Offenes Denkmal am Sonntag Warum das Osnabrücker Schloss fast immer leer stand

Von Rainer Lahmann-Lammert

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Ein Hauch von Versailles: 1673 konnten Ernst August und seine Frau Sophie von der Pfalz das Osnabrücker Schloss beziehen. Foto: Gert WestdörpEin Hauch von Versailles: 1673 konnten Ernst August und seine Frau Sophie von der Pfalz das Osnabrücker Schloss beziehen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Sieben Jahre wurde das Osnabrücker Schloss erbaut, dann aber nur für kurze Zeit bewohnt. Warum nur? Die Antwort ist am Tag des offenen Denkmals zu erfahren.

"Entdecken, was uns verbindet" heißt das Motto zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Das Ortskuratorium Osnabrück der Deutschen Stiftung Denkmalschutz fragte sich zunächst, wie das denn wohl gemeint sei. Und lieferte sich selbst eine Antwort. Baumeister, Holzschnitzer und Orgelbauer aus verschiedenen Teilen Europas haben schon vor vielen Jahrhunderten in Osnabrück ihre Spuren hinterlassen. Die gotischen Kirchen der Stadt orientieren sich an französischen Vorbildern. Und die Gesandten, die in Osnabrück den Westfälischen Frieden aushandelten, waren weit gereist, um den Kaiser, die Reichsstände und die schwedische Königin zu vertreten. 

"Europa ist der verbindende Gedanke", sagt die Kunsthistorikerin Caroline Bäßler vom Ortskuratorium. Nach einigen Diskussionen entschieden sich die ehrenamtlichen Denkmalschützer für die drei gotischen Stadtkirchen, das Schloss und das Rathaus. Am Tag des offenen Denkmals in Osnabrück beteiligen sich außerdem das Museum Industriekultur, der Förderverein Stüveschacht und der Förderkreis Hasefriedhof. 



Das fürstbischöfliche Wappen über dem Eingang des Schlosses erinnert an die Zeit, in der sich evangelische und katholische Landesherren in Osnabrück abwechselten. . Foto: Gert Westdörp

Schloss

Der Westfälische Friede bescherte Osnabrück eine ungewöhnliche Herrschaftsteilung: Abwechselnd sollte das kleine Fürstbistum von einem evangelischen und einem katholischen Landesherrn regiert werden. Ernst August, der erste protestantische Fürstbischof, ließ das Osnabrücker Schloss bauen, weil ihm das Iburger Schloss nicht mehr repräsentativ genug erschien. Es war eines der ersten Barockschlösser in Deutschland.

Nach siebenjähriger Bauzeit konnten Ernst August und seine Frau Sophie von der Pfalz 1673 ihren Prachtbau beziehen. Doch nach weiteren sieben Jahren lebte das Paar bereits in Hannover. Dort warteten auf Ernst August neue Aufgaben, nachdem sein älterer Bruder Johannes Friedrich gestorben war. 

In der Folgezeit stand das mit großem Prunk erbaute Osnabrücker Schloss meist leer. Einem Gebäude, das  nicht gebraucht wird, drohen Vernachlässigung und Verfall. Ein Schicksal, das auch dem Stadtschloss nicht erspart blieb. 1803, nach dem Ende des Fürstbistums, fand sich immerhin eine Verwendung als Verwaltungsgebäude. 

Die Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstörten das Schloss so rigoros, dass nur die Außenmauern stehen blieben. Nach dem Krieg wurde der einstige Prachtbau mit einer nüchternen Innenausstattung wiederaufgebaut und für die Pädagogische Hochschule hergerichtet. Seit 1974 ist er Sitz der Osnabrücker Universität. 

Wenn die Kunsthistorikerin Caroline Bäßler am Sonntag Besucher durch das Schloss führt, legt sie ihren Blick auf den Einfluss der italienischen Baumeister, der trotz der Kriegszerstörungen noch immer zu spüren ist. Für sie ist das prachtvolle Wappen über dem Eingang das sichtbare Zeichen für den Absolutismus des 17. Jahrhunderts. Anklänge an Versailles sind da nicht ganz fern. Immerhin war Lieselotte von der Pfalz die Schwägerin von Ludwig XIV.

Führungen finden 12 und 15 Uhr statt, Treffpunkt ist am Hauptportal im Innenhof. 



Frisch gereinigt: Die Porträts im Friedenssaal des Rathauses zeigen die Gesandten, die den Westfälischen Frieden ausgehandelt haben. Foto: Gert Westdörp

Rathaus und Friedenssaal

Alle 20 Jahre müssen die Gesandtenporträts im Friedenssaal von Staub und Ruß befreit werden. Das ist nötig, weil bei feierlichen Anlässen Kerzen brennen, weil Staub von der Decke rieselt oder von Besuchern unbeabsichtigt im Raum verteilt wird. In diesem Jahr wurde jedes Gemälde aus dem Rahmen genommen und die Reinigung besonders gründlich ausgeführt. Mit einem Spezialschwamm, der wie ein Radiergummi wirkt, entfernten die Restauratoren den Schmutzschleier von der Oberfläche. 

