„Zehn Dinge tun, bevor ich sterbe“ Intensives Stück im Zimmertheater Osnabrück

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In dem Stück „Zehn Dinge tun, bevor ich sterbe“ setzen sich Anette Wolff und Jörg Artmann mit Leben und Tod auseinander. Foto: Elvira PartonIn dem Stück „Zehn Dinge tun, bevor ich sterbe“ setzen sich Anette Wolff und Jörg Artmann mit Leben und Tod auseinander. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. In dem Stück „Zehn Dinge tun, bevor ich sterbe“ setzen sich Anette Wolff und Jörg Artmann mit Leben und Tod auseinander. Im Ersten unordentlichen Zimmertheater in Osnabrück ging jetzt die Premiere von Volker Hunsches Inszenierung über die Bühne.

Was ist Zeit? „Eine ziemlich relative Angelegenheit“, findet Anette. Und für sie trifft das auf tragische Weise auch zu. Denn Anette leidet an einem unheilbaren Hirntumor, hat nur noch anderthalb Stunden zu leben und will in ihrer Restzeit „Zehn Dinge tun, bevor ich sterbe“.

So lautet denn auch der Titel des Stückes aus der Feder von Jörg Menke-Peitzmeyer, das jetzt im Ersten unordentlichen Zimmertheater Premiere hatte. Wie ein klarer Schlussstrich wirkte dabei die grüne Slackline, die Bühnenraum und Zuschauerraum klar voneinander abgrenzte und gleichzeitig wichtiges Requisit war. Denn auch Seiltanzen gehört zu Anettes finalen Wünschen, was ihr mithilfe ihres Freundes Jörg auf dem grünen Gurtband auch gelingt.

Wie zwei Seiltänzer zwischen Hoffnung und Verzweiflung ließ Regisseur Volker Hunsche die Spieler Anette Wolff und Jörg Artmann unter ihren Klarnamen das gesamte Stück hindurch agieren. Immer wieder verschwammen die Grenzen zwischen Spielern, Rollen und einzelnen Szenen. Wenn sich Anette wünscht, ihrem Vater einmal ehrlich ihre Meinung zu sagen, dient Freund Jörg als Projektionsfläche. Oder ist er unbemerkt in die Rolle des Vaters geschlüpft, der mit der von Wolff verkörperten Mutter zum Sound von Bert Kaempferts „African Beat“ tanzt? Diese unscharfe Grenze zwischen Schein und Sein machte den besonderen Reiz der Inszenierung aus. Und gerade weil es um Tod und Vergänglichkeit ging, agierten Wolff und Artmann besonders aktiv und kraftvoll.

Anette will Bungee springen? Jörg hievt sie am Gurtband wie an einem Flaschenzug an die Decke. Anette will das Finale ihres Lieblingsfilms „Zurück in die Zukunft“ sehen? Mit einzelnen Zuschauern wird die Szene durchgespielt. Und mit Sonnenbrille und orangefarbenem T-Shirt darf sich Anette noch einmal wie im Marmaris-Urlaub fühlen. Die farbigen T-Shirts, die im Hintergrund aufgereiht waren, symbolisieren ihre Wünsche und lassen sich je nach Bedarf rasch über- und abstreifen.

Anettes zunehmende Hektik und Egozentrik bringt Jörg im undankbaren Part des „Überlebenden“ wiederum an seine persönlichen Grenzen. Und so wird das Stück mit all seinen lauten und leisen Zwischentönen gerade ob aller Vergänglichkeit zu einer Hommage an das Leben.

Weitere Aufführungen am (1.), 28. und 29. September, am 19., und 20. Oktober, am 16. und 17. November 2018 sowie am 18. und am 19. Januar 2019 jeweils 20 Uhr im Ersten unordentlichen Zimmertheater.


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