Wenn Essen und Sport Probleme machen SHG für Menschen mit Histamin-Intoleranz

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Verbotene Genüsse: Erster Schritt ist oft eine "Auslassdiät". Foto: dpaVerbotene Genüsse: Erster Schritt ist oft eine "Auslassdiät". Foto: dpa

Osnabrück. Eine noch nicht sehr bekannte Krankheit ist die Histamin-Intoleranz, die sich in vielfältigen Beschwerden äußern kann.

Seit knapp einem Jahr gibt es eine Selbsthilfegruppe (SHG) für Menschen, die das in vielen Nahrungsmitteln enthaltene und auch vom Körper selbst produzierte Histamin nicht vertragen. Histamin, ein Eiweißstoff, ist ein Hormon und Botenstoff, der eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen und der Immunabwehr spielt. Bei Entzündungen zum Beispiel bewirkt es die Anschwellung des Gewebes, es reguliert die Magensäureproduktion, den Schlaf-Wach-Rhythmus und vieles mehr. Allein aus der Vielzahl seiner Einsatzgebiete wird die Bandbreite der Erkrankungssymptome erklärlich, die im Fall einer Unverträglichkeit auftreten können.

Von Magen-Darm-Problemen und Reizdarm über Kopfschmerzen und Müdigkeit bis hin zu Herzrhythmusstörungen oder depressiven Verstimmungen reichen die Symptome. Auch schmerzende Beine und Gelenke sowie Atemwegsbeschwerden werden häufig gesehen, berichtet die 24-jährige SHG-Gründerin Ellen Landeck. Als sie vor zwei Jahren von unerklärlichen Symptomen geplagt wurde, begann eine lange Suche nach den Ursachen. „Die Krankheit ist auch in Ärztekreisen noch nicht wirklich bekannt“, beklagt Landeck, die selber den Arzt ihres Vertrauens in Bonn gefunden hat.

Die Diagnose sei im Grunde nur als „Ausschlussdiagnose“ zu ermitteln, es müssten also alle in Frage kommenden Erkrankungen geprüft werden. So durchlaufen die Patienten dann Darmspiegelungen oder andere Untersuchungen, bis am Ende die Unverträglichkeit von Histamin übrigbleibt. Als Therapie bietet sich zunächst die „Auslassdiät“ an: Nahrungsmittel, die Histamin in großen Mengen enthalten, werden weggelassen. Das bedeutet dann Verzicht auf Fertigprodukte, Hefe, Tomaten, Kaffee, Wein, Käse, Schokolade und anderes. Doch trotz dieser Diät bleiben bei den meisten Betroffenen die Symptome bestehen, und zwar insbesondere bei Stress, Hitze, Kälte oder körperlicher Anstrengung. Die Ursache hierfür sei inzwischen erkannt, es werde in diesen Situationen vermehrt körpereigenes Histamin ausgeschüttet. Man spricht vom „Mastzellenaktivierungssyndrom“ (MCAS).

Bei vielen Betroffenen muss also die Histamin-Produktion des Körpers ebenso wie die Zufuhr von außen gedrosselt werden. Neben der Auslassdiät helfen Antihistaminika. Die Erkrankung trifft mehr Frauen als Männer und beginnt häufig erst nach dem 40. Lebensjahr. „Man vermutet einen Zusammenhang mit hormonellen Schwankungen“, so Landeck. In der SHG, die sie nach Erfahrungen mit Selbsthilfe in Hannover letzten Oktober in Osnabrück gründete, kommen etwa acht Betroffene zusammen, „wir sind noch in der Findungsphase“. Für alle Teilnehmer ist das Gefühl, ernstgenommen zu werden, eine große Entlastung. „Die meisten von uns sind von Arzt zu Arzt gerannt und mussten sich mit Diagnosen wie ‚psychosomatisch‘ abspeisen lassen“, berichtet die Studentin. In der SHG merken sie: „Ich bin nicht allein“.

Gerade am Anfang seien viele Betroffene mit ihrer Krankheit regelrecht überfordert, brauchten Stunden für den Einkauf, um histaminfreie Produkte zu finden. Selbst in einem so einfachen Produkt wie Sahne finde sich ein Stabilisator, der zu Unverträglichkeitsreaktionen führen könne, in Bio-Sahne gebe es ihn aber nicht. Auch das Kochen dauere bei Verzicht auf Fertig- und Convenienceprodukte länger. Wegen der Hefeunverträglichkeit würden zumeist auch Brot und Brötchen selbst gebacken. Bei Ausschluss so vieler Produkte müsse man bewusst einem Nährstoffmangel entgegenwirken, gibt Landeck zu bedenken. Man werde „fast zu einem Ernährungswissenschaftler“. Auswärts essen zu gehen, sei für sie kein Vergnügen mehr. Generell nehme sie Essen ganz anders wahr als vor der Erkrankung. Und wegen der MCAS müsse man auch stets den Histaminspiegel des Tages berücksichtigen. Also nicht etwa nach einem anstrengenden Jogginglauf auch noch in die Sauna gehen oder sich eine Massage gönnen. Alle drei Optionen nacheinander würden zu einer viel zu hohen Histaminausschüttung führen. Man müsse lernen, die für den Tag „erlaubte Dosis“ nicht zu überschreiten.

Die SHG, die engen Kontakt zu anderen Histamin-Intoleranz-SHG in Norddeutschland hält, trifft sich jeden dritten Freitag im Monat zwischen 15 und 17 Uhr im Haus der Gesundheit, Hakenstraße 6, in Osnabrück.

Kontakt: Büro für Selbsthilfe und Ehrenamt, Hakenstraße 6, Osnabrück, Mail: selbsthilfe@lkos.de

Info: www.hits-norddeutschland.de


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