Baubeginn für 2021 geplant Wettbewerb für das Osnabrücker Justizzentrum ist entschieden

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Osnabrück. Klare Linien, funktionale Zusammenhänge, aber keine spektakulären Formen – so soll das Justizzentrum am Neumarkt aussehen. Beim Architektenwettbewerb setzte sich das Büro léonwohlhage aus Berlin durch. Für 30 Millionen Euro soll das alte Gefängnis abgerissen und durch einen Neubau für die Justiz ersetzt werden.

Mit dem seit langem geplanten Erweiterungsbau soll die Raumnot der Osnabrücker Gerichte endgültig behoben werden. Fünf neue Gerichtssäle am Kollegienwall waren der Anfang. Mit dem Entwurf des Preisträgers konkretisiert sich nun der zweite Bauabschnitt: Wo jetzt noch der Knast aus der Preußenzeit steht, ist ein fünfgeschossiger Komplex geplant. Unten Büros, oben drei Ebenen für das neue Untersuchungsgefängnis.

Die Eingänge für das Landgericht am Neumarkt und das Amtsgericht am Kollegienwall sollen geschlossen werden, dafür entsteht ein neues Portal mit Sicherheitsschleuse unter der Platane. Davon verspricht sich die Justiz eine effizeinte Personenkontrolle mit weniger Personal. Beim Entwurf von léonwohlhage gelangen Besucher über vier Treppenstufen oder eine Rampe in eine lichtdurchflutete Säulenhalle, wo ihnen ein unkompliziertes Wegeleitsystem bei der weiteren Orientierung hilft.

„Beamtenlaufbahn“ bleibt

Landgerichtspräsident Thomas Veen hat die Übersichtlichkeit an dieser Lösung beeindruckt. Beide Gebäude seien gut zu erreichen, der Eingriff in die zum Teil denkmalgeschützte Bausubstanz sei minimal. Auch Cristina v. Pozniak-Bierschenk, die Leiterin des Staatlichen Baumanagements, würdigt die klare Struktur und den behutsamen Umgang mit den vorhandenen Gerichtsgebäuden. Dazu gehöre auch, dass die inneren Wegebeziehungen erhalten blieben.

Die Jury, die unter dem Vorsitz des Kölner Architekten Johannes Kister tagte, entschied sich einstimmig für die Arbeit von léonwohlhage. Bemerkenswert ist, dass der Berliner Preisträger den Verbindungsgang zwischen den oberen Geschossen von Landgericht und Amtsgericht – auch „Beamtenlaufbahn“ genannt – in sein Konzept einbezog, während die meisten Entwurfsverfasser aus gestalterischen Gründen darauf verzichteten. Für die Erreichbarkeit der verschiedenen Ebenen wird das als entscheidender Vorzug angesehen.

Obwohl der von der Stadt Osnabrück aufgestellte Bebauungsplan für den rückwärtigen Bereich acht Geschosse zulässt, beschränkt sich der Siegerentwurf mit fünf Ebenen und einem Kellergeschoss. Diese kompakte Bauweise sei eine „sehr wirtschaftlichen Lösung“, sagt Projektleiter Harald Löker vom Staatlichen Baumanagement. Ob das ehrgeizige Vorhaben für die angepeilten 30 Millionen Euro zu haben ist, wird sich in den nächsten Verfahrensschritten herausstellen. Nach dem Zeitplan, den Cristina v. Pozniak-Bierschenk verfolgt, soll 2021 Baubeginn sein. Das bedeutet in diesem Fall nicht, den Betonmischer zu bestellen, sondern zunächst das 140 Jahre alte Knastgebäude abzutragen.

Weniger Platz für Häftlinge

Die Untersuchungsgefangenen müssen deshalb für mindestens zwei Jahre in anderen Städten untergebracht werden. JVA-Leiter Helmut Krone rechnet nicht damit, dass die Haftanstalten in Lingen und Vechta genug Platz haben, um die Tatverdächtigen aufzunehmen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit, so mutmaßt er, müsse wohl auch in Oldenburg und Hannover um Amtshilfe ersucht werden. Wenn das Osnabrücker Justizzentrum wie geplant 2023 in Betrieb gehen kann, stehen Haftplätze für 41 Untersuchungsgefangene zur Verfügung. Die meisten sollen in Einzelzellen untergebracht werden, vorgesehen sind aber auch drei Gemeinschaftszellen. Im alten Bau gibt es 45 Plätze. Es wurden aber auch schon deutlich mehr Gefangene inhaftiert.

Beim Wettbewerb des Staatlichen Baumanagements gingen 18 Architektenbüros ins Rennen, aber nur zwölf lieferten am Ende einen Entwurf ab. Ein größerer Teil der Büros war aus einem größeren Bewerberkreis ausgelost worden, einen kleineren hatte die Behörde angesprochen, weil sie Erfahrungen im Justizbau haben. Zu ihnen gehören auch die Architekten von léonwohlhage. Weitere Preisträger sind das Büro rw+ aus Berlin und harris + kurrle aus Stuttgart. Eine Anerkennung wurde dem Büro Dömges Architekten aus Regensburg zugesprochen.

Die Entwürfe der Preisträger werden vom 13. September bis zum 4. Oktober im Foyer der Universitätsbibliothek am Nelson-Mandela-Platz 1 ausgestellt. Dort sind sie von Montag bis Samstag jeweils von 10 bis 18 Uhr zu sehen.


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