Bühner und Team sagen tschüss „Großer Gourmet Preis“ wird zur Abschluss-Gala für das „La Vie“

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Gemeinschaftswerk: Thomas Bühner bedankt sich bei seinem Kollegen und Freund Sven Elverfeld für die Unterstützung beim Anrichten des Hauptgangs. Eine gute Tradition beim Gourmet Preis: Die Teams der verschiedenen Restaurants helfen sich gegenseitig beim Anrichten ihrer Gänge. Foto: Stefanie HiekmannGemeinschaftswerk: Thomas Bühner bedankt sich bei seinem Kollegen und Freund Sven Elverfeld für die Unterstützung beim Anrichten des Hauptgangs. Eine gute Tradition beim Gourmet Preis: Die Teams der verschiedenen Restaurants helfen sich gegenseitig beim Anrichten ihrer Gänge. Foto: Stefanie Hiekmann 

Osnabrück. Große Emotionen beim „Großen Gourmet Preis“: Nach der Schließung des „La Vie“ ist Thomas Bühner vorerst zum letzten Mal dabei gewesen - und nutzte die Bühne im Remarque-Hotel, um sich von den Osnabrückern zu verabschieden. Sein Wolfsburger Kollege Sven Elverfeld wurde erneut zum besten Koch Niedersachsens gekürt.

Ein Wettkochen war es noch nie. Der Titel der Veranstaltung mag irreführend sein, doch beim "Großen Gourmet Preis" im Osnabrücker Remarque-Hotel geht es um ein kulinarisches Gemeinschaftswerk: Die besten Köche des Landes servieren ein gemeinsames Gala-Menü, jeder steuert einen Gang bei – das ist das eigentliche Event. Die Preisverleihung für die bereits erbrachten und bekannten Leistungen, die in den aktuellen Ausgaben der einschlägigen Restaurantführer zusammengefasst sind, findet erst am späten Abend nach dem Menü statt. (Weiterlesen: Warum musste das „La Vie“ so plötzlich schließen?)

Doch in diesem Jahr war es nicht die Siegerehrung, die am Ende nachgeklungen hat. Ein ganzer Tisch neben der Bühne war besetzt mit ehemaligen Mitarbeitern des „La Vie“: Patron Thomas Bühner war es ein Anliegen gewesen, alle noch einmal einzuladen. „Wir waren ja etwas beraubt um die Möglichkeit, einen gemeinsamen Abschluss zu feiern und noch einmal tschüss zu sagen“, erklärte der Spitzenkoch dem Publikum und spielte damit auf das abrupte Ende des Gourmet-Restaurants am 16. Juli an: Die Georgsmarienhütte Holding GmbH hatte als Investor des weltbekannten Drei-Sterne-Restaurants kurzfristig entschieden, den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen. Die Mitarbeiter erfuhren davon erst, als sie den letzten gemeinsamen Service bereits absolviert hatten. Ein Happy End sieht anders aus – für die Mitarbeiter, aber auch für die Gäste.

Das Team des La Vie sagt Tschüss

So nutzte Bühner den „Großen Gourmet Preis“, um Osnabrück „tschüss“ und „danke“ zu sagen. Vormittags hatte sich das Team noch einmal in der noch immer voll funktionsfähigen „La Vie“-Küche versammelt, um gemeinsam die Komponenten für den Hauptgang des Menüs vorzubereiten. In der Remarque-Küche kümmerte sich dann Bühner höchstpersönlich um die Vollendung, während sein Team in Abendgarderobe im Saal saß. Unterstützt wurde der „La Vie“-Patron dabei von vielen helfenden Händen seiner niedersächsischen Kollegen – so wie es beim „Gourmet Preis“ schon gute Tradition ist: Wenn 30 oder mehr Köche in der Küche stehen, packen auch alle mit an – unabhängig davon, ob es nun der eigene Gang ist oder der von den Kollegen aus Wolfsburg, Cuxhaven, Bad Zwischenahn oder Osnabrück. (Weiterlesen: Nach „La Vie"-Aus: Rosin schießt gegen Bühner)

Alle Teams packen beim "Großen Gourmet Preis" mit an: Hier beim Anrichten des Fischgangs von Sven Elverfeld.

