Neues Engagement gefragt Was Kirche tun kann für den Schutz der Natur

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Was kann Kirche ganz praktisch tun für den Schutz von Vögeln, Insekten und selten gewordener Pflanzen? Das thematisierten die Teilnehmer der im Rahmen der Projektwoche „Naturschutz und Religionen“ im Forum am Dom. Foto: dpa/Wolfgang KummWas kann Kirche ganz praktisch tun für den Schutz von Vögeln, Insekten und selten gewordener Pflanzen? Das thematisierten die Teilnehmer der im Rahmen der Projektwoche „Naturschutz und Religionen“ im Forum am Dom. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Osnabrück. Was kann Kirche ganz praktisch tun für den Schutz von Vögeln, Insekten und selten gewordener Pflanzen? Theologen, Wissenschaftler, Naturschutzexperten und Christen, die in Gemeinden aktiv sind, trafen sich zu diesem Thema im Rahmen der Projektwoche „Naturschutz und Religionen“ im Forum am Dom.

„Mit dem Begriff „Schöpfung“ deutet man Natur religiös und begegnet staunend der Schönheit der Natur“, führte Regina Wildgruber, Bischöfliche Beauftragte für die Weltkirche, in die Umwelt- und Sozialenzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus ein. In diesem Lehrschreiben, das auch außerhalb der Kirche große Aufmerksamkeit erhielt, betone der Papst, so Wildgruber, wie eng ökologische und soziale Fragen miteinander verknüpft seien. Der Papst fordere klar große persönliche und politische Veränderungen für den Schutz der Natur und Engagement für die Armen.  

Vielfältiges Biotop vor dem Dom

„Ich habe mich sehr gefreut, als ich sah, dass das Pflaster auf dem Domvorplatz Grün in seinen Ritzen hat.“ Mit dieser Entdeckung überraschte Kathrin Kiehl, Professorin für Botanik an der Hochschule, die 25 interessierten Zuhörer ihres Vortrags über biologische Vielfalt in Osnabrück. Dieses „vielfältige Biotop“, wie Kiehl es nannte, direkt zu ihren Füßen war allen Besuchern zuvor nicht aufgefallen. Kiehl wies auch hin auf kleine Sandhäufchen, die man dort finden könne. Anders als viele vermuteten seien diese aber nicht immer ein Hinweis auf Nester von Ameisen sondern sie stammten häufig von einzelnen Wildbienen, die dort nisteten. Während eines zweijährigen Forschungsprojekts der Hochschule habe man immerhin 99 verschiedene Arten von Wildbienen in der Stadt entdeckt.

„Das Insektensterben findet auch in Osnabrück statt“, machte die Professorin, die sich seit vielen Jahren für die biologische Vielfalt engagiert, eindeutig klar. „Zum Beispiel im Nettetal durch eintönige Felder mit Mais, der Insekten keine Nahrung bietet.“ Auch viele Gärten seien eintönig nur mit Rasen, Nadelgehölzen, Rhododendron und versiegeltem Pflasterboden oder Schotter angelegt. „Jeder hat Verantwortung und sollte sich fragen, was kann ich selbst tun?“ appellierte sie.

Positive Beispiele 

Das regte zu Gesprächen und Diskussionen im Publikum an. Dabei machte Frank Bludau, Mitarbeiter beim Fachbereich Umwelt der Stadt und dort verantwortlich für das Bienenbündnis, in dem Hochschule, Imker, Naturschutzverbände und die Osnabrücker Servicebetriebe zusammenarbeiten, ein interessantes Angebot. Das Bistum, das viele Flächen besitzt, könne man beraten und man könne miteinander in Austausch kommen, wie auf diesen Flächen vermehrt ökologisch gehandelt werden könne. Als positives Beispiel nannte Bludau die Evangelischen Stiftungen, die viel Wald besitzen. Seit man sich dort beraten lasse vom Fachdienst Naturschutz und dem Bienenbündnis sei die Bewirtschaftung des Walds der Stiftungen nachhaltig geworden.

Eine „Oase in der Stadt“ sei der Garten der Domgemeinde, meinte Regina Wildgruber und nannte damit ein weiteres positives Beispiel. Der frühere Dompfarrer Ulrich Beckwermert, heute Personalchef des Bistums, hatte sich zusammen mit der Gemeinde und Naturschützern für eine naturnahe und bienenfreundliche Gestaltung dieses Flächen direkt an der Hase stark gemacht. Andere Kirchengemeinden sind diesem Beispiel allerdings noch nicht gefolgt. Eine Teilnehmerin berichtete, sie habe eine naturnahe Gartengestaltung in ihrer Gemeinde angeregt, habe dann aber feststellen müssen: „Die Sensibilität für dieses Thema ist dort noch nicht vorhanden“ sagte sie mit Bedauern.


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