Wüste und Voxtrup Kommen Wohncontainer für Flüchtlinge in Osnabrück?

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Rund 100 Geflüchtete leben an der Landwehrstraße – noch. Die Stadtwerke-Tochter Esos hat andere Pläne mit den beiden Gebäuden, zwar noch nicht zum Jahreswechsel; wie ursprünglich geplant, aber bald. Foto: Archiv/Gert WestdörpRund 100 Geflüchtete leben an der Landwehrstraße – noch. Die Stadtwerke-Tochter Esos hat andere Pläne mit den beiden Gebäuden, zwar noch nicht zum Jahreswechsel; wie ursprünglich geplant, aber bald. Foto: Archiv/Gert Westdörp

Osnabrück. Bei der Suche nach Unterkünften für Flüchtlinge aus der Landwehrstraße zieht die Stadt jetzt das Aufstellen von Wohncontainern in Erwägung. Als mögliche Standorte sind die Stadtteile Wüste und Voxtrup angedacht.

Der Stadt fällt es immer schwerer, Wohnraum für Flüchtlinge zu finden. Am meisten Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen im Stadthaus derzeit die Unterbringung von rund 100 Geflüchteten, die in zwei Gebäuden an der Landwehrstraße leben. Die Stadtwerketochter Esos hat im Zuge der Entwicklung des Landwehrviertels andere Pläne mit den Häusern. Ursprünglich sollten die Flüchtlinge bis Ende des Jahres ausziehen; inzwischen haben die Stadtwerke, die wiederum ein Tochterunternehmen der Stadt sind, die Frist verlängert, nach Informationen unserer Redaktion um ein halbes Jahr.

Wüste und Voxtrup als mögliche Standorte

Hinter verschlossenen Türen hat die Stadtverwaltung der Osnabrücker Politik jetzt vorgeschlagen, mobile Wohncontainer anzuschaffen. Als mögliche Standorte stehen unter anderem eine Fläche neben dem Grünabfallplatz am Moskaubad in der Wüste sowie eine Fläche in Voxtrup im Gewerbegebiet am Wellmannsweg neben der Autobahn 33 im Raum.

Ursprünglich sollte schon in der Ratssitzung Ende August eine Entscheidung über den Kauf und das Aufstellen von Wohncontainern fallen, schließlich läuft der Stadt die Zeit davon, Fristverlängerung hin oder her. Doch das Thema wurde noch einmal vertagt, unter anderem weil die sozialpolitischen Sprecher der Fraktionen auch noch ein Wörtchen mitreden wollten. UWG-Ratsherr Wulf-Siegmar Mierke kritisiert zudem, dass die Stadt jetzt überhaupt so einen Zeitdruck hat, schließlich säßen im Stadtwerke-Aufsichtsrat ja auch Ratsmitglieder. „Die haben das mit zu verantworten“, so Mierke.

Neun Gemeinschaftsunterkünfte

Neun Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge betreibt die Stadt, die offizielle Platzzahl liegt zwischen 22 und 289, in einigen leben bisweilen aber deutlich mehr Menschen. Perspektivisch wird auch für die Unterkunft am Limberg mit den 289 Plätzen eine Alternative benötigt. Die Stadt hat das Kasernenareal gekauft und will dort Gewerbe, Sport und Freizeitmöglichkeiten ansiedeln. Und auch für den baldigen Wegfall der städtischen Obdachlosenunterkunft an der Buerschen Straße gibt es noch keine Lösung. Eigentlich hätte die Stadt das abgängige Gebäude schon im Juli räumen sollen. Doch auch die evangelischen Stiftungen als Eigentümer haben die Frist verlängert, weil sie mit ihrer Bauplanung noch nicht so weit sind wie geplant, wie eine Mitarbeiterin bestätigte. Die Stiftungen wollen dort einen Neubau mit Sozialwohnungen errichten.

"Keine Baucontainer"

Zu den möglichen Containern sagt Stadtsprecher Sven Jürgensen auf Anfrage, sie seien „weit davon entfernt, an Baucontainer zu erinnern“. Trotzdem wolle die Stadt eigentlich nicht auf so eine Lösung zurückgreifen müssen. Aber: „Wir sind bei der Suche nach Immobilien natürlich nur einer unter vielen.“ Der Wohnungsmarkt sei eben angespannt.

Parallel führt die Stadt Verhandlungen mit dem Land Niedersachsen über einen Kauf des ehemaligen Finanzamt-Gebäudes an der Hannoverschen Straße. Das war schon einmal als Notunterkunft für Flüchtlinge in Gebrauch, allerdings verfügt das Haus noch nicht über fließend Wasser. „Inwieweit die Räumlichkeiten taugen, müssen wir noch prüfen“, so Jürgensen.

Das sagen die Fraktionen

Die CDU-Fraktion jedenfalls stehe einer Containerlösung „sehr kritisch gegenüber“, sagt auf Anfrage der Fraktionschef und Sprecher der CDU/BOB-Gruppe Fritz Brickwedde – auch wenn diese mittlerweile schon gute Wohnstandards böten. Doch sie seien teuer, außerdem brauche man neue Standorte und müsse in den betroffenen Quartieren Akzeptanz schaffen.

Die SPD hält sich mit Äußerungen momentan noch bedeckt. Für die Grünen spreche grundsätzlich viel für Wohncontainer, sagt deren sozialpolitische Sprecherin Anke Jacobsen. „Wir haben lieber kleinere Einheiten und eine bessere Verteilung übers Stadtgebiet.“ Die FDP hält die Idee für eine „prinzipiell gute Alternative“, weil dezentral, so Fraktionschef Thomas Thiele. Und für die Linken wäre es laut Heidi Reichinnek eine Notlösung: „Es wäre günstiger, Wohnungen anzumieten – aber es gibt ja keine.“


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