"Zum Glück ist die Malschicht intakt", sagt Dorothea Gathmann, Ausstellungstechnikerin im Kulturgeschichtlichen Museum, die am Sonntag bei den Führungen des Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz dabei ist. Ein so guter Zustand ist nicht selbstverständlich bei Ölbildern, die fast 370 Jahre alt sind. So lange zieren sie schon, in zwei Reihen übereinander gehängt, die Wände des Friedenssaals. 

Die Porträts zeigen die 42 europäischen Gesandten, die im Auftrag ihrer Herrschaften die Verhandlungen für den Westfälischen Frieden von 1648 führten. In Osnabrück tagten die Abordnungen des Königreichs Schweden, des Kaisers und der Reichsstände, während in Münster die französischen und kaiserlichen Delegierten zusammentrafen. 

Führungen werden um 11.30 und um 13.30 Uhr angeboten. Treffpunkt ist die Rathaustreppe. 



Links die klugen, rechts die törichten Jungfrauen stellt das prachtvoll geschmückte Brautportal der Marienkirche dar. Foto: Michael Gründel

St. Marien

Trotz der Zerstörungen durch die Bomben des Zweiten Weltkrieges zählen Kunsthistoriker die Marienkirche zu den herausragenden Baudenkmalen in Osnabrück. Das Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz richtet den Blick vor allem auf den Antwerpener Flügelaltar aus dem frühen 16. Jahrhundert, um die Verbundenheit mit Künstlern aus anderen Regionen Europas zu unterstreichen.

Die detailreichen Motive auf den zwölf beidseitig bemalten Tafeln sollten den Menschen vor 500 Jahren den Weg veranschaulichen, den Jesus Christus gegangen ist. Antwerpener Altäre wurden nicht nur nach Osnabrück geliefert, die aufwendig hergestellten flandrischen Schnitzwerke waren damals in ganz Norddeutschland verbreitet. 

Führungen durch die Marienkirche werden 12, 13, 14 und 16 Uhr, angeboten. Treffpunkt ist der Haupteingang.



Wer sich mit der Geschichte der Katharinenkirche befasst, stößt auch auf die Schweden, die im 30-jährigen Krieg in Osnabrück waren. Foto: Rainer Lahmann-Lammert

St. Katharinen

Auch die Katharinenkirche lässt sich mit dem Westfälischen Frieden in Verbindung bringen und damit zur Entstehung eines geeinten Europas. Schon 1543 wurde in St. Katharinen die Reformation eingeführt. Als 100 Jahre später die Schweden Osnabrück einnahmen und von hier aus die Verhandlungen für den Westfälischen Frieden führten, bot sich St. Katharinen für Gottesdienste und Begegnungen an. 

Als später in der Nähe nicht nur das Schloss, sondern auch viele Adelssitze entstanden, war die Katharinenkirche auch für die noble Gesellschaft die erste Adresse für ihre Gottesdienste. Daran erinnert das Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bei seinen Führungen am Sonntag.

Führungen finden um 14 und 15 Uhr statt. Treffpunkt ist das Südportal.



Zwei Türme, eine Sandsteinrose: Manche Menschen halten die Johanniskirche für den Dom. Foto: Jörn Martens

St. Johann

Es gibt Menschen, die verwechseln die Johanniskirche mit dem Dom. Zwei mächtige Türme und die Sandsteinrose über dem Portal bieten ja auch einen Anlass dazu. Viele Osnabrücker wissen nur wenig über das Gotteshaus in der Neustadt. Weitgehend unbekannt ist zum Beispiel, dass die Kirche einen Kreuzgang besitzt. 

"Als eine der drei frühgotischen Hallenkirchen Osnabrücks ist auch St. Johann ein Zeugnis des von Frankreich her sich ausbreitenden neuen Baustils", schreibt das Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und sieht darin eine Anknüpfung an die europäische Geschichte. In den Führungen am Sonntag soll Gelegenheit bestehen, auch die Orgel und die Schatzkammer näher zu betrachten.

Die Führung beginnt um 16 Uhr. Treffpunkt ist der Brunnen vor der Kirche.



Mit einer Lasershow wird der Hasestollen im Museum Industriekultur am Tag des offenen Denkmals in Szene gesetzt. Foto: Gert Westdörp

Hasestollen

Mit Grubenwagen, die von Pferden gezogen wurden, gelangte die Kohle vom Nordflügel des Piesberges durch den Hasestollen zum Zechenbahnhof an der Südseite. Drei Jahre dauerte es, bis der 1450 Meter lange Stollen durch den harten Karbonquarzit geschlagen war. Damals gehörte die Zeche noch der Stadt, und der Kohleverkauf deckte in guten Jahren die Hälfte der städtischen Einnahmen. 

