Hauptprobe für „Wohnton“ Betörende Klangperlen im Seniorenheim

Von Jan Kampmeier

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Seltenes Duo: Sonja Hajek (links) und Lydia Steffens-Stützle. Foto: Jörn MartensSeltenes Duo: Sonja Hajek (links) und Lydia Steffens-Stützle. Foto: Jörn Martens

Sonja Hajek und Lydia Steffens Stützle spielen vor Bewohnern des Seniorenheims am Ledenhof ihr Programm für das Wohnton Festival.

Sonja Hajek und Lydia Steffens-Stützle spielen zwei Instrumente, die im Reich der Kammermusik eher zu den Exoten zählen: Horn und Harfe. Sie einmal als Duo zu erleben, ist ein extrem seltenes Vergnügen. Dass die beiden Musikerinnen des Osnabrücker Symphonieorchesters unbedingt Kammermusik zusammen spielen wollten, hat einen besonderen Grund, den sie beim Wohnton-Festival verraten werden. Auf jeden Fall dürften die ausgesprochen melodischen Stücke, die sie sich vorgenommen haben, zu den besonderen Perlen des Festivals zählen. Komponiert wurden sie von Richard Straus‘ Vater Franz Strauss, einem berühmten Hornisten, sowie von Reinhold Glière, einem russischen Komponisten, auch wenn der Name das nicht vermuten lassen würde. Sonja Hajek wollte ihn offenbar unbedingt auf das Programm setzen, obwohl Glière die Harfe in keinem seiner fünf Stücke auf dem Schirm hatte, und bei den meisten eigentlich auch nicht das Horn. Doch die Klänge, die das Duo mit seinen Bearbeitungen hervorzaubert sind betörend, wie sich bei der Hauptprobe am Mittwoch herausstellt. Die findet bereits am Originalschauplatz statt, dem Seniorenheim am Ledenhof, Station auf der Route „Andante“. Die Idee des Wohnzimmers als Konzertort dürfe man eben auch beim Wohnton Festival nicht zu ernst nehmen, meint Dorit Schleissing vom Musikbüro des Theaters. Logisch: In den wenigsten Wohnzimmern ist Platz für 50 Sitzplätze und für die Musiker. Immerhin hat Doris Hilgemann, Leiterin des sozialen Dienstes im Haus Ledenhof, ein Wohnzimmer nachgebaut: Die Musiker spielen im Gemeinschaftsraum, der sonst für Veranstaltungen wie Oktoberfeste oder Weihnachtsfeiern genutzt wird, zwischen Bett, Fernseher und weiteren typischen Einrichtungsgegenständen eines Bewohners, die extra dort aufgebaut wurden. Doris Hilgemann erfuhr aus der Zeitung vom Wohnton Festival und dachte gleich: Das wäre doch was für uns! „Wir sind nämlich ein sehr aktiver Haufen, ganz untypisch für ein Altenheim.“ Seit sie vor fünf Jahren ihren Posten antrat, sei dort „immer Action“. Für die Probe sind die Senioren, die bei den eigentlichen Konzerten zum größten Teil nicht dabei sein können, zum Lauschen in ihren großen Gemeinschaftsraum gekommen. Sie haben dafür sogar extra ihr Mittagessen verschoben.


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