Virtuosenprogramm zwischen Kleidern Konzertmeistertrio spielt beim Hausmusikfestival in einer Boutique

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Musik neben Schmuck und Blusen: Solisten des Konzertmeistertrios spielt in der Boutique Schwarzwald. Foto: Michael GründelMusik neben Schmuck und Blusen: Solisten des Konzertmeistertrios spielt in der Boutique Schwarzwald. Foto: Michael Gründel

Osnabrück Solisten des Osnabrücker Symphonieorchesters verlassen beim Hausmusikfestival „Wohnton“ den klassischen Konzertrahmen. Statt auf einer Bühne spielen sie in einer Boutique neben Blusen und Röcken.

Eine Caprice von Niccolò Paganini schallt durch die Räume in der ersten Etage des Hauses an der Redlingerstraße 2. Behänd fliegen die Finger des Violinisten über die Saiten seiner Geige, denn er spielt Kompositionen, die zum Schwierigsten gehören, was es auf der Geige zu interpretieren gibt. Nicht nur die Ohren merken ob der Virtuosität der Töne auf, auch die Augen bekommen Besonderes geboten: Der Violinist steht nicht im Proberaum, sondern in einer Boutique. Umgeben ist er von Kleidern, Blusen, Röcken, von Make Up, Taschen und modischen Accessoires. Der Grund für die ungewohnte Umgebung: Er testet den Klang des Raumes, den er am Wochenende vor Publikum im Rahmen des Hausmusikfestivals „Wohnton“ bespielen soll.

„Charme der Räumlichkeiten“

„Wir haben ganz tolle Solisten in unserem Symphonieorchester und ich wollte, dass das Publikum sie einmal hautnah erleben kann“, erklärt Andreas Hotz, Generalmusikdirektor am Osnabrücker Theater. Daher setzte er vor zwei Jahren erstmals seine Idee um, klassische Kammermusik in Wohnzimmern und anderen unüblichen Standorten zu präsentieren. „Wir nutzen den Charme der Räumlichkeiten, um von der klassischen Konzertform abzurücken“, sagt Hotz und meint damit auch die Dauer der Darbietungen, die auf maximal 30 Minuten begrenzt ist. Denn dann zieht die Kammermusik-Prozession weiter zum nächsten Wohnzimmer.

Musiker sind Kunden

Zurück in die Boutique: Christiane Schwarzwald ist die Geschäftsfrau, die hier ihre Kunden in Sachen Mode berät, speziell, was Farbe und Stil betrifft. In den Räumen, in denen gerade die Musiker proben, können sich die Kunden passende Kleidungsstücke und Accessoires aussuchen. „Ich bin Fan klassischer Musik und war von der ersten Wohnton-Ausgabe total begeistert“, erklärt Schwarzwald. Daher habe sie sich in diesem Jahr schnell bezüglich der Auswahl der Räumlichkeiten für das Hausmusikfestival ins Gespräch gebracht. „Das war kein Problem, weil diverse Musiker des Orchesters zu meiner Kundschaft gehören“, sagt sie. So erinnert sich Violinist Michal Majersky, dass er sich auf der Suche nach dem richtigen Outfit für seine Gemahlin, mit der er eine 30er-Jahre-Party mit Dresscode besuchen wollte, vertrauensvoll an Frau Schwarzwald wandte. „Ich freue mich, jetzt hier in den schon vertrauten Räumen spielen zu können“, sagt Majersky. Zusammen mit Nikola Pancic und Anton Govorun gehört er zum Konzertmeistertrio, das am Wochenende während der „Promenade Allegro“ Werke von Niccolò Paganini und Henryk Wieniawski interpretieren wird.

Große Resonanz

Nach der geglückten „Wohnton“-Premiere 2016 ist die Resonanz auf die Wiederholung des Festivals seitens der Musiker, aber auch seitens der Gastgeber und der Teilnehmer sehr groß. „Viele Musiker des Symphonieorchesters freuen sich, ihre Fähigkeiten in besonderem Ambiente unter Beweis stellen zu können“, sagt Generalmusikdirektor Hotz.

Dorit Schleissing, Leiterin des Musikbüros am Theater, ist für die Organisation des Festivals zuständig. „In diesem Jahr hatten wir mehr Raumangebote, als wir bespielen können“, sagt sie. Nachdem sie mit einem fachkundigen Team die Räumlichkeiten getestet hat, stellte sie die verschiedenen Routen, „Promenaden“ genannt, zusammen. Ein ordentliches Stück Arbeit, denn neben der Prüfung von Kriterien wie Sitzplatzkapazität, Akustik, Fluchtwege und der Möglichkeit, Catering anzubieten, musste sie zusehen, dass die einzelnen Locations fußläufig erreichbar sind. Allerdings: „Diesmal haben wir auch eine Busroute für Leute eingerichtet, die nicht so weit laufen wollen“, so Schleissing.


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