Zehn Jahre „Fit für den Start Fabi Osnabrück: „Auf Vätern lastet ein großer Druck“

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Osnabrück. In dieser Woche feiert die Katholische Familienbildungsstätte (Fabi) das zehnjährige Bestehen ihres Projekts „Fit für den Start“. Mechthild Werner, die zuständige Fachbereichsleiterin der Fabi sagt, warum man sich fürs erste Kind fit machen muss und was sie für die Zukunft der Kurse erhofft.

Frau Werner, warum wurde „Fit für den Start“ überhaupt gegründet?

Die Initiative ging von einer Osnabrücker Frauenärztin, Ursula Hoffmann, aus. Die hat in ihrer Praxis immer wieder festgestellt, dass viele Paare unsicher sind, wenn das erste Kind kommt, und dachte, da könnten wir vielleicht etwas anbieten. Gleichzeitig ging das Nifbe, das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung, an den Start – und so kam ein gemeinsames Pilotprojekt zustande, das wir zum Glück auch fortführen konnten, als die Anschubfinanzierung durch das Institut zu Ende ging.

Was unterscheidet den Kurs von den normalen Kursen zur Geburtsvorbereitung?

Geburtsvorbereitungskurse werden von einer Hebamme geleitet, und es geht vor allem um körperliche Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt, angesprochen sind besonders die schwangeren Frauen. „Fit für den Start“ ist dagegen ein Kurs für werdende Mütter und Väter, der auf das Leben und den Umgang mit dem Kind vorbereitet und der vor allem danach fragt, was sich sozial verändern wird, wenn das Baby auf der Welt ist. In der Paarbeziehung zum Beispiel, im Freundeskreis, im Beruf. Ein weiterer wichtiger Unterschied: Bei uns gibt es zwei Kursleiter, von denen einer ein Mann ist, ein erfahrener Vater, der besonders für die Fragen der werdenden Väter zuständig ist.

Welche Fragen haben werdende Väter denn?

Werdende Väter machen sich viel mehr Gedanken als früher: Wie möchte ich als Vater sein? Was ändert sich in der Beziehung zu meiner Frau, wenn ein Kind da ist? Wie schaffe ich es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen? Soll ich Elternzeit nehmen und wenn ja, wie lange? Auf jungen Vätern lastet ein ziemlich großer Erwartungs- und Rollendruck – da tut es gut, mit anderen Vätern darüber zu reden. Deshalb trennen wir die Gruppen auch an zwei Abenden, die Männer und die Frauen reden für sich über Sachen, die sie sonst vielleicht nicht sagen oder fragen würden.

Auch früher haben Paare das erste Kind bekommen, aber sie haben keinen Kurs gemacht. Wird heute mehr problematisiert?

Zumindest gibt es heute einen größeren Wunsch nach Perfektion: perfekt als Eltern, als Paar, als Freund oder Freundin, als Mitarbeiter im Beruf. Aber da versuchen wir in unseren Kursen auch einfach, ein bisschen Gelassenheit reinzubringen. Man darf immer noch auf sich und sein Bauchgefühl vertrauen.

Welche Paare kommen in die Kurse?

Das ist ganz gemischt. 1900 Teilnehmer waren es in zehn Jahren, von ganz jungen Eltern, die vielleicht noch in der Ausbildung sind, bis zu Akademikern, die erst mal lange an ihrer Karriere gearbeitet haben. Wir finden, dass gerade diese bunte Mischung eine große Bereicherung ist. Und oft finden die Gruppen, die sich viermal in der Schwangerschaft und zweimal mit Baby nach der Geburt treffen, auch wirklich zusammen und verabreden sich auch später noch – privat oder in anderen Babykursen.

Wie kommen die Teilnehmer zu Ihnen?

Über ganz viele Kooperationspartner. Die Gynäkologen empfehlen uns, die Hebammen, die Krankenhäuser bei den Kreißsaalbesichtigungen. Zum Teil halten wir die Kurse auch dort ab, in Krankenhäusern oder Familienzentren. Aber wir kooperieren auch mit Betrieben. Es gibt einige öffentliche und private Unternehmen in der Region, die machen ihre Mitarbeiter auf den Kurs aufmerksam und bezuschussen es, wenn sie daran teilnehmen. Darüber freuen wir uns, denn es soll für die Paare ja bezahlbar bleiben. Deshalb werden von Unternehmen, aber auch von sozialen und städtischen Einrichtungen Gutscheine für „Fit für den Start“ verschenkt.

Haben Sie zum Geburtstag Wünsche für die Zukunft?

Einen ganz besonders: Wir würden uns wünschen, dass die Krankenkassen die Kosten für den Kurs ganz oder teilweise übernehmen. Wir helfen, dass Eltern und Kinder einen guten Start in ihr gemeinsames Leben haben, dass es ihnen von Anfang an gut geht – und das ist ganz klar gesundheitliche Prävention. Das sehen die großen gesetzlichen Krankenkassen noch nicht ein, aber wir bleiben dran. Ein weiterer Wunsch: Sponsoren, die die Kurse finanziell unterstützen. Zum Beispiel konnten wir jetzt zum 10-Jährigen durch einen Sponsor unser Werbe- und Infomaterial neu gestalten; so was sitzt im normalen Etat nicht drin, und dafür sind wir dankbar.

Weitere Informationen:www.fit-fuer-den-start.de


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