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09.09.2018, 13:00 Uhr KOMMENTAR

Hybrid-Siebener als OB-Dienstwagen: Aus Freude am Sparen

Kommentar von Sebastian Stricker

Geht der Umwelt offenbar stärker an die Nieren als erwartet: der BMW 740e iPerformance. Zumindest das von Osnabrücks Oberbürgermeister als Dienstwagen verwendete Fahrzeug verbraucht knapp viermal mehr Benzin, als der Hersteller verspricht. Foto: BMWGeht der Umwelt offenbar stärker an die Nieren als erwartet: der BMW 740e iPerformance. Zumindest das von Osnabrücks Oberbürgermeister als Dienstwagen verwendete Fahrzeug verbraucht knapp viermal mehr Benzin, als der Hersteller verspricht. Foto: BMW

Osnabrück. Im Fall von Osnabrück muss der alte BMW-Werbespruch "Aus Freude am Fahren" wohl umgetextet werden. "Aus Freude am Sparen" wäre treffender. Doch damit ist nicht der Benzinverbrauch gemeint. Denn der Hybrid-Siebener, den der Oberbürgermeister seit einem Jahr dienstlich fährt, hat wesentlich mehr Durst als angenommen.

Gut zwei Liter auf 100 Kilometer hatte der Hersteller beim 740e iPerformance versprochen. Doch tatsächlich braucht die Luxuslimousine nach Angaben der Stadt Osnabrück viermal so viel. Immerhin: Beim Kohlendioxidausstoß scheint das zweimotorige Dickschiff aus München die Erwartungen erfüllt zu haben. 50 Gramm CO2 pro Kilometer entsprechen den Daten im Prospekt. Und bei einer Gesamtleistung von knapp 20.000 Kilometern im Jahr ist die Entscheidung für ein Auto, das zumindest im Nahbereich vollelektrisch und damit emissionsfrei fahren kann, unterm Strich nicht verkehrt.

Neben Fragen des Komforts und Klimaschutzes dürften es jedoch vor allem die niedrigen Kosten für die Fahrzeuganschaffung gewesen sein, die den Verwaltungsausschuss jetzt ein zweites Mal davon überzeugten, dem OB ein solches Modell zur Verfügung zu stellen. Beträge werden offiziell zwar nicht genannt. Aber die Leasingrate ist angeblich unschlagbar günstig. Was möglicherweise ein Zeichen dafür ist, dass BMW der Hybrid-Siebener (Listenpreis um die 100.000 Euro) normalerweise nicht gerade aus den Händen gerissen wird. Aber das kann der Stadt ja egal sein. Sie sollte sich höchstens überlegen, wie es gelingt, die Antriebsbatterie im OB-Dienstwagen künftig mit reinem Ökostrom zu laden. Ein E-Motor, der zu großen Teilen Kohlestrom tankt, führt den Grundgedanken von Elektromobilität ad absurdum.



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