Osnabrücker Professorin warnt Essstörungen: Betroffene werden immer jünger

Von Viktoria Koenigs

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Osnabrück. Immer mehr jüngere Menschen leiden an Essstörungen. Zudem seien die Behandlungserfolge speziell bei Magersucht nicht zufriedenstellend. Darauf macht die Osnabrücker Psychologieprofessorin und neue Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen (DGESS), Silja Vocks, aufmerksam.

Wie die Uni Osnabrück mitteilt, zählen Essstörungen zwar nicht zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, sind jedoch mit gravierenden körperlichen und psychosozialen Folgeerscheinungen verbunden und nehmen unbehandelt zumeist einen chronischen Verlauf.

Zu den bekanntesten Formen gehören Magersucht (Anorexia nervosa), die durch das krankhafte Bedürfnis gekennzeichnet ist, Gewicht zu vermindern, und Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa). Dabei haben die Betroffenen ein unkontrolliertes Verlangen nach Essen, das sie anschließend durch absichtliches Erbrechen oder Einnahme von abführenden Medikamenten zu kompensieren versuchen. Auch die Binge-Eating-Störung ist von Essanfällen mit Kontrollverlust gekennzeichnet, allerdings zeigen die Betroffenen hier keine regelmäßigen Kompensationsstrategien. Zu den weniger bekannten Essstörungen zählt beispielsweise Pica, bei der Betroffene nicht nahrhafte und nicht zum Verzehr bestimmte Stoffe zu sich nehmen – zum Beispiel Erde, Seife oder Wolle. (Weiterlesen: Internetseite anorexie-heute.de klärt über Magersucht auf)

Behandlungserfolge nicht zufriedenstellend

Studien zeigen, dass sich die Rate an Neuerkrankungen bei Essstörungen in den vergangenen Jahren entgegen der Erwartungen nicht erhöht hat. „Besorgniserregend ist jedoch, dass Personen immer jüngeren Alters an Essstörungen erkranken“, erklärt Silja Vocks, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Osnabrück und neue Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen (DGESS). Die Behandlungserfolge für Essstörungen seien nicht zufriedenstellend; dies gelte insbesondere für die Magersucht. (Weiterlesen: Selbsthilfe für Eltern essgestörter Kinder in Osnabrück)

Diese „eher schlechten Prognosen“ würden auch damit zusammenhängen, dass es zwar viele Hinweise auf einzelne Risikofaktoren gebe, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen beteiligt sind – beispielsweise ein geringes Selbstwertgefühl oder Figur- und Gewichtssorgen. „Dieses Wissen ist jedoch weiterhin sehr fragmentarisch“, stellt Vocks fest. Auch würden Forschungsergebnisse oft nicht oder mit einem großen zeitlichen Verzug in die Praxis getragen und von ihr aufgenommen. An dieser Schnittstelle setze die Arbeit der DGESS an. Die Fachvereinigung fördert die Forschung auf dem Gebiet der Essstörungen und sowie deren Behandlung. (Weiterlesen: Uni Osnabrück setzt Forschungen zum Thema Magersucht fort)


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