Hans-Jürgen Simon, Paper Artist Wie Zeitungen zu Kunstobjekten werden

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Paper Artist: Künstler und Galerist Hans-Jürgen Simon macht Kunst aus alten Printprodukten. Foto: André HavergoPaper Artist: Künstler und Galerist Hans-Jürgen Simon macht Kunst aus alten Printprodukten. Foto: André Havergo

Osnabrück. Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Selection“ in der Skulptur-Galerie sprachen wir mit Hans-Jürgen Simon über vergilbte und vergrabene Zeitungen, die er zu Kunstobjekten macht.

Herr Simon, Sie haben Papier in Form von alten Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen zum Objekt ihrer Kunst gemacht. Offenbar sind Sie aber nicht der Einzige, der sich künstlerisch mit dieser Materie auseinandersetzt.

Das ist richtig. Beispielsweise gibt es in der Schweiz ein Papiermuseum, es gibt viele internationale Papierausstellungen und auch einige Galeristen, die sich dem Schwerpunkt Papier widmen. Außerdem gibt es eine „International Association of Hand Papermakers and Paper Artists“, deren Mitglied ich bin. So habe ich immer wieder die Gelegenheit, in Ländern wie Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz und den USA auszustellen.

Paper Artists sind also keine Künstler, die auf Papier malen, sondern die Papier als Arbeitsmittel einsetzen. Wie sind Sie zum Papier gekommen?

Das war im Jahr 2000. Meine Frau hatte den elterlichen Betrieb übernommen, eine Pressevertriebsfirma. Dort gab es einen großen Container, in den die so genannten Remittenden entsorgt wurden, also Zeitungen und Zeitschriften, die zurückkamen und dann dem Altpapier zum Recyling zugeführt wurden. Der Blick in den Container wurde zur Initialzündung für meine Kunst, denn diese Masse an bedrucktem Papier, die zufällige Ordnung, die Strukturen und die Farbigkeit darin faszinierten mich.

Offenbar inspiriert Sie aber nicht nur neues, druckfrisches Papier, sondern auch Papier, das durch Lichteinfluss vergilbt.

Richtig, das ist ja ein ganz natürlicher Prozess, mit dem ich arbeite. Interessant ist, dass unterschiedliche Zeitungen unterschiedlich vergilben. Die NOZ bekommt einen gelb-grauen Ton, andere Zeitschriften bekommen einen Ton, der an frisch geschnittenes Holz erinnert.

Überhaupt beschäftigen Sie sich mit dem Prozess der Vergänglichkeit. In einer neuen Objektserie findet man Erde und vertrocknete Blumen auf alten Zeitungen. Was hat es damit auf sich?

Die Serie nenne ich „Ground Works“. Es handelt sich um Zeitungspakete, die ich bei mir im Garten vergraben habe, weil ich neugierig war, was mit dem Material passieren würde. Nach vier Jahren habe ich sie wieder ausgegraben. Sie waren leicht vermodert und zersetzt, aber eigentlich besser erhalten, als ich erwartet habe. Mit Kunstharz habe ich den Zersetzungsprozess gestoppt. Jetzt präsentiere ich die Objekte zusammen mit Pflanzenresten in einem weißen Kastenrahmen.

Interessiert Sie das Papier denn hauptsächlich als Material?

Nein. Außer der Papierqualität sind mir auch Typografie, Format und Farbigkeit ausgesprochen wichtig. Es gibt große Objekte von mir, die wie Kissen aussehen. Bei genauer Betrachtung werden sie erkennen, dass es immer um ganz bestimmte Zeitung handelt. Die Typografie der italienischen Corriere della Serra fand ich beispielsweise außergewöhnlich. Das Erscheinungsbild dieser Zeitung ist geprägt durch sehr große Drucktypen und Headlines. Ebenfalls arbeite ich sehr gern mit ganz unterschiedlichen Zeitungen aus China, Arabien, den Niederlanden und Großbritannien.

Sie kreieren auch sehr farbenprächtige Objekte. Benutzen Sie dafür etwa auch Tageszeitungen?

Nein, da nehme ich Farbmagazine als Grundmaterial, deren Hochglanzeffekt ich intensiviere, indem ich sie mit Zweikomponenten-Kunstharzlack behandele.

In der Skulptur-Galerie zeigen Sie jetzt einen Überblick über die verschiedenen Facetten ihrer Papierkunst. Aber für die großen Arbeiten, die Sie schufen, ist dort kein Platz?

Genau. Aus diesem Grund ergänzen wir die Ausstellung an zwei Wochenenden, an denen wir die Besucher in den Pressevertrieb Mölk einladen. Dort stelle ich zirka 800 Objekte aus, von kleinen, die 11 mal 11 Zentimeter messen, bis zu einer großen Wandinstallation aus gerollten Zeitungen, die allein 2,3 Tonnen wiegt.

Der Betreiber der Skulptur-Galerie hat sich zur Eröffnung der Ausstellung etwas Besonderes ausgedacht. Verraten Sie, worum es geht?

Natürlich, gerne: Weil wir damit rechnen, dass mehr Besucher kommen, als in die Galerie hineinpassen, bieten wir parallel im benachbarten Wein Cabinet ein Konzert mit Studierenden des Instituts für Musik an. Dieter Krüger wird seinen Einführungsvortrag daher auch zweimal halten.


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