Hymnen für den Jugendwahn Mitreißende Musik und viele Besucher beim Haste Open Air am Samstag

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In alter Frische:  „Killerpilz“ Jo Halbig beim elften Haste Open Air. Foto: André HavergoIn alter Frische: „Killerpilz“ Jo Halbig beim elften Haste Open Air. Foto: André Havergo 

Osnabrück. Mit umjubelten Auftritten von Le Fly und den Killerpilzen endete das elfte Haste Open Air am Samstag.

Das Quintett um Sängerin Frances K eröffnete den am Ende mit rund 600 Zuschauern stark besuchten zweiten Tag bereits am späten Nachmittag mit souliger Stimme zu entspanntem Rhythm´n Blues, ohne diesen dabei in ein zu enges Korsett zu schnüren. Auch krachende Rock-Riffs und eingängige Pop-Elemente fanden ihren Platz in der ausgewogenen Mischung. Die siebenköpfige Formation Matthewgraye aus Hildesheim beließ es ebenfalls nicht beim reinen Ska. Zu den Bläsersätzen gesellten sich mal rockige, mal poppige und mal punkige Töne – vielarmig könnte man sagen auch angesichts des aktuellen Albumtitels „Doctor Octopus“. Sänger Michael Bronskiewicz schien zunächst etwas atemlos zu sein. Doch die Puste reichte, um seine zwischenmenschlich zeitkritischen Texte bis hin zu „Ein letztes Mal“ zu intonieren. Mal gesellte sich Trompeter Yannick hinzu, um sich mit dem Frontmann Hiphop-artige Gesangsduelle zu liefern. Lässig groovten sie „mal weg“, um sogleich „Bleib stehen“ hinterher zu schicken – ein Titel, der das Publikum mit seinem treibenden Funk-Appeal indes eher zum Gegenteil bewegte. 

Explosive Mischung

So richtig Bewegung in die Menge kam durch die Co-Headliner von Le Fly, die mit allen Neunen und ihrer „St. Pauli Tanzmusik“ passend zu den Feuerfontänen an den Bühnenrändern eine musikalische Stimmungskanone nach der anderen zündeten. Etwaige schlechte Stimmung wurde nicht zuletzt mit Trompete und Posaune buchstäblich weggeblasen. Nicht nur zur programmatischen Textzeile „Sei nicht immer so negativ“ brachten die Kiez-Kracher jede Menge positive Energie auf den Platz. Ganz im Sinne ihres aktuellen Albumtitels „Kopf aus Fuß an“ versprühten Le Fly eine explosive, extrem tanzbare Mischung aus Reggae, Power-Rock, Hiphop und Rave in die Haster Partygemeinde, machten sich bereitwillig zum „Affenmann“ und entführten sie mit gar nicht mal so „ätzend fröhlichem“ Samba-Rock stimmungsmäßig bis nach Rio. (Weiterlesen: Für Kinder und Kuba: Elftes Haste Open Air furios gestartet)

Giftige Gitarren

Der Gefahr, nach dieser fulminanten Show zum Stimmungskiller zu werden, begegneten die Killerpilze als Hauptact des Abends mit giftigen Gitarren, hämmernden Beats und jeder Menge himmlisch hymnischer Ohrwurmmelodien. In den Nullerjahren als Teenie-Band berühmt geworden, huldigen die zum Trio geschrumpften Münchner auch in ihrem 16. Jahr dem Jugendwahn. So preschten sie gleich zu Beginn juvenil vor, indem sie „Die Stadt klingt immer noch nach uns“ skandierten, um es knapp eine Stunde später mit „Wir sind immer noch jung“ überdeutlich zu machen. Gitarrist und Sänger Jo Halbig, dessen Bruder Fabi am Schlagzeug sitzt, ließ sich deshalb bestimmt nicht altersbedingt auf einem Gitarrenkoffer über die ersten Zuschauerreihen tragen statt klassisches Stagediving zu betreiben. Auch mit einigen alten, noch etwas unbedarfteren, ungeschliffeneren Songs, die aber gar nicht mal so „richtig Scheiße“ sind, warteten die Killerpilze auf – und beendeten das Haste Open Air Nummer Elf mit der Power-Rockballade „Ich kann auch ohne dich“ – was für die Region mit Bezug auf dieses kleine, aber feine Alternativ-Festival spätestens seit diesem Wochenende nicht mehr gilt.


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