Zeichen gegen Ausgrenzung Vier Tage und Nächte „Fest der Kulturen“

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Machen das „Fest der Kulturen“ möglich: Mario Franz (Sinti-Verein „Maro Dromm Sui Generis“), Stadtrat Wolfgang Beckermann, Katharina Opladen (Büro für Friedenskultur), Sängerin Tina Sona, Monika Dieckmann (Büro für Friedenskultur), Musiker Nils Bölting, Yelda Karagöz (Atatürk Kultur- und Jugendverein Osnabrück). Foto: Jörn MartensMachen das „Fest der Kulturen“ möglich: Mario Franz (Sinti-Verein „Maro Dromm Sui Generis“), Stadtrat Wolfgang Beckermann, Katharina Opladen (Büro für Friedenskultur), Sängerin Tina Sona, Monika Dieckmann (Büro für Friedenskultur), Musiker Nils Bölting, Yelda Karagöz (Atatürk Kultur- und Jugendverein Osnabrück). Foto: Jörn Martens

Osnabrück Ein Begegnungsfest der Nationen ist das „Fest der Kulturen“ in Osnabrück, das immer am dritten Sonntag im September gefeiert wird. In diesem Jahr wurde das Format erweitert: Clubnächte, Weltenbummler-Partys und ein Sinti-Musik-Festival sollen zusätzlich ein Zeichen für Toleranz setzen.

Mario Franz hat ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen: „Wir nennen unsere Band manchmal auch Kapelle Krach“, sagt er. Der Grund sei, dass er und seine Kollegen zu selten proben. Dabei hat Mario einen prominenten Mitmusiker, wenn er mit dem Gespann, so heißt die Band richtig, auftritt: Danny Weiss, Sohn des legendären Sinti-Jazzers Hänschen Weiss. Ob es sich nun um einen Scherz handelt oder Das Gespann tatsächlich Krach produziert, wird das Publikum am Samstag, dem 15. September, am Markt überprüfen können, denn dann findet auf der Bühne neben dem Rathaus das erste Osnabrücker Sinti-Musik-Festival statt.

„An diesem dritten Wochenende im September veranstaltet die Stadt traditionell das Fest der Kulturen“, erklärt Stadtrat Wolfgang Beckermann. Dafür werde eine Bühne auf dem Markt aufgebaut, die man dann, so wurde schon vor Jahren überlegt, auch für weitere Veranstaltungen nutzen könnte. In Zusammenarbeit mit dem Sinti-Verein Maro Dromm Sui Generis entwickelte das Büro für Friedenskultur die Idee für einen Abend voller Sinti-Musik. Vier Bands, unter anderem das Modern Gypsy Jazz Quartett mit dem bekannten Geiger Sandro Roy, laden zu einer Reise durch die unterschiedlichen Facetten des Gypsy-Sounds ein. Außerdem wird der Osnabrücker Rapper Jeffrey Schmidtke sein Album mit dem provokanten Titel „Zigeuner“ vorstellen.

„Angesichts der aktuellen Situation ist es besonders wichtig, Position gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung zu beziehen“, erklärt Beckermann und bezieht sich damit auf die Vorfälle in Sachsen. „Das Fest der Kulturen war immer ein lebendiges Statement für das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Nationen“, ergänzt Katharina Opladen vom Büro für Friedenskultur während der Vorstellung des Programms, das diesmal das Anhängsel XXL verliehen bekam, weil es insgesamt vier Tage beziehungsweise Nächte dauert.

Am Donnerstag startet das Fest mit der Cosmo Club Night, in der fünf Clubs, von der Kleinen Freiheit bis zum Alando Palais, Sonderprogramme mit DJs und Livebands anbieten. Am Freitag kann der Besucher in der „Weltenbummlernacht“ albanische Kultur schnuppern oder an einer „akustischen Hafenrundfahrt“ teilnehmen. Während dieser vierzigminütigen Kleinkreuzfahrt mit dem Fahrgastschiff „Lyra“ werden die Passagiere von der Sängerin Tina Sona unterhalten, die gemäß dem Motto „Canal de Soul“ eigene Songs und Coverversionen bekannter Soultitel singt. Derweil lädt der Atatürk Kultur- und Jugendverein zur türkischen Party ins Jugendzentrum Westwerk ein, und in der Lagerhalle wird das Exil-Sommerfest mit Live-Bands und DJ-Show gefeiert.

Nach dem Sinti-Musik-Festival am Samstag auf dem Markt wird dann am Sonntag das traditionelle „Fest der Kulturen“ zelebriert. „Insgesamt 30 Nationalitäten beteiligen sich an der Veranstaltung“, betont Monika Dieckmann vom Büro für Friedenskultur. An insgesamt 60 Ständen könne man sich über die Arbeit der Kulturvereine in Osnabrück informieren und internationale Leckereien probieren, derweil auf der Bühne von 13 bis 19 Uhr ein mannigfaltiges Programm mit Musik, Tanz, Literatur und sogar Kampfkunstvorführungen geboten wird.

Finanziert wird die 15000 Euro teure, viertägige Veranstaltung aus Mitteln der Stadt, des Landschaftsverbands Osnabrücker Land sowie der Firmen Piepenbrock und Bedford. Letztere stiftet allein 4800 Euro, das ist ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf des „Friedensschinkens“, speziell für das Fest der Kulturen am Sonntag. Laut Dieckmann werden allein am Sonntag wieder circa 10000 Besucher erwartet.


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