In Westmitteldeutschland verbreitet Hinter Diehl stecken Rufnamen wie Dietrich oder Dietmar

Von Winfried Breidbach

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Osnabrück. Unsere Leserin Cornelia Diehl aus Westerkappeln interessiert sich für den Ursprung ihres Familiennamens.

Mit rund 20.000 Namensträgern ist Diehl ein sehr häufiger Nachname. Der Name ist zwar in allen Regionen Deutschlands anzutreffen, konzentriert sich aber deutlich in Hessen und Rheinland-Pfalz. Die beiden stärksten Nester von Diehl zeichnen sich in den benachbarten Landkreisen Siegen-Wittgenstein und Lahn-Dill ab.

Unter den ähnlichen Familiennamen ist die Schreibvariante Diel mit 3600 Personen die häufigste Form die Namengeografie von Diel ähnelt sehr der von Diehl. Erheblich seltenere Namensformen sind Diell, Dihl und Dill sowie die zweisilbigen Namen Diehle, Diele, Dihle, Dile und Dille.

Grundsätzlich konnten Diehl und die verwandten Namen auf verschiedenen Wegen entstehen. In der Masse der Fälle wird aber allen angeführten Namensformen ein altdeutscher Rufname zugrundeliegen. Zahlreiche germanische Rufnamen enthielten das Namenwort theuda (Volk) als erstes Glied. Theuda erscheint in den mittelalterlichen Texten in zahlreichen Varianten, unter anderem als thiot, thiod, thid, diot, diet, dêt, dit, tiet, tit, tid. Mit dem namenbildenden Element -ilo wurde ein Kosename Theudilo gebildet, der gleichermaßen zu allen männlichen Rufnamen mit Theud- gehören und in Schreibungen wie Thidilo, Tietilo, Diedilo erscheinen konnte. Mit dem häufigen Schwund von -d- wurde Diedilo zu Dielo, später Diele, Diel vereinfacht, entsprechend Thidilo zu Thilo, Thile, Thiel. Dazu einige Belege: 1333 „Dile off der Wiesen“ (Mainz), 1335 „Dile Aumenauer“ (Limburg), 1368 „Dyle von der Oy“ (Braunschweig), 1387 „Diele Heilgeist“ (Frankfurt). Die weiter verkürzte Form ist beispielsweise durch „Diel Brunyng“ bezeugt (1438 in Arnsburg).

Der mit dem Rufnamen identische Familienname bezog sich auf den Namen des Vaters und bedeutete „Sohn von Diel oder Diele“. Alte Belege des Nachnamens: 1363 „Albrecht Dyel“ (Esslingen), 1376 „Henne Diele“ (Worms), 1491 „Mebis Diel“ (Arnsburg).

In Einzelfällen mag auch das Wort „Diele“ hinter dem Familiennamen stecken, das in der älteren Sprache in Formen wie diel, dil, dile, dille, tiel, thiele bezeugt ist. Die Bedeutung des Wortes war ursprünglich „Brett, Bohle“, der Nachname konnte als indirekter Berufsname des Brettschneiders entstehen.

In Hessen entstanden Diehl/Diel möglicherweise auch als Wohnstättennamen zum Gewässernamen Dill. Dann wurde der Kurzvokal -i- von Dill zum Langvokal -î- gedehnt, der im Familiennamen als -ie-, -ieh- dargestellt wird.


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