Festakt mit Ministerin 150 Jahre Psychiatrie auf dem Gertrudenberg in Osnabrück

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150 Jahre Psychiatrie am Gertrudenberg: (von links): Krankenhausdirektor Ralph Ehring, Michael Dieckmann (COO Ameos-Gruppe), Dr. Lars Timm (Regionalgeschäftsführer Ameos Region West), Sozialministerin Dr. Carola Reimann, Ärztlicher Direktor Dr. Bernhard Croissant, Ameos-Gründer Dr. Axel Paeger, Landrat Michael Lübbersmann, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Pflegedirektor Manfred Timm. Foto: Elvira Parton150 Jahre Psychiatrie am Gertrudenberg: (von links): Krankenhausdirektor Ralph Ehring, Michael Dieckmann (COO Ameos-Gruppe), Dr. Lars Timm (Regionalgeschäftsführer Ameos Region West), Sozialministerin Dr. Carola Reimann, Ärztlicher Direktor Dr. Bernhard Croissant, Ameos-Gründer Dr. Axel Paeger, Landrat Michael Lübbersmann, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Pflegedirektor Manfred Timm. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Eine Feierstunde der Nachdenklichkeit: Beim Blick auf 150 Jahre Psychiatrie auf dem Gertrudenberg in Osnabrück erinnerten alle Festredner am Freitag an die Anfänge der "Irrenanstalt" und die mörderische Zeit des Nationalsozialismus. Aber sie würdigten nicht minder die "herausragende Arbeit alle Mitarbeitenden" im Dienste seelisch kranker Menschen, wie es Ameos-Gründer Axel Paeger formulierte.

Das Ameos-Klinikum stellt die 150-jährige Geschichte der Psychiatrie auf dem Gertrudenberg in einem farbigen Logo da: Die Anfänge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind dunkelblau, fast schwarz, dann ein brauner Einbruch und die schrittweise Entfaltung zu freundlichen Rottönen bis hin zum optimistischen Ameos-Gelb.

Diese Farben spiegelten auch den Wandel im Menschenbild wider, wie der Ärztliche Direktor Bernhard Croissant beim Festakt am Freitagmorgen sagte. In der Zeit der Gründung der "Provizialständischen Irrenanstalt zu Osnabrück" 1868 habe man von "den Andersartigen" gesprochen, am Anfang des 20.Jahrhunderts seien Bezeichnungen wie "Simulanten, Psychopathen und Hysteriker" aufgekommen. In der schlimmsten Zeit, der Nazi-Herrschaft, starben seelisch kranke Menschen, weil sie als "lebensunwert" eingestuft worden waren. Heute stehe der Mensch im Mittelpunkt und das Bemühen, psychisch Kranken die bestmögliche Behandlung zu geben und die Wiedereingliederung in eine "selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im familiären, sozialen und beruflichen Bereich zu erreichen", so Croissant.

Ideen der Französischen Revolution

Keiner der Festredner ließ es aus, diesen tiefgreifenden Wandel in der Betrachtung seelischer Erkankungen zu würdigen. Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) erinnerte an den allerersten Schritt, als infolge der Französischen Revolution die Ideen von Freiheit und Brüderlichkeit auch Einfluss auf die Psychiatrie gewannen. Psychisch Kranke wurden nicht mehr weggesperrt, sondern behandelt – zum Beispiel auf dem Gertrudenberg in Osnabrück, wo das Königreich Hannover 1862 ein Grundstück erwarb und ein Krankenhaus bauen ließ, das 1868 seinen Betrieb aufnahm. 

In der Gründungszeit wurden die Patienten von "Wärtern" betreut, wie Reimann sagte. Diese seien nicht speziell ausgebildet, sondern danach ausgewählt worden, ob sie "eine beruhigende Wirkung auf die Patienten" hätten. Männliche Wärter erhielten 300 Mark, weibliche dagegen nur 192 Mark – wie die Ministerin, die auch für Gleichstellung zuständig ist, mit kritischem Unterton bemerkte.

Netzwerke in der Region

139 Jahre hatten das Königreich und später die Regierungen in Hannover die Hoheit über die Psychiatrie auf dem Gertrudenberg. Die Landesregierung unter Christian Wulff (CDU) verkaufte 2007 das damalige Landeskrankenhaus an den privaten Klinik-Konzern Ameos mit Hauptsitz in Zürich. "Wir suchen uns nicht die Rosinen aus dem Leistungsspektrum, sondern helfen allen Menschen", versicherte der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Ameos-Gruppe, Axel Paeger. Ameos ist mit 13.000 Mitarbeitern an 77 Standorten  und einer halben Million Patienten jährlich viertgrößter privater Krankenhausträger im deutschsprachigen Raum. 

Das Leistungsspektrum werde fortlaufend nach dem jeweiligen Bedarf erweitert, ergänzte Ralph Ehring, Krankenhausdirektor in Osnabrück. Ameos habe unter anderem in den Bereichen Sucht, Traumata, Essstörungen oder in der Gerontopsychiatrie eine "hervorragende Expertise aufgebaut". Doch allein könne das Ameos-Klinikum diesen hohen Anforderungen nicht gerecht werden. "Deshalb sind wir froh, starke Partner und Netzwerke in der Region zu haben", sagte Ehring. 

Auch Landrat Michael Lübbersmann und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert betonten die enge Verzahnung des Ameos-Klinikums mit der Region. Griesert sagte, das Ameos-Klinikum sei ein "wichtiger Bestandteil" des Gesundheitsstandortes Osnabrück, der den Menschen in der Region ein "hervorragende medizinische Versorgung in allen Bereichen" sichere. 

Zeitreise: Von der "Irrenanstalt zu Ameos"


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