Heger Laischaft prüft Grenzen Olle use 2018: Schnatgang mit traditioneller Backpfeife

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Osnabrück. Kein Karnevalsumzug, sondern der Schnatgang zog am Freitagnachmittag vom Osnabrücker Marktplatz ins Heger Holz, um die Grenzen des Laischaftsgebiets zu prüfen. An der "Eisernen Hand" erhielt ein Junge eine Backpfeife.

Die Heger Laischaft, die Fahnen- und Schilderträger und die Kutsche mit dem Schützenkönigspaar Klaus und Anke Reichert-Duhme führte eine lange Menschenschar an. Die Schulkapelle des Ratsgymnasiums und das Blasorchester der Angelaschule spielten stimmungsvolle Blasmusik beim Schnatgang.

Die Heger Laischaft wird musikalisch von der Ratskapelle begleitet. Foto: Thomas Osterfeld

Nachdem der Menschenzug vom Marktplatz durch das Heger Tor auf dem Weg zur "Eisernen Hand" war, setzte auf einmal starker Regen ein. Zunächst marschierten die Altstädter tapfer weiter, bevor sie doch zum Unterstellen aufriefen. Nach dem Schauer drehte ein Junge der Ratskapelle seine Tuba um und ein Wasserschwall floss auf die Straße.

Platzregen auf der Lotter Straße unterbricht den Schnatgang. Foto: Thomas Osterfeld

Ohrfeige für Jungen

Etwa 500 Meter weiter an der "Eisernen Hand" in der Lotter Straße erhielt dann ein Junge eine Ohrfeige. So soll sich traditionell die Jugend die Grenzen hinter die Ohren schreiben. Stellvertretend für alle Jungen musste der diesjährige Schützenkönig der Heger Laischaft Matthias Mohrbutter (14) seine Wange hinhalten. Angst hatte er keine. "Die Ohrfeige ist ja nur symbolisch", sagte Mohrbutter. 

Vor der "Eisernen Hand" erklärt Gerd Gust die Tradition. Foto: Thomas Osterfeld

Nach einer kurzen Erklärung, woher die Tradition stammt, sagte der Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft Gerd Gust: "Wir müssen das jetzt machen", und gibt dem Jungen eine sanfte Ohrfeige. Bereits im Vorfeld hatte er erklärt: "Da der Junge erst vor Kurzem eine Zahnspange bekommen hat, wird die Backpfeife sehr wohlwollend ausfallen."

Gerd Gust, Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft, gibt Matthias Mohrbutter eine Backpfeife. Foto: Thomas Osterfeld

Baum beim Grenzgang gefällt

Für den Jungen und andere Kinder, die mitgingen, gab es nach der Backpfeife eine süße Brezel. Über den Lieneschweg marschierte der Menschenzug weiter zum Heger Holz. Die 1560 gegründete Laischaft kontrolliert beim jährlichen Schnatgang die Grenze ihres Gebiets. Ursprünglich war die Laischaft ein Zusammenschluss von Weideland-Besitzern. Das einstige Weideland ist jedoch seit über 300 Jahren ein Wald und zwar das Heger Holz. Auch wenn der Schnatgang heute mehr Brauchtum ist, wurde am Freitag in der Nähe des Parkhotels eine über die Grenze ragende Esche gefällt. „So jetzt ist die alte Grenze wieder hergestellt“, erklärt Gust.

"Heger Laischaft. So alt wie die Stadt" steht auf einem der Schilder. Foto: Thomas Osterfeld

Eigentlicher Schnatgang

Am Schnatgang nehmen traditionsgemäß die Mitglieder der Heger Laischaft teil, die sich selbst Interessenten nennen. Interessent ist, wer eine der 248 sogenannten Gerechtigkeiten besitzt. Zu den "Gerechtigkeiten" gehören Altstadtgebäude und Parzellen im Heger Holz.

Da einige Immobilien in anderen Besitz übergegangen sind, haben auch manche Institutionen eine "Gerechtigkeit" inne: Stadt Osnabrück, evangelische Stiftung, katholische Kirche und Sparkasse. Deshalb marschierte am Freitag auch der Osnabrücker Oberbürgermeister Wolfgang Griesert mit.

Fackelzug am Vorabend 

Am Abend vor dem eigentlichen Schnatgang fand in Osnabrück ein Fackelzug statt. Foto: Michael Gründel

Am Tag vor dem eigentlichen Schnatgang fand der traditionelle Fackelzug statt. Zum ersten Mal sangen am Donnerstag die Altstädter ihr neu konzipiertes Heger-Laischafts-Lied. "Alle sieben Jahre sammelt sich der Interessenten Schar mit Fackelzug zum großen Schnatgang, das ist wunderbar", heißt es in der 2. Strophe.


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