100-Jahr-Feier Kreuze, Kelche, Drachenschuppen: Diözesanmuseum Osnabrück öffnet sich

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Direktor Hermann Queckenstedt (helle Hose, blaues Jackett) führte Besucher am Tag der offenen Tür durch das Osnabrücker Diözesanmuseum. Foto: Hermann PentermannDirektor Hermann Queckenstedt (helle Hose, blaues Jackett) führte Besucher am Tag der offenen Tür durch das Osnabrücker Diözesanmuseum. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Zum 100-jährigen Bestehen lud das Diözesanmuseum Osnabrück zu Tagen der offenen Tür. Die Besucher konnten Drachen suchen, Farben mischen und diamantbesetzte Kreuze bewundern.

Auf dem Domplatz ist an diesem sonnigen Samstag schon eine Menge los. Die meisten wollen zum Markt. „Aber danach kommen viele zu uns“, sagt Hermann Queckenstedt, Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück, das seinen 100. Geburtstag mit zwei Tagen der offenen Tür feiert. Bunte Ballons und ein Tisch voller Bauklötze zeigen schon draußen, dass auch für Kinder etwas geboten wird. Zwei kleine Baumeister sind bereits bei der Arbeit.


Kinder spielen vor dem Diözesanmuseum mit Holzbausteinen. Foto: Hermann Pentermann

Die Kunstwerke der Anderen

Drinnen im Forum am Dom hat Restauratorin Ann-Sophie Hinnüber-Eysing einen Tisch aufgebaut. „Auf keinen Fall mit Öl drangehen“, warnt sie ein junges Paar, das nach einem Tipp fragt, wie sie ein altes Bild reinigen können. Ein ältere Frau interessiert sich für die Geräte, die auf dem Tisch bereit liegen: Stirnlupe, UV-Lampe, Mikroskop, Schwämme, jede Menge Farben und Pinsel. „Wie lange dauert denn die Ausbildung“, will ein Mann wissen. „Lange“, antwortet die Restauratorin. Eine praktische Ausbildung und ein Studium gehörten dazu. „Ein schöner Beruf, oder?“, fragt eine Frau. – „Ja, aber man muss wissen, dass es ein Handwerk ist, kreativ ist unser Beruf nicht.“ – „Nicht?“ Die Besucherin staunt. "Nein, im Gegenteil", erklärt Hinnüber-Eysing, "mit persönlicher Kreativität sollte man sich eher zurückhalten. Es geht ja schließlich um die Kunstwerke anderer."


Restauratorin Ann-Sophie Hinnüber-Eysing gewährte den Museumsbesuchern Einblicke in ihre Arbeit. Foto: Hermann Pentermann


Führungen für Kinder ab drei

Immer wieder gehen Leute durch die schwere Holztür ins eigentliche Museum hinein. Auch Familien, denn gerade hat eine Kinderführung angefangen. Einige Kinder hocken auf Kissen rund um die Museumsführerin Ursula Mädler; in der Hand hält jedes Kind eine goldene Drachenschuppe. „Drachensuchen leicht gemacht“, heißt die Führung für Kinder ab drei. „Jetzt wollen wir mal einen starken Ritter suchen, der einen Drachen besiegen kann“, sagt Mädler. Die Kinder stapfen die Treppe hoch in den ersten Stock. Da steht er, der heilige Georg, mit der Lanze in der Hand, den Fuß auf einem Drachenkopf. Noch mehr beeindruckt sind die Kinder allerdings eine Vitrine weiter. „Den kenn' ich“, sagt ein Mädchen. „Der Drache Ohnezahn.“ Die Playmobilfigur eines Drachen steht da gleichberechtigt zwischen den alten Schätzen. Die Kinder sind zufrieden, die Eltern auch.


Playmobilfiguren in der Ausstellung des Diözesanmuseums Osnabrück. Foto: Hermann Pentermann

Fürstbischof nicht gleich Bischof

Ein Raum weiter, in der Schatzkammer, blinkt und blitzt es. Reliquienschreine, Kreuze, Kelche. „Daraus kann man ja gar nicht trinken“, sagt ein Zwölfjähriger, der vor einem 500 Jahre alten, goldenen Prachtkelch steht. Immerhin, er weiß was ein Kelch ist und wozu er gebraucht wird. Das scheint typisch zu sein, die meisten Besucher wirken recht informiert und haben anspruchsvolle Fragen. „Was ist der Unterschied zwischen einem Bischof und einem Fürstbischof?“, will ein älteres Paar von Museumsführerin Petra Stein wissen. Die nimmt sich Zeit und erklärt.

Der Zwölfjährige und sein Begleiter haben es sich inzwischen in einer Nische auf einer Polsterbank gemütlich gemacht. Der Osnabrücker Domchor klingt aus den Kopfhörern, die sie aufgesetzt haben. Zeit, um ein bisschen auszuruhen – und mal kurz das Handy zu checken. Ein bisschen Modernes in all den Altertümern.


Gesang zwischen den Exponaten: der Osnabrücker Jugendchor im Diözesanmuseum. Foto: Hermann Pentermann


Kombination von Musik und Wort

Auch Museumsdirektor Hermann Queckenstedt zeigt sich „gut zufrieden“. „Wir haben jetzt hier keine Besuchermassen“, sagt er, „aber das liegt auch daran, dass gerade erst die Kulturnacht war, bei der wir einen Riesenzulauf hatten.“ Dennoch gehörten die Tage der offenen Tür fest zum Geburtstagsprogramm des Museums. Ein Höhepunkt war für Queckenstedt dabei der Beitrag des Osnabrücker Jugendchores unter Leitung von Clemens Breitschaft. „Sie haben im Museum gesungen, vor einzelnen Objekten, zu denen ich dann noch etwas erzählt habe“, so Queckenstedt. „Da waren die Leute wirklich begeistert.“ Dieses neue Format, mit Musik und Wort Kunstwerke zu erschließen, das bei diesem Tag erstmals erprobt wurde, wolle das Diözesanmuseum „auf jeden Fall weiterentwickeln“.


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