Grüne fordern Tempo 30 Jeder fünfte Osnabrücker leidet unter Verkehrslärm

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Laienhafte Verkehrslärm-Messung am Goethering in Osnabrück. 91 Dezibel – das ist gesundheitsgefährdend. Foto: Gert WestdörpLaienhafte Verkehrslärm-Messung am Goethering in Osnabrück. 91 Dezibel – das ist gesundheitsgefährdend. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück.. 38.500 Osnabrücker leiden unter dem Verkehrslärm. Das sind 3800 mehr als noch vor fünf Jahren, wie aus der neuen Lärmkarte hervorgeht. "Das Ergebnis ist erschreckend", sagen die Grünen und fordern mehr Tempo 30 in Osnabrück.

Die Europäische Union verlangt von Großstädten eine "strategische Lärmkartierung". Das heißt, die Städte müssen alle fünf Jahre die Lärmbelastung der Einwohner ermitteln und in Statistiken und Karten darstellen. Das Umweltamt der Stadt hat die Osnabrücker Lärmkarte von 2013 mit neuen Daten fortgeschrieben und das Ergebnis dem Rat Ende August vorgelegt. Dargestellt wird die Lärmbelastung am Tage, in der Nacht und ganztägig für 24 Stunden.

Hauptstraßen und Autobahnen

Die schlimmste Lärmquelle ist demnach eindeutig der Verkehr. Störende Geräusche von Industrie und Gewerbe fallen dagegen nicht ins Gewicht. Die Zahl der Menschen, die durch den Straßenlärm besonders belastet sind, ist von 34.750 im Jahr 2012 auf jetzt 38.540 gestiegen. 22 Prozent der Osnabrücker, also mehr als jeder Fünfte Einwohner, steht also unter Lärmdauerstress. Betroffen sind vor allem die Menschen, die an den innerstädtischen Hauptstraßen oder in der Nähe der Autobahnen wohnen. Auch 27 Schulgebäude und acht Krankenhausliegenschaften stehen in ungesunden Lärmzonen.

So laut wie ein Staubsauger

Als Belastung gilt ein Dauerlärm ab 55 Dezibel über eine Zeitraum von 24 Stunden. Das entspricht dem Geräuschpegel eines normalen Gesprächs. Die Lärmkarte weist für die Hausfronten am Wallring Werte von über 70 Dezibel (über 24 Stunden) aus. Das ist so laut wie ein Staubsauger in einem Meter Entfernung – und "auf Dauer unertraglich", wie Birgt Wilker sagt. Sie wohnt mit Mann und Sohn am Wall unweit des Hasetors und erlebt hautnah, wie der Verkehrslärm immer weiter in ihn Privatleben dringt. "Es ist immer schlimmer geworden", sagt. Die Wilkers haben für 5000 Euro neue Fenster einbauen lassen, Fenster der höchsten Lärmschutzkategorie. Das Geld wollen sie sich von der Stadt zurückholen, aber die lässt sich darauf nicht ein. Bei geschlossenem Fenster lebe es sich gut, wenn gelüftet werde, sei eine Unterhaltung im Zimmer kaum möglich.

Langsamer fahren

"Wenn wir den Menschen helfen wollen, müssen wir mehr tun", sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, Michael Kopatz. Das Ergebnis der neuen  Lärmkartierung sei "erschreckend", wird Kopatz in einer Mitteilung der Grünen zitiert. Der Ausbau der Elektromobilität werde die Lärmbelastung senken, aber das Problem nicht grundsätzlich lösen. Denn: "Ab Tempo 50 sind die Rollgeräusche lauter der Motor." Daher fordern die Grünen eine "deutliche Ausweitung von Tempo 30". Die Belastung würde sich dadurch halbieren, so Kopatz. "Flüsterasphalt ist teuer und aufwändig. Tempo 30 kostet nichts", so Fraktionschef Volker Bajus.

Modellversuch Tempo 30

Ob Tempo 30 wirklich Linderung bringt, will das Land Niedersachsen in einem Modellversuch untersuchen. Osnabrück hat sich wie Hannover, Oldenburg, Göttingen oder Georgsmarienhütte um die Teilnahme beworben. Ob Osnabrück dabei ist, will das Wirtschaftsministerium im vierten Quartal entscheiden, wie eine Sprecherin am Donnerstag auf Anfrage mitteilte. Getestet würde Tempo 30 dann auf der Martinistraße, auf dem Schlosswall und einem Teil der Iburger Straße.

Lärmaktionsplan

Auf Basis der Lärmkarte muss die Stadt ihren Lärmaktionsplan von 2013 fortschreiben. Darin erklärt sie, mit welchen konkreten Maßnahmen sie in den kommenden Jahren das Lärmproblem angehen will. Dabei sind alle Bürger zur Mitarbeit aufgerufen. Fester Bestandteil des offiziellen Verfahrens ist eine Bürgerbeteiligung, deren erste Phase jetzt beginnt. Die interaktive Lärmkarte ist im Internet veröffentlicht. Mit einem Mausklick kann jeder prüfen, ob seine Wohnung in besonderer Weise dem Lärm ausgesetzt ist. In einer Onlinebefragung sind die Bürger aufgerufen, sich bis zum 28. September zu Lärmschwerpunkten oder generell zum Lärmschutz in der Stadt zu äußern

Die Bürgerreaktionen fließen in den Lärmaktionsplan ein. In der zweiten Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung besteht die Möglichkeit, sich zu konkreten Maßnahmen zu äußern. 


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