Kein Hort christlicher Sonderwelt Diözesanmuseum Osnabrück begeht sein 100-jähriges Bestehen mit Festakt

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Das Vokalensemble des Jugendchors unter Domchordirektor Clemens Breitschaft (im schwarzen Anzug) verlieh dem Festakt einen würdigen musikalischen Rahmen. Foto: Philipp HülsmannDas Vokalensemble des Jugendchors unter Domchordirektor Clemens Breitschaft (im schwarzen Anzug) verlieh dem Festakt einen würdigen musikalischen Rahmen. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. Kluge Gedanken, innige Musik und liturgische Feierlichkeit bestimmten den Festakt im Dom zu Osnabrück zum 100-jährigen Bestehen des Diözesanmuseums. In Vertretung des noch erkrankten Bischofs Franz-Josef Bode begrüßte der stellvertretende Generalvikar Ulrich Beckwermert die große Zahl der Gäste aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens.

Den Festvortrag hielt der Liturgiewissenschaftler und Präsident des Zentralrats der Deutschen Katholiken, Thomas Sternberg. Er bescheinigte dem Osnabrücker Diözesanmuseum, seit der inhaltlichen und baulichen Neuausrichtung 2008 zu den „ersten Adressen der deutschen kirchlichen Museen“ zu gehören. Die Osnabrücker hätten den Funktionswandel von einem Ort des zufälligen Sammelns und Aufbewahrens zu einem kulturellen Kommunikator mit Ausstrahlung in die gesamte Gesellschaft hervorragend bewältigt.

Großer Wandel

Sternbergs Rückblick auf die Anfänge war ein Beleg dafür, welch großen Wandel das Museum in seinem Anspruch und seinen Zielen zurückgelegt hat. Auch wenn dem Museumsgründer, dem damaligen Bischof Wilhelm Berning, für seine Tat zu danken sei, so müsse man heute seine Kunstauffassung doch mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen. Viele Spielarten der zeitgenössischen Kunst waren für Berning Irrwege, wenn sie etwa „krankhafte und verzerrte Formen der Natur“ darstellten. „Wahre Kunst“ sei für Berning die kirchliche Kunst des Mittelalters gewesen, die er als „Muster“ für anstehende Bauaufgaben und Kirchenausstattungen empfohlen habe. (Weiterlesen: Vom Dachboden ins rechte Licht gerückt)

Pracht kirchlicher Ausstattung

Sternberg ging auch auf das Dilemma zwischen den Kirchenschätzen aus Gold, Silber und Edelsteinen einerseits und der christlichen Caritas ein, die es gebiete, irdische Reichtümer zu veräußern, um aus dem Erlös den Bedürftigen zu helfen. In Grenzfällen, so habe etwa Ambrosius gelehrt, sei es richtig, durch Verkauf konkret gefährdete Menschenleben zu retten. Aber andererseits sei es auch legitim, mit der Pracht kirchlicher Ausstattungen die Bedeutung der Liturgie für jedermann sichtbar zu machen.

43 kirchliche Museen in Deutschland

Heute würden alle 43 kirchlichen Museen in Deutschland Beiträge zum allgemeinen kulturellen Leben leisten. Die gesammelten Werke gehörten nicht nur den Gläubigen der jeweiligen Diözese, sondern im übertragenen Sinne der ganzen Menschheit. Sie sprächen aber meistens nicht für sich, sondern ihre Bedeutung für unsere geistesgeschichtliche Herkunft müsse vermittelt werden. Dieser „pastorale Dienst“ werde in Osnabrück mit innovativer Museumspädagogik und „konsequentem Zugehen auch auf Nichtgläubige“ hervorragend geleistet. Sternberg nannte als Beispiel interreligiöse Führungen durch Dom und Moschee. Das Museum hege nicht eine „kirchliche Sonderwelt“, sondern öffne sich dem Dialog in alle Richtungen.

Brücken schlagen

Ganz in diesem Sinne hoben auch die Staatssekretärin im niedersächsischen Kultusministerium, Sabine Johannsen, und Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas die gewandelte Rolle des Diözesanmuseums hervor, das allen Menschen Orientierung in einer zunehmend desorientierten Gesellschaft anbiete. Der Würzburger Domkapitular Jürgen Lenssen hat zum Osnabrücker Dom als dem Ort seiner Priesterweihe 1971 stets eine besondere Beziehung gepflegt. Dem hiesigen Museum unter seinem Leiter Hermann Queckenstedt gelinge es exzellent, Brücken zu schlagen in die profanen Lebenswirklichkeiten der Menschen, wenn es etwa „Fußball und Religion“ thematisiere. Lenssen gratulierte als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft aller kirchlichen Museen und Schatzkammern im deutschsprachigen Raum. Theaterintendant Ralf Waldschmidt kam als Nachbar und Kooperationspartner. Er erinnerte daran, dass die europäische Theaterkultur mit 2500 Jahren sogar älter sei als das Christentum. Gemeinsam arbeite man mit den Religionen zusammen an den Kernfragen des Menschseins: Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

Museumsleiter Hermann Queckenstedt dankte dem Bischof und der Bistumsleitung für die großen inhaltlichen und gestalterischen Freiheiten, die das Museum genieße. Der alte Satz „Umterm Krummstab ist gut leben“ habe daher für ihn und seine Mitarbeiterinnen eine besondere Bedeutung. Im Wetteifer, die Herzen der Menschen zu erreichen, nehme die Dommusik einen gleich hohen Rang ein wie die bildende Kunst des Museums. Queckenstedt dankte Dominique Sauer an der Orgel und Clemens Breitschaft mit dem Vokalensemble des Jugendchores für die musikalische Ausgestaltung der Feier.


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