Schwierige Wohnungssuche Alleinerziehende Mütter aus Osnabrück wollen eine WG gründen

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Genia Priesner und Nina Finsterwalder suchen gemeinsam mit ihren Kindern Nuria, Elian und Mayla eine Wohnung. Die beiden Frauen aus Osnabrück wollen eine Alleinerziehenden-WG gründen. Foto: Michael GründelGenia Priesner und Nina Finsterwalder suchen gemeinsam mit ihren Kindern Nuria, Elian und Mayla eine Wohnung. Die beiden Frauen aus Osnabrück wollen eine Alleinerziehenden-WG gründen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Genia Priesner und Nina Finsterwalder sind Mütter, und zwar alleinerziehende. Gerne würden sie mit ihren insgesamt drei Kindern in eine gemeinsame Wohnung in Osnabrück ziehen, denn: "Kinder brauchen Kinder – und Erwachsene brauchen Erwachsene", sagen sie. Die Suche nach einer geeigneten Wohnung gestaltet sich jedoch als schwierig – aus zwei Gründen.

"Eigentlich erfüllen wir fast alle Schlagwörter, die Vermieter generell abschrecken", sagt Genia Priesner und lacht. Heißt: Kinder, Wohngemeinschaft, alleinerziehend und ALGII. Die 26-Jährige ist nach einem Studium der Kulturwissenschaft, das sie während der zweiten Schwangerschaft abbrechen musste, derzeit in Elternzeit und stockt mit ALGII auf, will aber demnächst eine Ausbildung beginnen. Jetzt, da ihr zweijähriger Sohn Elian eine Kita besucht, sei wieder Zeit dafür. Momentan lebt sie mit Elian und ihrer vier Jahre alten Tochter Nuria in einer Zweizimmerwohnung in der Wüste. "Nach der Trennung habe ich gerne alleine gelebt", sagt sie. Doch nun habe sie wieder Lust auf etwas Gemeinschaft. 

Zum Glück weiß sie, dass es ihrer Freundin Nina Finsterwalder ähnlich geht. "Ich bin etwas vorsichtig, was das Zusammenziehen mit anderen Menschen angeht", sagt Genia Priesner. Aber bei Nina sei sie sich sicher, dass es klappen würde, und zwar – und das ist den beiden Frauen wichtig – langfristig. "Ankommen ist für mich ein großes Thema", sagt Genia Priesner. 

Spontan auch mal spazieren gehen können

Nina Finsterwalder studiert soziale Arbeit und hat vorher als Erzieherin, unter anderem in einem Flüchtlingsheim, gearbeitet. Die 29-Jährige hat bereits Erfahrung mit einer Familien-WG. Allerdings ist es in ihrer bisherigen Wohnung zu eng geworden. "Ich habe mir hier ein Zimmer mit meiner Tochter geteilt", sagt sie. Doch Mayla ist inzwischen fünf Jahre alt – die beiden brauchen einfach etwas mehr Platz. 

Alleinerziehend, WG, Kinder, Studentinnen - Genia Priesner und Nina Finsterwalder bringen viele Attribute mit, die für Vermieter offenbar abschreckend sind. Foto: Michael Gründel

Die Vorzüge einer Alleinerziehenden-WG liegen für die beiden auf der Hand. Es sei nicht nur schön, abends auch einmal Erwachsenengespräche führen zu können – es sei auch einfach praktisch, wenn der eine die Kinder ins Bett bringe, so dass der andere zum Elternabend könne oder in Ruhe einkaufen – oder einfach mal spontan spazieren gehen. Hinzu komme, dass die drei Kinder sich gut verstehen. Bereits jetzt treffen sie sich mehrmals die Woche und spielen zusammen.

Am liebsten in Haste oder der Dodesheide

Seit Juni haben sich Genia Priesner und Nina Finsterwalder rund ein Dutzend Wohnungen in Osnabrück angesehen. Ihre Idealvorstellung: Mindestens vier Zimmer und am Stadtrand von Osnabrück, möglichst grün gelegen. "Haste, Widukindland oder Dodesheide wäre uns am liebsten", sagt Nina Finsterwalder. Stadtteile, von denen aus es nicht zu weit nach Pente und Evinghausen sei. Denn ihre Kinder sollen einmal die Waldorfschule oder die freie Hofschule besuchen. Die Miete sollte maximal 1200 Euro warm betragen. Bei einer größeren oder teureren Wohnung könnten sie sich auch vorstellen, noch jemanden zur Untermiete einziehen zu lassen.

"Wir haben da durchaus realistische Vorstellungen", sagt Genia Priesner. Die Wohnung müsse nicht komplett neu saniert und superschick sein. Wichtiger seien die Lage und eine gute Nachbarschaft. "Darauf legen wir viel Wert." Aber als sie sich bei einem Besichtigungstermin einer Nachbarin vorgestellt hätten, habe die ihrer Ablehnung nur zu deutlich Ausdruck verliehen: Kinder? Hier? So hellhörig, wie das ist? Bitte nicht. 

Drei Kinder in einem Zimmer? Für Vermieter offenbar ein Problem

Es seien vor allem zwei Punkte, die dafür sorgen würden, dass sie von Vermietern öfter Absagen erhielten, meinen die beiden Mütter: Ihnen werde zum einen nicht zugetraut, ihre Miete bezahlen zu können, zum anderen würden viele sagen, dass die Wohnung zu klein für fünf Personen sei. Denn die beiden Mütter planen derzeit, ihre drei Kinder in einem Zimmer schlafen zu lassen. Warum sie dafür so sehr kritisiert werden, können sie nicht nachvollziehen. "Ich komme selbst aus einer Familie mit sechs Kindern, wir haben zu viert in einem Zimmer geschlafen und es hat mir nicht geschadet", sagt Genia Priesner. 

Hinzu komme die Sorge, dass es mit der WG nicht klappen könnte, dass womöglich neue Partner ins Spiel kämen und sich die Vermieter nach kurzer Zeit schon neue Mieter suchen müssten. "Diese Sorge ist unbegründet", sagt Nina Finsterwalder. Das Thema Familienplanung sei für beide abgeschlossen, ein Wegzug aus Osnabrück komme für sie ebenfalls nicht in Frage, da die Eltern der beiden hier leben. Selbst wenn es neue Partner gäbe – mit denen müsste man ja nicht unbedingt zusammen wohnen. Und schließlich: Auch bei einer Vater-Mutter-Kind-Familie bleibt es nicht aus, dass sie zerbricht oder aus beruflichen Gründen fortziehen muss. 

Dass es mit der Wohnungssuche nicht einfach werden würde, wusste Nina Finsterwalder allerdings schon im Vorfeld. Sie ist Mitglied einer Wohnprojektgruppe, die gerne auf einem Resthof eine Hofgemeinschaft gegründet hätte beziehungsweise gründen würde. Doch bislang ist die Gruppe nicht fündig geworden – und sie besteht seit drei Jahren. 

Wer sich mit Genia Priesner und Nina Finsterwalder in Verbindung setzen will, kann dies am besten per Email unter nina_fin@web.de tun.


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