ich nicht. Aber immerhin ist das ein kleines Signal, dass die Johannisstraße nicht völlig in Vergessenheit gerät." Vielleicht könne ja auch schon eine noch deutlichere Beschilderung noch mehr Radfahrer dazu ermuntern, die 30 Meter zu schieben. "Ich verstehe nicht, dass man bei diesen beengten Verhältnissen nicht absteigt. Das kostet vielleicht zehn Sekunden", sagte Exner.

Die Polizei erwartete Radler, die den Gehweg für einen Fahrradweg hielten, in den Ladenzeilen. Foto: David Ebener

Dabei sind die Radler weitaus nicht die einzige Sorge, die die Ladeninhaber umtreibt. Die Hoffnung, dass die offene Drogen- und Alkoholszene vor dem Eingang des Hotels Meyer durch den Baustellenlärm vertrieben wird, hat sich nicht erfüllt. Dazu kommt die Baustellensituation vor der Ladentür, die den Händlern das Geschäft verdirbt.

An einigen Stellen hat der Gehweg kaum eine Breite von zwei Metern. Foto: David Ebener

Derzeit erneuern die Stadtwerke Osnabrück sämtliche Kanäle unter der Johannisstraße. Die Arbeiten haben kurz nach der Maiwoche begonnen und werden voraussichtlich im Frühjahr 2020 beendet sein. In zwei Etappen in diesem und im kommenden Jahr wollen die Stadtwerke die Erneuerungsarbeiten der Strom-, Wasser- und Gasanschlüsse abwickeln. Dabei verfahren die Stadtwerke in jeweils 50 Meter langen Baufeldern. Zwischen den Baufeldern können die Passanten die Straße queren. 

Anschließend kommen die Straßenbauer und beziehen die Johannisstraße mit einer strapazierfähigen Betondecke, die sich optisch der Bodengestaltung des neuen Neumarkts anpassen soll. Busse bleiben während der Bauarbeiten draußen, sie werden über Lyrastraße, Kollegienwall und Johannisfreiheit umgeleitet.

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