Lesung mit Mehrwert Weltalphabetisierungstag: Autorin Marion Döbert in Osnabrücker Stadtbibliothek

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Zugänglich: Marion Döbert las in der Stadtbibliothek Auszüge aus ihren in bewusst einfacher Sprache verfassten neuen Büchern vor. Foto: Thomas OsterfeldZugänglich: Marion Döbert las in der Stadtbibliothek Auszüge aus ihren in bewusst einfacher Sprache verfassten neuen Büchern vor. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Anlässlich des von der Unesco zum Weltalphabetisierungstag erklärten 8. September las die Autorin Marion Döbert in der Stadtbibliothek Osnabrück Auszüge aus ihren beiden neuesten in bewusst einfacher Sprache verfassten Büchern vor.

Unter dem Motto „Gönn dir Buchstaben“ hatten die Volkshochschulen von Stadt und Landkreis und die Bibliotheken der Region zu einem Aktionstag eingeladen, um darauf aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren, dass laut Schätzungen auch in Deutschland aktuell rund siebeneinhalb Millionen erwachsene Menschen leben, die in ihrer Muttersprache nicht oder nicht ausreichend lesen und schreiben können. Vor dem Eingang der Stadtbibliothek fand ein Bücherflohmarkt zugunsten der Alphabetisierungsarbeit der Volkshochschule statt, im Treppenhaus gab es wie in anderen niedersächsischen Städten auch die Möglichkeit, subjektive Gedanken, Gefühle oder Bilder zum Thema Lesen aufzuschreiben oder aufzumalen. Die Ergebnisse werden zusammengetragen und in Form der Ausstellung einer „Leseleine“ auf Wanderschaft gehen. 

Ausschmücken erlaubt

Höhepunkt des Aktionstages in Osnabrück war die Leseveranstaltung mit Marion Döbert, die sich rasch als eine mit Mehrwert entpuppen sollte. Denn die für ihre Verdienste um die Alphabetisierung mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Autorin gewährte nicht nur Einblicke in ihre Biografie als „Papierkind“, sondern lüftete für jedermann verständlich auch das Geheimnis, wie man Geschichten entwickelt und Bücher daraus macht. Sie selbst wähle beim Schreiben meist eine Mischform aus Wahrheit und Fiktion, was heißt, dass am Anfang eine wahre Geschichte steht, zu der dann aber ausschmückend etwas „dazugedichtet“ werden könne. Da ihr irgendwann einmal aufgefallen sei, dass es nicht viele Bücher für Menschen gibt, die nicht gut lesen und schreiben können, habe sie beschlossen, in einer einfachen und klaren Sprache zu schreiben, die auch für „ungeübte Leser“ geeignet ist, erläuterte Döbert ihr Anliegen. So zeichnen sich ihre Bücher durch leicht zugängliche, kurz und prägnante Sätze, größere Schrift und die Vermeidung von schwierigen Wörtern aus, soweit dies möglich ist.

Lesen schmackhaft gemacht

Als Kostprobe tischte sie „Zum Nachtisch: Leben!“ auf, so der Titel des Buches, in dem die übergewichtige Protagonistin Molly am Ende auch ohne Diät wieder lernt, sich selbst wertzuschätzen und zu lieben. Außerdem „Raues Brot“ als die wahre Lebensgeschichte der beiden Freunde Claas und Henk, die im Krieg als Zwangsarbeiter verschleppt wurden, aber auch viel Hilfe erfahren haben. Anrührend geriet dabei am Ende Döberts Enthüllung ihres ganz persönlichen, familiären Bezugs zu dieser Geschichte. Dass auf den Tischen der Stadtbibliothek an diesem Tag „Russisch Brot“ serviert wurde, mag als augenzwinkernder Hinweis der Veranstalter „gelesen“ werden, ihrem Tagesmotto auch durch das buchstäbliche Verschlingen von Buchstaben Geltung zu verschaffen.


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