Nicht nur „quasi“ geschlossen

200 Gäste standen von ihren Plätzen auf, als Bühner zusammen mit seinem Team auf die Bühne kam und sich ganz offiziell von den Osnabrückern verabschiedete. „Ein besonderer Moment“, sagte Andreas Dietz, Moderator und Veranstalter des „Großen Gourmet Preises“, sehr treffend. Das „La Vie“ sei „quasi“ geschlossen, das Team nehme so nun tatsächlich nach zwölf Jahren Abschied. „,Quasi' ist nicht ganz richtig“, korrigierte Bühner. „,Geschlossen' ist das richtige Wort – tot, aus, over, fini.“ (Weiterlesen: 10. Gourmet-Preis in Osnabrück: Bühner auf dem zweiten Platz)

Nach dieser Klarstellung nutzte Bühner die Gelegenheit, um „danke“ zu sagen. Bei seinem treuen Team, das auch acht Wochen nach der Schließung noch mit ihm auf Reisen gehe und Events wie den „Gourmet Preis“ mit ihm absolviere. „Das ist keine Selbstverständlichkeit!“ Aber auch der Stadt und dem Osnabrücker Publikum gelte Dank, „wenn eine so glückliche und tolle Zeit zu Ende geht!“

Spekulationen über „La Vie“-Nachnutzung

Wie es jetzt für ihn weiter geht? „Das ist gerade die wohl am häufigsten gestellte Frage“, sagte Bühner mit einem Lächeln. „Ich weiß es tatsächlich nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich erst mal Urlaub machen werde, wenn alles wirklich vorbei ist! Und wenn Sie irgendwelche Gerüchte hören: Glauben Sie sie nicht. Es dürfte jetzt bewiesen sein, dass es in der Zeitung steht, wenn sich etwas bei mir ändert…“

Großer Gourmet Preis 2018: Viele helfende Hände beim Anrichten von 200 Portionen des sanft gegarten Rehbocks aus der "La Vie"-Küche von Thomas Bühner.

Was Bühner und sein Team für ihren letzten „La Vie“-Auftritt in Osnabrück vorbereitet hatten? Einen Hauptgang, den es zuletzt auch in einem der Menüs auf der „La Vie“-Karte gab und der vom Publikum auch am Sonntag im Remarque-Hotel mit einem großem Applaus gefeiert wurde: Sanft gegarter Rehbock mit Sellerie, Kirschcreme und Spitzkohl. (Weiterlesen: Viele Angebote für die ehemaligen „La Vie“-Mitarbeiter)

Große Begeisterung gab es auch für den Fischgang von Drei-Sterne-Koch und „Gourmet Preis“-Gesamtsieger Sven Elverfeld: Zusammen mit seinem Team hatte er Forellen aus der Lüneburger Heide mitgebracht. Serviert wurden sie in einem Sud aus Rauch und Gurkenvinaigrette, Senf und einem Hauch Kartoffelstampf. Genauso wie schon im vergangenen Jahr heimste das Team um Sternekoch Benjamin Gallein aus der „Ole Deele“ in Burgwedel bei Hannover mit den größten Applaus des Abends ein. Den gab es für das Dessert aus weißer Schokolade, Sauerampfer und Himbeeren von Patissier Nico Kuckenburg. 

Dessert von Patissier Niko Kuckenburg aus der "Ole Deele" in Burgwedel bei Hannover: Ein Eis aus weißer Schokolade, Himbeere und Sauerklee.

Einen sowohl farblich wie auch geschmacklich sensationellen Auftakt für das Menü hatte Tim Extra als Newcomer der Veranstaltung geliefert. Der junge Sternekoch aus Bad Zwischenahn servierte eine Kombination aus Gänseleber, Kirschen, Roter Bete und Sauerklee. Dass eine Bouillabaisse auch regional interpretiert werden kann, zeigte Sternekoch Achim Schwekendiek aus dem Schlosshotel Münchhausen in Aerzen bei Hameln. Zwei-Sterne-Koch Marc Rennhack aus dem Restaurant „Sterneck“ in Cuxhaven brachte zwei Produkte zusammen auf den Teller, die die meisten Menschen wohl sonst eher zu verschiedenen Mahlzeiten zu sich nehmen: Schweinenacken und Kaffee bildeten die Grundlage für seinen Gang.  

Besetzung für 2019 ist offen

Wie es nun im nächsten Jahr mit dem „Gourmet Preis“ weitergehen wird? Ein wichtiger Teil dieser Antwort wird sich bis Ende Dezember entscheiden. Denn nach und nach werden bis dahin die Restaurantführer für das kommende Jahr erscheinen – und in der Gesamtschau schließlich die Teilnehmer des „Großen Gourmet Preises 2019“ feststehen. Sicher ist: Das kulinarische Karussell dreht sich weiter. Und zumindest vorerst ohne Thomas Bühner.


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