Suchtprävention an Schulen Förderkreis Drogenhilfe Osnabrück: Politik lässt uns im Stich

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Intensive Suchtprävention gehört in die Lehrpläne an Schulen, finden (von link) Herbert Staben, Heidi Overhamm und Jürgen Griese vom Arbeitskreis Drogenhilfe Osnabrück. Foto: David EbenerIntensive Suchtprävention gehört in die Lehrpläne an Schulen, finden (von link) Herbert Staben, Heidi Overhamm und Jürgen Griese vom Arbeitskreis Drogenhilfe Osnabrück. Foto: David Ebener

Osnabrück. Der Osnabrücker Förderkreis Drogenhilfe bekommt kein Geld mehr. Sein Projekt „Suchtprävention an Schulen“ (SpidS) ist daher sukzessive reduziert worden. Jürgen Griese vom Förderkreis mahnt: „Es ist unverzeihlich, dass man an dieser Stelle spart.“

Sie haben viele Klinken geputzt und nichts erreicht. Griese, Herbert Staben sowie Heidi Overhamm versuchen seit Jahren, Kommunal- und Landespolitiker dazu zu bewegen, mehr Geld in die Suchtprävention an Schulen zu stecken, berichten sie. „Wir haben Null Hilfe erhalten“, sagt Griese. 

Den Förderkreis Drogenhilfe gibt es seit Anfang der 1990er-Jahre. Anlass für die Gründung war seinerzeit ein Zeitungsbericht über die Alkohol- und Drogenszene im Schlossgarten, erinnert sich der 76-Jährige. Erst halfen er und seine Mitstreiter den Abhängigen mit einem Wohnprojekt in Zusammenarbeit mit der Diakonie, dann bauten sie eine Selbsthilfegruppe auf, aus der letztlich der Verein Elrond hervorging. Süchtige helfen dort seit 25 Jahren anderen Süchtigen beim Start in ein neues Leben ohne Alkohol und Drogen und betreiben ein Umzugsunternehmen. 

Suchtprävention an Schulen

Der Förderkreis wollte aber früher ansetzen und entwickelte zusammen mit Therapeuten ein Konzept zur Suchtprävention an Schulen in Stadt und Landkreis Osnabrück. Experten von Diakonie und Caritas führten jahrgangsweise Schulungen durch: An zwei Vormittagen brachten sie klassenweise Mädchen und Jungen getrennt voneinander und ohne Lehrer bei, was Sucht mit Menschen macht, wie leicht man dort hineingerät und wie schwierig es ist, wieder herauszukommen. „Die Lehrer sagten hinterher oft: ‚Wir haben eine ganz andere Klasse zurückbekommen‘“, berichtet Jürgen Griese.

Er und seine Förderkreiskollegen trieben dafür das Geld ein, Hauptsponsoren waren die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte sowie die Bohnenkampstiftung. In zehn Jahren seien 140.000 bis 150.000 Euro zusammengekommen, sagt Griese. „Wir haben etwa 16.000 Schüler an 15 bis 16 Schulen erreicht.“

Doch 2015 flossen die letzten Mittel, die mittlerweile aufgebraucht sind. Die Stiftungen hätten angegeben, ihre Satzungen ermöglichten nur eine Anschubfinanzierung. „Und dann war Schluss“, so Griese. Diakonie und Caritas führen das Projekt zwar noch immer durch, allerdings an deutlich weniger Schulen als zuvor; in Osnabrück sind es die Gymnasien Carolinum, Wüste sowie das Ratsgymnasium, außerdem die Hauptschule Innenstadt, und die Bertha-von-Suttner- sowie Wittekind-Realschule. Die beiden Wohlfahrtsverbände haben dazu mit Stadt und Landkreis Osnabrück Vereinbarungen geschlossen und erhalten Geld für zehn mal zwei Vormittage jährlich sowie für einige andere Projekte.

Diakonie und Caritas: Mehr Anfragen haben wir nicht

„Mehr Anfragen von Schulen haben wir aber auch nicht“, sagen Ulrike Sensse, Leiterin der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention bei der Diakonie und Marina Wawilkin, Leiterin der Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation bei der Caritas. „Der Förderkreis hat erreicht, dass das Projekt in die Regelversorgung in Stadt und Landkreis aufgenommen wurde.“ Neben dem zeit- und personalintensiven SpidS-Projekt führen die beiden Verbände noch etliche weitere Projekte durch, um Jugendliche zu sensibilisieren, teilweise auch an Schulen, dann allerdings mit einer geringeren Stundenzahl. 

Dass Jugendliche mit Alkohol und Drogen experimentieren, hat es immer schon gegeben. Doch die Qualität ändere sich, sagt Ulrike Sensse. Früher hätten sie und ihre Kollegen es mit Jugendlichen zu tun, die 0,3 bis 0,5 Promille Alkohol im Blut hatten. „Jetzt sind es auch mal 2,3 Promille“, so Sensse.

„So ein Projekt wir SpidS müsste aus unserer Sicht in den Lehrplänen verankert sein“, findet Heidi Overhamm vom Förderkreis Drogenhilfe. „Ich finde es ein Unding, dass die Gesellschaft nicht mehr für eine vernünftige Prävention ausgibt.“ Overhamm ist Apothekerin und beschäftigt sich schon lange mit Substituierten im Methadonprogramm. „Wir lassen die Kinder in den Brunnen fallen und geben dann Unmengen an Geld aus, um sie wieder herauszuholen.“


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