Erfolgreiches Format etabliert sich Festival „Wohnton“ bietet hohe Kunst ganz privat

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Bereits mit der zweiten Ausgabe ist das Kammermusikfestival „Wohnton“ des Osnabrücker Symphonieorchesters zum Erfolgsformat geworden. Der Grund: Es ist so schön heimelig.

Gut, echte Wohnzimmer finden sich nur zwei auf den Routen des „Wohnton“-Festivals. Aber das Seniorenwohnheim Haus Ledenhof baut ein Wohnzimmer nach, und heimelige Atmosphäre stellen ein Ladenlokal, eine Ergotherapiepraxis und ein Keramikatelier auch her. Ganz egal, wo das Publikum auf Kammermusikformationen trifft: Bei „Wohnton“ kommt das Publikum der Musik im wörtlichen Sinn nahe. Wenn man so will, ist das eine Art historische Aufführungspraxis, denn die Zuhörer erleben die Musik so, wie Komponisten sie gemeint haben: als hohe Kunst, die im privaten Umfeld einem auserlesenen Publikum dargeboten wird. Weiterlesen: Zu Gast bei Prof. Wienhausen

Festival ist nahezu ausverkauft

Dass das Theater Osnabrück und vor allem das Osnabrücker Symphonieorchester damit ein Erfolgsformat auf den Weg gebracht haben, belegt der Zuspruch. Offenbar standen der Leiterin des Musikbüros im Theater, Dorit Schleissing, und ihrer Mitarbeiterin Christine Oeser mehr Räume zur Verfügung, als sie benötigt haben. Außerdem konnten die beiden weit im Vorfeld von „Wohnton“ einen ausverkauften Freitag und nur noch wenige Restkarten für den Samstag vermelden. Dabei heißt es oft, Kammermusik sei schwer verkäuflich.

Aber vielleicht entspringt diese Mär den gleichen Quellen, aus denen munter die Gerüchte von der Klassikkrise sprudeln. Doch ausverkaufte Konzertsäle von Hamburg bis Freiburg belegen, wie sehr Klassik zumindest in Musikmetropolen boomt.

Schwierig, aber angesagt: Die Kammermusik

In kleineren Kommunen wie Osnabrück stellt sich das ein bisschen anders da. Trotzdem liefern gerade die Musikerinnen und Musiker des Symphonieorchesters regelmäßig den Beweis, wie angesagt Kammermusik auch in Osnabrück ist. Für ein Wochenende verlassen die Musiker daher in kleinen Ensembles das Orchesterstudio und bringen die Musik zu den Leuten.

Freilich braucht das Unterstützung: Der Musikverein fördert und veranstaltet die Kammermusikreihe im Orchesterstudio. Und das Festival „Wohnton“ finanziert nicht nur der Automobilzulieferer ZF, sondern ganz maßgeblich der Verein; „ohne den Osnabrücker Musikverein wäre ,Wohnton‘ nicht möglich“, sagt Generalmusikdirektor Andreas Hotz.

Weitere Unterstützung kommt aus dem Theater selbst: Es stellt das nötige Personal und liefert das Konzept. Denn unverkennbar lehnt sich „Wohnton“ an die „Spieltriebe“ an, jenes Theaterfestival, das auf sechs Routen vom Theater am Domhof an ungewöhnliche Spielorte im ganzen Stadtgebiet und schließlich zurück ins Theater führt. Auch Wohnton versammelt zunächst alle Zuhörer und bringt sie am Ende wieder zusammen.

Orchester übt sich in Vielfalt

Dabei übt sich das Orchester in Vielfalt: Los geht’s mit Barockmusik von Georg Friedrich Telemann und dessen Zeitgenosse Melchior Hoffmann, am Ende erklingen Jazzstandards von Richard Rogers und George Gershwin. In beiden Fällen begeben sich die Orchestermusiker auf fremdes Terrain; umso bewundernswerter ist die Sicherheit, mit der sie sich dort bewegen.

Manche sogar auf beiden: Kontrabassist Matthias Wernecke legt das Fundament für die Barockmusik und zupft die Walkingbässe beim Jazz. Und Sopranistin Erika Simons, sonst eher im lyrischen Opernfach zu Hause, probiert sich im Barockgesang aus und singt leidenschaftlich Jazz. Lupenrein agieren dabei weder die Barocksolisten noch die Jazzer. Aber als glänzender Rahmen für ein gelungenes Format funktionieren beide Formationen tadellos. Und wenn dann noch Marian Ghisa vorführt, dass er nicht nur im Orchester Klarinette, sondern in der Jazzbandein lyrisches Saxofon in bester Paul-Desmond-Tradition spielt, ist alles gut.


Die Routen im Einzelnen:

Andante grazioso

Allegro con spirito

Presto con fuoco https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1519991/spielerische-untiefen-auf-der-presto-route

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN