Heger Laischaft prüft Grenzen Was ist ein Schnatgang und warum gibt es eine Ohrfeige?

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Vor sieben Jahren hat der inzwischen verstorbene Wort- und Buchhalter Frank Henrichvark den "Großen Schnatgang" mit einer Ohrfeige eröffnet. Archivfoto: Jörn MartensVor sieben Jahren hat der inzwischen verstorbene Wort- und Buchhalter Frank Henrichvark den "Großen Schnatgang" mit einer Ohrfeige eröffnet. Archivfoto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Heger Laischaft feiert vom 3. bis zum 9. September den Großen Schnatgang. Woher die Tradition kommt, was ein Schnatgang ist und warum dieser mit einer Ohrfeige eröffnet wird, erklären wir hier.

Woher kommt der Begriff Schnatgang?

Der Begriff "Schnat" stammt vom niederdeutschen Begriff Grenze. "Bevor es Grundbücher und Katasterkarten gab, sind die Menschen der Laischaften beim Schnatgang die Grenzen der eigenen Grundstücke abgegangen" erklärt Gerd Gust, Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft und damit deren Vorsitzender. Mit dem Schnatgang konnten Grenzverletzungen von Nachbarn festgestellt werden, die zum Beispiel einen Zaun unrechtmäßig gesetzt oder einen Grenzstein verlegten hatten. Auch heute gehen die Laischafter jährlich die Grenzen ab. Das Traditionsfest mit Girlanden in der Altstadt und den Festtagen findet allerdings nur alle sieben Jahre statt.

Die Heger Laischaft führt den Schnatgang von der Altstadt zum Heger Holz an. Archivfoto: Jörn Martens

Wo findet der Schnatgang statt?

Vom Osnabrücker Rathaus ziehen die Teilnehmer der Heger Laischaft gemeinsam ins Heger Holz. Die Laischafter begrüßen sich mit dem Spruch "Olle use" (Alles unser) und werden beim Gang von zwei Blaskapellen begleitet. Das hinter dem Heger Tor gelegene Altstadtviertel wurde aus diesem Anlass liebevoll geschmückt.

Grüne Girlanden verbinden die Nachbarn in der Heger Straße. Foto: Hermann Pentermann

Warum gibt es eine Ohrfeige?

Traditionell wird es für einen Knaben schmerzhaft: Eine Ohrfeige soll dabei helfen, sich die Grenzen der Laischaft auf ewig einzuprägen. "Heute ist die Backpfeife eher symbolisch", sagt Gust. Der diesjährige Schützenkönig der Heger Laischaft Matthias Mohrbutter (14) wird die Ohrfeige beim Schnatgang erhalten. Da der Junge erst vor Kurzem eine Zahnspange bekommen habe, werde die Backpfeife sehr wohlwollend ausfallen. Matthias ist der Sohn von Christian Mohrbutter, Wort- und Buchhalter der Herrenteichlaischaft. Sein Bruder Peter Mohrbutter wiederum ist Vorstandsmitglied der Heger Laischaft. Manchmal sind die beiden Laischaften nicht nur im übertragenen Sinne Brüder.

Wie oft und seit wann besteht die Tradition?

Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Heger Laischaft 1560. Den Schnatgang gibt es wohl auch seit jeher. Eine erste schriftliche Aufzeichnung dazu gab es 1636.

Was ist eine Laischaft?

Die Laischaft entstand als Zusammenschluss von Weideland-Besitzern. Damals wohnten die Grundstücksbesitzer in der Mitte der Stadt Osnabrück, die Ländereien befanden sich hinter der Stadtmauer.

Traditionell tragen die Heger Laischafter (HL) eine Krawatte mit ihrem Logo. Archivfoto: Jörn Martens

In Osnabrück gab es laut einer Karte aus dem Jahr 1822 sechs Laischaften: Heger Laischaft, Herrenteichslaischaft, Natruper Laischaft, Haselaischaft, Martinilaischaft und Johannis-Neustädter Laischaft. Von denen besteht heute lediglich die Heger und die Herrenteichslaischaft. Die Laischafter waren nicht nur Landbesitzer oder Viehtreiber, sondern bis in die Neuzeit unter anderem für das Gerichts-, Wehr-, Wach-, Lösch- oder Steuerwesen zuständig.

Wie ist der Plan der Heger Laischaft für diese Woche?

Am Montag und Dienstag wurde die Altstadt mit grünen Girlanden und plattdeutschen Sprüchen geschmückt. Um 17 Uhr wurde der Schnatgang durch den Vorstand traditionell mit Trommeln und Horn auf dem Marktplatz ausgerufen. Wenn das alte Horn früher geblasen wurde, konnten die Laischafter dem Schütter, dem Beschützer des Viehs, ihre Tiere zum Weiden mitgeben. Doch obwohl 1702 die ersten Bäume gepflanzt wurden, die heute das Heger Holz ausmachen, bleibt die Tradition des alten Horns bestehen.

Peter Mohrbutter (links, Text und Musik) und Heiko Maschmann (Satz) haben das Heger-Laischafts-Lied geschrieben. Foto: Michael Gründel

Am Donnerstag um 20 Uhr startet der Fackelzug durch das Laischaftsgebiet am Rathaus. Zum Fackelzug lädt Gust ausdrücklich alle ein. Traditionell können "de Nabers und tolopen Volk", also die Nachbarn und das "zugelaufene Volk" aus Sicht der Osnabrücker, mitgehen. Eine besondere Einladung erhielt der Feuerwehrnachwuchs, der sich an einem Wettbewerb zur Ausschmückung der Altstadt zum Schnatgang der Heger Laischaft beteiligte. Der eigentliche Schnatgang, das Abgehen des Besitzes, findet am Freitag ab 14.30 Uhr statt. Der Abmarsch zum Schnatgang beginnt mit einer Ohrfeige an der "Eisernen Hand". Den Gang ins Heger Holz machen dann die Interessenten der Heger Laischaft, deren Familien, direkte Nachbarn und Freunde.

Was ist die "Eiserne Hand"?

In die Natursteinmauer an der Lotter Straße ist die "Eiserne Hand" der Heger Laischaft eingelassen. Archivfoto: Jörn Martens

Die "Eiserne Hand" befindet sich auf der Höhe der Lotter Straße 50 beim alten Busdepot. Der Standort ist mit Girlanden geschmückt und so gut kenntlich. In der Natursteinmauer an der Lotter Straße ist in einer Scheibe eine Hand abgebildet, die die Backpfeife symbolisiert. Die Mauer steht an der Grenze des alten Laischaftsgebiets.


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