Barockmusik und Jazz bilden die musikalische Klammer Genreübergreifendes Festival

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Spielen Jazzstandards: Marian Ghisa, Mischa Vernov, Falk Zimmermann, Matthias Wernecke, Erika Simons und Wladimir Krasmann. Foto: Thomas OsterfeldSpielen Jazzstandards: Marian Ghisa, Mischa Vernov, Falk Zimmermann, Matthias Wernecke, Erika Simons und Wladimir Krasmann. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Die Orte sind außergewöhnlich, und die musikalische Bandbreite des Wohnton-Festivals ist breit: Manche Musiker spielen am selben Abend zunächst Barockmusik, später Jazz.

Osnabrück „Ohne Bach kannst du Jazz gar nicht spielen“, zitierte „Die Welt“ den amerikanischen Saxofonisten Joshua Redman. Er ist nicht der Einzige, der einen Zusammenhang zwischen Barockmusik und modernem Jazz entdeckt. Brad Mehldau und Milt Jackson vom Modern Jazz Quartett gehören ebenfalls zu den Jazz-Protagonisten, die sich intensiv mit den Kompositionen Bachs auseinandersetzen. Daher scheint es nicht verwunderlich, dass im Rahmen des Hausmusikfestivals „Wohnton“ Musiker auftreten, die einerseits Mitglieder des Barockensembles sind, das zur Eröffnung des Kammermusikspecials in der Bergkirche spielt, dann aber auch zum krönenden Abschluss im Oberen Foyer des Theaters mit diversen Jazz-Standards aufwarten.

„Während eines Abends zwischen den Genres zu wechseln bereitet mir keine Schwierigkeiten“, betont Kontrabassist Matthias Wernecke, der in der Bergkirche Kompositionen von Georg Philipp Telemann und Melchior Hoffmann interpretiert, um dann später zum Jazz zu switchen. Er ist der Meinung, dass ein barocker Basso continuo durchaus mit dem Walking Bass im Jazz verwandt ist. Darüber seien die harmonischen Abläufe in beiden Genres zum Teil sehr ähnlich. „Jazz ist für mich allerdings bewegungsintensiver, weil ich pizzicato Töne zupfe und nicht zum Bogen greife“, sagt er.

Dass ein Jazz-Ensemble das Wohnton-Finale gestaltet, ist auf eine Begegnung in der Theaterkantine „Lampenfieber“ zurückzuführen. Vor einigen Jahren kam Marian Ghisa, der im Osnabrücker Symphonieorchester Klarinette spielt, nach einer Vorstellung mit Opernsängerin Erika Simons ins Gespräch. „Wir stellten fest, dass wir privat weniger klassische Musik, als vielmehr eher Jazz hören“, erinnert sich Simons. Schon war die Idee geboren, sich doch mal zu einer Jazz-Session zu treffen. In Matthias Wernecke, ebenfalls Mitglied des Symphonieorchesters, fanden sie einen Gleichgesinnten. Außerdem stießen Pianist Wladimir Krasmann, Schlagzeuger Falk Zimmermann und Gitarrist Mischa Vernov zu ihnen, die man aus anderen Ensembles am Theater kennt, die aber schon eher aus dem Jazz-Fach kommen.

Den ersten öffentlichen Auftritt absolvierte die Band in Bad Rothenfelde anlässlich der Projektionsbiennale Lichtsicht. Dann folgte schon bald die erste Ausgabe von Wohnton 2016 mit dem Jazz-Finale im Theater.

Trotz vieler szenischer Proben für Opernaufführungen, die sie zurzeit absolvieren muss, freut sich Sängerin Simons schon auf die Wohnton-Abende und die Abwechslung, die damit verbunden ist: „Wenn ich den ,Black Orpheus‘ interpretiere oder den Klassiker ,Bewitched, Brothered and Bewildered‘, habe ich doch mehr Freiheiten, als wenn ich eine Arie singe.“

Neben internationalen Standards von Frank Churchill und Richards Rogers wird die Jazzband zum Finale auch ein besonderes Bonbon bieten: die „Heger Suite“, komponiert von Marian Ghisa. „Ich habe das Stück der Friedensstadt Osnabrück gewidmet“, sagt der Klarinettist und weist darauf hin, dass die Suite tatsächlich mit den tönen h, e, g, e startet. Nur das „r“ entlehnte er dem mittelalterlichen Notensystem „Do, Re, Mi, Fa, Sol“. Demnach müsste das „R“ der Note „d“ entsprechen.

Mit „Take Five“ von Paul Desmond und dem Dave-Brubeck-Quartett wird die Jazz-band die Zuschauer schließlich in die Nacht entlassen.


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