Politik berät Busnetz 2019 Stadtwerke Osnabrück machen Vorschlag für Ringlinie

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Das Busliniennetz der Stadt Osnabrück wird im Herbst 2019 reformiert. Foto: David EbenerDas Busliniennetz der Stadt Osnabrück wird im Herbst 2019 reformiert. Foto: David Ebener

Osnabrück. Bekommt Osnabrück eine Ringlinie? Bleibt Atter direkt mit der City verbunden? Fahren Busse in Hellern bald im Zehn-Minuten-Takt? Die Stadtwerke haben die Wünsche der Bürger an das Busnetz 2019 erhört und mit Preisschildern versehen. Jetzt muss die Politik sagen, wie viel Geld ihr der öffentliche Nahverkehr wert ist.

Wie soll das Osnabrücker Busnetz der Zukunft aussehen? Die Stadtwerke haben dazu vor drei Monaten einen Plan vorgelegt. Von Mitte Juni bis Mitte August hatten alle Interessierten die Möglichkeit, die Entwürfe zu studieren, Kritik zu äußern sowie Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. 

585 Bürger aus Osnabrück und der Region machten davon Gebrauch – überwiegend im Onlineverfahren, wie die Stadtwerke feststellten. Insgesamt landeten 848 Rückmeldungen zu zig verschiedenen Themen auf dem Tisch der Busnetz-Planer. Am Donnerstag, 6. September, werden die Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Der endgültige Ratsbeschluss über das neue ÖPNV-Angebot soll am 30. Oktober fallen.

Gespräche mit aufgebrachten Bürgern

"Wir freuen uns sehr über die guten und insbesondere konstruktiven Anmerkungen", sagt Fahrplanleiter Thomas Schniedermann. Dem Verkehrsbetrieb sei es sehr wichtig gewesen, die Bürger "frühzeitig, umfangreich und transparent" zu informieren. Dazu habe auch das persönliche Gespräch gehört. Denn zusätzlich zum Sonder-Mobilitätsforum, das den Auftakt der Bürgerbeteiligung markierte, fanden im August drei weitere Treffen statt, die so zunächst nicht geplant waren: mit dem Bürgerverein Nord-West (Eversburg), mit dem Verein "Wir in Atter" und mit Bürgern aus Hörne. Überall dort waren die Bewohner regelrecht auf die Barrikaden gegangen, weil die ersten Entwürfe für das Busnetz 2019 gerade in ihren Gegenden teils drastische Einschnitte im ÖPNV-Angebot vorsahen. "Wir haben auch hier sehr gut und konstruktiv miteinander diskutieren können", findet Schniedermann. "Auch wenn die Meinungen nicht immer deckungsgleich waren – die Gesprächsatmosphäre war stets von Sachlichkeit geprägt."


Das Osnabrücker Busnetz wird im Herbst 2019 nach zwölf Jahren durch ein neues ersetzt. Fahrplanleiter Thomas Schniedermann von der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) stellte Anfang Juni die Entwürfe der Stadtwerke vor. Foto: Thomas Osterfeld

Sparen oder spendieren?

Die gespannten Blicke richten sich nun auf die Politik. Sie muss entscheiden, welche Forderungen aus der Bürgerschaft finanziell erfüllbar sind und welche nicht. Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes hatte bereits im Juni darauf hingewiesen, dass "Extrawünsche auch extra kosten". Wer mehr öffentlichen Nahverkehr wolle, müsse dafür entweder mehr Geld geben oder Einsparungen an anderer Stelle in Kauf nehmen. Vorgabe für die Planer sei gewesen, alle Veränderungen im Busnetz "kostenneutral" umsetzen zu können – also ohne das gegenwärtige 36-Millionen-Euro-Budget für die Dienste des Verkehrsbetriebs zu überschreiten. (Weiterlesen: P+R am Osnabrücker Rubbenbruchsee geplant)