Weil die Kohlezeche damals eine so herausragende Bedeutung hatte, legte die Stadt großen Wert darauf, die geplante Eisenbahnlinie so nah wie möglich an den Piesberg heranzuführen. Doch die Landdrostei favorisierte eine Linie im Westen des Stadtgebiets. Immerhin hing an dieser Entscheidung auch die Frage, wo der Centralbahnhof seinen Standort finden würde. Nach langwierigen Verhandlungen setzte sich die Stadt schließlich durch, musste aber Zugeständnisse machen, die viel Geld kosteten. 

Der Hasestollen blieb die einzige direkte Verbindung zwischen dem Stüveschacht auf der Lechtinger Seite und dem Haseschacht im Süden. Mit der Schließung der Kohlezeche 1868 verlor er seine Bedeutung, und der größte Teil des unterirdischen Ganges wurde später im Zuge des Gesteinsabbaus weggebaggert. 

Als im Haseschacht das Museum Industriekultur eingerichtet wurde, rückte das noch vorhandene Reststück des Stollens wieder ins Bewusstsein. Mit großem Aufwand wurde das 262 Meter lange Teilstück vom Mundloch bis zum Haseschacht von eingedrungenem Schlamm befreit und für Besucher freigegeben. 

Nicht nur Menschen zieht es in den Stollen, sondern auch Fledermäuse. Museumsleiter Rolf Spilker ist überzeugt, dass beide Seiten verträglich miteinander auskommen. Am Tag des offenen Denkmals installiert die Firma Lightline im Hasestollen eine Lasershow. 

Eine Führung durch den Hasestollen veranstaltet Museumsleiter Spilker um 14.30 Uhr. Das Museum Industriekultur ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zum Tag des offenen Denkmals wird kein Eintritt erhoben. Adresse: Fürstenauer Weg 171



Der Stüveschacht am Piesberg ist keine Ruine mehr. Jetzt soll er auch noch ein Dach bekommen. Foto: Rainer Lahmann-Lammert

Stüveschacht

Mit seinem Tonnendach gehörte er einmal zu den schönsten Industriegebäuden der Stadt: Der 150 Jahre alte Stüveschacht an der Nordseite des Piesberges ist nach dem Ende des Kohlebergbaus im Jahr 1898 verfallen. In den vergangenen Jahren hat sich ein Förderverein der Ruine angenommen und mit Unterstützung verschiedener Sponsoren die Bausubstanz gesichert. 

Wenn weitere Spendengelder eingeworben werden können, soll in naher Zukunft auch das Dach wiederhergestellt werden. Der Förderverein verfolgt das Ziel, im ehemaligen Schachtgebäude einen Lernstandort einzurichten, um Schüler über die Industriegeschichte und die Kulturlandschaft des Piesberges zu informieren.

Der Stüveschacht wurde von der Stadt Osnabrück errichtet, die sich damals vom Kohleabbau am Piesberg gute Einnahmen versprach. Das funktionierte allerdings nur für kurze Zeit. Doch dann rutschte das städtische Bergwerk in die roten Zahlen. Während sich der Kohlepreis verbilligte, stiegen die Kosten für die Wasserhaltung. Immer teurere Maschinen mussten angeschafft werden, um die Kohle aus der Tiefe zu holen. Schließlich verkaufte die Stadt ihre Zeche an den Georgsmarien-Bergwerks- und Hüttenverein, der die Kohle für seine Stahlwerke brauchte.

Der Förderverein informiert am Sonntag von 11 bis 16 Uhr über den Stüveschacht und seine Restaurierung. Treffpunkt ist an der Lechtinger Straße.



In der Kapelle des Hasefriedhofs findet am Tag des offenen Denkmals ein Liederabend bei Kerzenschein statt. Foto: Jörn Martens


Hasefriedhof

Napoleons Bruder Jérôme verfügte zu Beginn des 19. Jahrhunderts als König von Westphalen, dass die Toten in Osnabrück nicht mehr auf den Kirchhöfen zu bestatten seien, sondern auf zwei neuen Friedhöfen außerhalb der Stadtmauern, dem Hasefriedhof und dem Johannisfriedhof. Seit 2005 finden an beiden Orten keine Beerdigungen mehr statt, aber die Friedhöfe bleiben als innerstädtische Parks erhalten.

Am Tag des offenen Denkmals findet in der Kapelle des Hasefriedhofs  ein Liederabend bei Kerzenschein mit dem Erzähler Werner Deflorian statt. Für ihn sind Märchen "Leuchttürme der Völkerverbindung, nicht nur europaweit, sondern sogar weltweit". Die zentrale Botschaft vieler Märchen sei die mühevolle Arbeit einer Verfeinerung zwischenmenschlicher Kontakte, heißt es in der Ankündigung des Osnabrücker Servicebetriebes. Der Eintritt kostet 15 Euro, darin sind zwei Euro für die Unterhaltung der historischen Friedhöfe enthalten.

Liederabend ab 18 Uhr, Kapelle des Hasefriedhofs, Bramscher Straße


Weitere Informationen unter www.tag-des-offenen-Denkmals.de



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