Digitalisierung des Güterverkehrs Ohne schnelle Netze keine autonomen Laster

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Der Kongress Güterverkehr der Zukunft mit Technikvorführung fand auf dem Gelände der Spedition Hellmann statt. Hier mit Siegfried Serrahn, Marcus Seifert und Wolfgang Bode (von links). Foto Jörn MartensDer Kongress Güterverkehr der Zukunft mit Technikvorführung fand auf dem Gelände der Spedition Hellmann statt. Hier mit Siegfried Serrahn, Marcus Seifert und Wolfgang Bode (von links). Foto Jörn Martens 

Osnabrück. Über 100 Fachleute diskutierten am Donnerstag beim Logistik-Kongress „Straßen-Güterverkehr der Zukunft“ im Speicher III der Spedition Hellmann über die Entwicklungen im Speditionsgewerbe. Im Mittelpunkt stand die fortschreitende Digitalisierung der Branche.

Osnabrück. Die Zukunft der Spediteure, vor allem die Möglichkeiten und Auswirkungen der Digitalisierung, standen am Donnerstag im Mittelpunkt eines Kongresses zum Thema „Straßen-Güterverkehr der Zukunft“ im Speicher III der Spedition Hellmann. Über 100 Fachleute waren gekommen, um gemeinsam einen Blick in die Zukunft der Logistik zu werfen. Dabei wurde deutlich: Die Branche hat hohe Erwartungen an die neuen Technologien, selbst wenn vieles davon derzeit noch Zukunftsmusik ist.



Unter den Referenten war mit BAG Präsident Andreas Marquardt auch einer derjenigen, die sich auf der Verwaltungsebene mit diesem Thema auseinandersetzen. „Die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus“, zog Marquardt ein erstes Fazit nach einigen Jahren fortschreitender Digitalisierung. Immerhin hätten 90 Prozent der Spediteure mittlerweile Internetanschluss, aber weniger als 30 Prozent einen wirklich schnellen. „Da beginnen die Probleme schon bei der elektronischen Akte“, so Marquardt. „Die Digitalisierung ist noch nicht bei den Unternehmen angekommen.“ Besonders bei kleinen Speditionen ständen meist die tägliche Arbeit und aktuelle Probleme im Fokus. Für Aufgaben der Digitalisierung bleibe da wenig Zeit.

Dennoch hält Marquardt die Entwicklung für unbedingt notwendig, wenn weiterhin ein reibungsloser Personen- und Güterverkehr realisiert werden soll. Studien gingen davon aus, dass sich bis 2030 das Verkehrsaufkommen auf den Straßen noch einmal deutlich verstärken werde. Der Großteil des Güterverkehrs werde dabei auf Autobahnen und Bundesstraßen rollen. Dagegen könne man gar nicht genug neue Straßen bauen, gab Marquardt zu bedenken. „Engpässe beseitigen und Strukturen erhalten“ ist sein Vorschlag, bei gleichzeitigen Investitionen in intelligente Systeme und Infrastrukturen. Ziel müsse es sein, die Fahrzeuge mit der Infrastruktur zu vernetzen.

„Viele Fahrzeuge verfügen bereits über intelligente Systeme“, so Marquardt. „Allerdings sind das keine autonomen Systeme.“ Für eine wirkliche Verbesserung des Verkehrsflusses müsse die Vernetzung von Fahrzeug zu Fahrzeug und zwischen Fahrzeug und Infrastruktur ausgebaut werden. „Damit könnte man den Verkehr effektiver gestalten“, meinte der BAG Chef. Bereits 2015 habe die Bundesregierung hier ein Programm auf den Weg gebracht. „Das ist aber rechtlich sehr komplex“, bedauerte Marquardt. Entsprechende Technologien seien im Probebetrieb. Allein in Niedersachsen sollen 270 Kilometer Teststrecke eingerichtet werden. Die Daten, die in diesem Zusammenhang erhoben werden, sollen in Echtzeit vernetzt allen zur Verfügung stehen. Eine erste, noch recht einfach Nutzung dieser Daten könnte ein Parkleitsystem für LKW-Fahrer sein, damit diese schnell einen freien Parkplatz fänden. Das wichtigste für eine erfolgreiche Digitalisierung ist für Marquardt, dass die Datenverbindungen funktionieren, was aber selbst an den Autobahnen oft noch ein Problem ist. Die Bundesregierung will hier in Zukunft an allen Strecken durchgehend 50mbit ermöglichen. „Ohne das müssen wir uns über den Rest keine Gedanken machen.“

Realität hingegen sind schon heute diverse Assistenzsysteme, die die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen sollen. Bei neuen LKW ist beispielsweise seit 2015 ein automatisches Bremssystem vorgeschrieben, das Auffahrunfälle verhindern soll. „Unser Ziel ist es, Menschenleben zu retten“, sagte Prof. Wolfgang Bode von der Hochschule Osnabrück. Das neue System zeige eine Gefahrensituation nicht nur visuell an, sondern gebe zusätzlich noch ein akustisches Warnsignal. „Das gibt doppelte Sicherheit“, sagte Spediteur Siegfried Serrahn. Dennoch sei es ein schwieriger Weg. In der großen Politik gebe es zu viele Bedenkenträger beim Einsatz innovativer Techniken. Ein Beispiel sei der Bremsassistent. „Abschalten muss dabei immer möglich sein“, bestätigte Serrahn die Gesetzeslage. Leider werde das von einigen Fahrern immer wieder gemacht. „Wir suchen hier nach einer Regelung. Zum Beispiel, dass sich der Bremsassistent nach einigen Sekunden wieder automatisch einschaltet.“ Ein gerade in Großstädten bekanntes Problem löst der Bremsassistent nicht. Fahrradfahrer, die sich seitlich vom LKW aufhalten, lösen ihn nicht aus. Hier soll eine erweiterte Blinkeranlage helfen, die ebenfalls vorgestellt wurde. Bei ihr werden die seitlichen Reflektoren am Auflieger so verändert, dass sie beim Abbiegen ebenfalls blinken.


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