Busnetz 2019

Das Busliniennetz im Stadtgebiet von Osnabrück soll zum Fahrplanwechsel am 4. Oktober 2019 reformiert werden. Zuletzt wurde es im Jahr 2007 angepasst. Die im Juni vom Verkehrsbetrieb präsentierten Entwürfe für das Busnetz 2019 sehen unter anderem eine Stärkung der wichtigen Achsen (Metrobus-Linien), ergänzende Stadtbus-Linien sowie eine sogenannte Tangentiallinie vor, die mehrere Stadtteile direkt miteinander verbindet und dabei um das Zentrum herumgeführt wird. 
Ziel aller geplanten Veränderungen ist es nach Angaben der Stadtwerke, den öffentlichen Nahverkehr in Osnabrück "hochattraktiv und hochleistungsfähig" zu machen. Die Stadt habe sich seit 2007 stetig weiterentwickelt. Es gebe neue Wegebeziehungen, zudem stellten veränderte Arbeitszeiten sowie neue Einkaufs- und Freizeitgewohnheiten andere Anforderungen an das Nahverkehrsangebot. Auch die heutige Debatte um Schadstoffemissionen und Luftreinhaltepläne mache eine Anpassung des Busnetzes im Herbst kommenden Jahres erforderlich. 

Zur Debatte steht mithin etwa die Frage, ob sich Osnabrück eine komplette Ringlinie leisten will. Bislang ist im Busnetz 2019 lediglich eine sogenannte Tangentiallinie (Linie 110) vorgesehen, die halbkreisartig einen Bogen schlägt vom Heger Friedhof im Westen über Haste im Norden bis zum Gewerbegebiet Hasepark im Osten der Stadt. Laut Entwurf soll sie montags bis freitags im Halbstundentakt verkehren. Bürger verlangen jedoch, die Linie mindestens alle 20 Minuten und auch am Wochenende fahren zu lassen. Außerdem solle sie Hauptbahnhof, Innenstadt und Fledder anbinden.

Der Kreis schließt sich

Die Stadtwerke schlagen deshalb vor, die Tangente zur Ringlinie mit 20-Minuten-Takt weiterzuentwickeln. Für 616.000 Euro jährlich ist das möglich, wie aus der Beschlussvorlage hervorgeht. Sollen die Busse nicht nur werktags, sondern auch samstags kreisen, kämen noch einmal 108.000 Euro oben drauf.

Auch andere Leistungen hätten ihren Preis. Beispiele: 10-Minuten-Takt auf Metrobus-Linien und 20-Minuten-Takt auf Stadtbus-Linien, jeweils von 6.30 bis 20 Uhr – 550.000 Euro/Jahr. Das Ganze morgens schon ab 6 Uhr, einschließlich Angebotsausweitungen am Abend – 370.000 Euro/Jahr. Montags bis freitags eine zusätzliche Metrobus-Abfahrt um 1 Uhr – 120.000 Euro/Jahr.


"Einige Wünsche werden nicht erfüllt werden"Anette Meyer zu Strohen (CDU), Ausschussvorsitzende


Eine Taktverdichtung auf der künftigen Metrobus-Linie M4 zwischen Neumarkt und Hellern (Große Schulstraße) von 20 auf 10 Minuten würde 640.000 Euro im Jahr kosten. Eine stündliche Anbindung von Hörne, bewerkstelligt durch Verlängerung der Stadtbus-Linie 42 über die bisherige Endhaltestelle Sandgrube (Wüste) hinaus, mindestens 164.000 Euro/Jahr. Immerhin: Für Atter, das den Verlust einer umstiegsfreien Verbindung in die Innenstadt fürchten muss, zeichnet sich eine Gratislösung ab – indem nämlich die Stadtbus-Linie 21 künftig über Eversburg-Büren hinaus weitergeführt wird. Das geht angeblich ohne Mehrkosten. (Weiterlesen: Busnetz 2019 – Zoo Osnabrück vom Hauptbahnhof abgeschnitten)

1,2 Millionen Euro für neue Haltestellen

Lobende Worte für die Busnetz-Planer findet schon jetzt die Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, Anette Meyer zu Strohen (CDU). Die Anregungen aus der Bürgerschaft seien "ernsthaft und sachlich" behandelt worden. Jedoch seien die aus den Forderungen abgeleiteten Optimierungsvorschläge teilweise "sehr teuer". Meyer zu Strohen mahnt deshalb, die Kosten im Blick zu halten. "Einige Wünsche werden nicht erfüllt werden", sagte sie unserer Redaktion am Mittwoch. Zumal die Busnetz-Reform 2019 auch Kosten an anderer Stelle verursacht. Allein 1,2 Millionen Euro werden laut Vorlage für 20 neue Haltestellen fällig. Dafür gebe es jedoch in der Regel Fördermittel vom Land.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN