Im Gegensatz zum Umweltminister Osnabrücks Oberbürgermeister hält an Hybrid-Dienstwagen fest

Von Sebastian Stricker und Wilfried Hinrichs

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Das Nummernschild verrät den Dienstwagen des Oberbürgermeisters: OS steht für Osnabrück, W für Wolfgang (Griesert) – und 1648 für das Jahr des Westfälischen Friedens. Das "E" wiederum weist auf den Elektromotor des Hybrid-Fahrzeugs vom Typ BWW 740e iPerformance hin. Foto: Rainer Lahmann-LammertDas Nummernschild verrät den Dienstwagen des Oberbürgermeisters: OS steht für Osnabrück, W für Wolfgang (Griesert) – und 1648 für das Jahr des Westfälischen Friedens. Das "E" wiederum weist auf den Elektromotor des Hybrid-Fahrzeugs vom Typ BWW 740e iPerformance hin. Foto: Rainer Lahmann-Lammert

Osnabrück. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) tauscht seinen Hybrid-Dienstwagen gegen einen Diesel – aus Umweltschutzgründen. Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU), der es 2017 genau umgekehrt gemacht hat, will hingegen auch künftig für die Arbeit ein Auto mit Elektromotor nutzen – aus Kostengründen.

Verkehrswende mal anders: Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat seinen Hybrid-Dienstwagen gegen einen Diesel ausgetauscht, wie er am Mittwochabend während einer Veranstaltung in Osnabrück erzählte.

Lies hält Diesel für ökologischer

Die Reichweite des Elektroantriebs in dem von Amtsvorgänger Stefan Wenzel (Grüne) übernommenen Audi A3 Hybrid – von der Deutschen Umwelthilfe noch im September 2017 als "klimafreundlichster Dienstwagen bundesweit" gerühmt – habe jeweils nur für 40 bis 50 Kilometer ausgereicht. "Ich fahre im Jahr aber 70.000 Kilometer. Da macht es keinen Sinn, ständig eine schwere Batterie im Auto durch die Gegend zu fahren." Außerdem sei der Anteil des konventionell aus fossilen Brennstoffen erzeugten Stroms noch zu hoch. In der Gesamtbilanz fahre er mit dem Diesel ökologischer, erklärte Lies. (Weiterlesen: Dieselskandal erreicht Autos der niedersächsischen Regierung)


Der BMW 740e iPerformance dient dem Osnabrücker Oberbürgermeister als rollender Arbeitsplatz. Foto: BMW


Listenpreis knapp 100.000 Euro

Während die rot-schwarze Landesregierung in Hannover also bei ihrer Dienstwagenflotte zusehends zum Selbstzünder zurückkehrt, setzt Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) bei beruflichen Fahrten auch künftig auf ein Auto mit Hybridmotor. Konkret auf den BMW 740e iPerformance: ein Oberklasse-Modell, mit dem er sich bereits seit Oktober 2017 von Termin zu Termin kutschieren lässt. Wie die Stadt Osnabrück auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, werde mit Ablauf des einjährigen Leasingvertrags im September das gleiche Fahrzeug (Listenpreis 97.900 Euro; Stand März 2018) noch einmal angeschafft. Das habe der Verwaltungsausschuss am 12. Juni entschieden. 

Der neue Hybrid-Siebener kann wie sein Vorgänger laut Prospekt 45 Kilometer weit rein elektrisch fahren, bevor das Auto wieder an die Steckdose muss. Auf längeren Strecken kommt ein Zweiliter-Vierzylinder-Turbobenziner zum Einsatz. Zusammen mit dem Elektromotor bringt er es auf 371 PS. Dennoch soll der Wagen auf 100 Kilometer nicht mehr als 2,5 Liter Sprit verbrauchen und höchstens 56 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer in die Luft pusten.

Spritverbrauch höher als bei A6-Diesel

Aber hält die Luxuslimousine auch, was der Hersteller verspricht? Unsere Redaktion hat nachgefragt – und festgestellt: Zumindest der Spritverbrauch liegt im Realbetrieb ein Vielfaches über den Herstellerangaben. Durchschnittlich 8,1 Liter auf 100 Kilometer habe der erste BMW 740e iPerformance geschluckt, teilt Stadtsprecher Sven Jürgensen mit. Das wären auch bis zu drei Liter mehr, als sich der vor einem Jahr ausgemusterte Audi A6 Diesel genehmigt hatte. Der CO2-Ausstoß des BMW hingegen entsprach mit 50 Gramm pro Kilometer den Erwartungen schon eher.


"Kein Mittelklassewagen konnte preiswerter geleast werden"Sven Jürgensen, Sprecher der Stadt Osnabrück


Insgesamt sei der Dienstwagen des Oberbürgermeisters (amtliches Kennzeichen: OS-W 1648E) bis Ende August 18.900 Kilometer gefahren. 40 Prozent davon innerorts, 60 Prozent außerorts – und knapp ein Drittel (30 Prozent) allein mit Kraft der Batterie. Diese werde bei Bedarf auf dem Gelände der Feuerwehr Osnabrück aufgeladen, was je nach Füllstand des Akkus bis zu sechs Stunden dauere, so Jürgensen weiter. Strom lieferten die Stadtwerke Osnabrück – allerdings keinen ganz sauberen: Der Ökostrom-Anteil beträgt den Angaben zufolge 30 Prozent.


Als sogenannter Plug-in-Hybrid wird der BMW 740e iPerformance an der Steckdose geladen. Foto: BMW

Keine Angaben zur Leasingrate

"Der Wagen macht seinen Job, und die Fahrer, die ihn als ihren Arbeitsplatz betrachten, sind zufrieden", fasst der Sprecher zusammen. Und wie reagieren Bürger, Gäste oder auch die Oberhäupter anderer Städte auf das dicke Auto? "Wohlwollend", berichtet Jürgensen. "Insbesondere dann, wenn sie erfahren, dass kein Mittelklassewagen preiswerter geleast werden konnte." (Weiterlesen: Ab 2019 Steuervorteil für Elektroautos als Dienstwagen)

Wie viel genau die Stadt Osnabrück für den Hybrid-Siebener jeden Monat an BMW überweist, bleibt offen. "Zu den finanziellen Konditionen kann ich nichts sagen." Nur so viel: Die Leasingrate für den 740e iPerformance sei um ein Drittel geringer als damals beim Audi A6.


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