Eine Heilige geht auf Reisen Reliquienschrein der heiligen Bernadette kommt aus Lourdes nach Osnabrück

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ein wertvoller Reliquienschrein mit Reliquien der heiligen Bernadette Soubirous kommt aus Lurdes nach Deutschland. Bis Ende November reist er durch deutsche Bistümer. Nach Kevelaer im Bistum Münster ist Osnabrück die zweite Station. Foto: dpaEin wertvoller Reliquienschrein mit Reliquien der heiligen Bernadette Soubirous kommt aus Lurdes nach Deutschland. Bis Ende November reist er durch deutsche Bistümer. Nach Kevelaer im Bistum Münster ist Osnabrück die zweite Station. Foto: dpa

Osnabrück. Auch wer sich in Sachen „katholisch“ nicht gut auskennt: Den Namen „Lourdes“ haben viele schon einmal gehört. Die Stadt in Südfrankreich ist einer der bekanntesten Wallfahrtsorte überhaupt. Jetzt kommt ein Stück Lourdes nach Osnabrück: der Schrein mit Reliquien der heiligen Bernadette.

„Lourdes ist einfach ein besonderer Ort“, sagt Charlotte Hengelbrock. Die Geschäftsstellenleiterin der Malteser in Hunteburg ist gerade zum 71. Mal dorthin unterwegs. Mit 400 Menschen – Kranken und Begleitern – im Zug. Fast 24 Stunden dauert die Fahrt. „Mit dem Flugzeug ist man in zwei Stunden da“, sagt die Malteserin. „Aber ich kämpfe dafür, dass wir weiter mit dem Zug fahren.“ Und das nicht nur wegen des Preises. „Lourdes ist Gemeinschaft“, sagt sie. „Und diese Gemeinschaft beginnt schon auf dem Weg dorthin.“ Es wird gesungen und gebetet. Und geredet und erzählt. Vom Leben und vom Glauben. Und vom Kranksein.

In Lourdes, sagt Charlotte Hengelbrock, stehen die Kranken im Mittelpunkt. „Sonst stehen Kranke und Behinderte ja eher in der zweiten Reihe.“ Und warum stehen sie im Mittelpunkt? „Weil Maria Bernadette Soubirous aufgetragen hat, genau das mitzuteilen: Die Kranken sollen hierher kommen.“

Die Erscheinungen von Lourdes

Womit wir bei der heiligen Bernadette wären, deren Reliquien nächste Woche nach Osnabrück kommen. Bernadette ist eine relativ junge Heilige. Geboren 1844, ein Mädchen aus bettelarmem Elternhaus, kränklich, lernschwach. Sie hat mit 14 Jahren beim Schafe hüten das Schlüsselerlebnis ihres kurzen Lebens: Zwischen dem 11. Februar und dem 16. Juli 1858 erscheint ihr nach eigener Schilderung in der Grotte von Massabielle bei Lourdes 18 Mal eine schöne Dame, die sich als die Gottesmutter Maria zu erkennen gibt und sie beauftragt, eine Kapelle zu errichten und Wallfahrten abhalten zu lassen. So berichtet jedenfalls Bernadette.

Es glaubt ihr keiner. Nicht der Bürgermeister und nicht der Pfarrer. Doch irgendwas muss dran sein an ihrer Geschichte und an der Quelle mit heilendem Lourdes-Wasser. Denn bereits vier Jahre später werden die Erscheinungen vom zuständigen Bischof anerkannt, weitere 30 Jahre später von Papst Leo XIII. Und Lourdes wird zu einem der berühmtesten Wallfahrtsorte der Welt, mit mehreren Millionen Pilgern Jahr für Jahr. Immer mehr Menschen sagen, dass sie in Lourdes von ihren Krankheiten geheilt wurden. Durch ein Wunder. Mehr als 30.000 solcher Meldungen gibt es, immerhin 67 wurden als „unerklärliche Heilungen“ von der Kirche anerkannt. Ob „unerklärlich“ auch „Wunder“ bedeutet, ist Glaubenssache.

Die kränkliche Bernadette hat jedoch nicht viel von ihren Begegnungen mit Maria. Sie geht ins Kloster, nach Nevers. Beneidet soll sie dort gewesen sein - und mit 35 Jahren starb sie. Aber damit ist ihre Geschichte nicht zu Ende, die Geschichte, die bis zu dem Reliquienschrein führt, der hier zu sehen sein wird.

Hautpartikel sind kein Müll

Denn die Leute halten Bernadette nicht für irgendeine Frau, sie halten sie für eine Heilige. Und Heilige verwesen scheinbar nicht wie andere. 1909, 30 Jahre nach ihrem Tod, wird ihr Leichnam exhumiert – er ist nahezu unversehrt. Ebenso 1919 bei einer zweiten und 1925 bei einer dritten Öffnung des Sarges. Bei dieser dritten Öffnung werden dem Leichnam der Bernadette für Untersuchungen Hautpartikel und drei Rippen entnommen. Aber was macht man nach Abschluss der Untersuchungen damit? Nun: Wegschmeißen nicht! Schließlich handelt es sich nicht um Müll, sondern – in der Sprechweise der katholischen Kirche – um Reliquien, um Überbleibsel eines besonderen Menschen, einer Heiligen.

Deshalb werden diese Partikel fest versiegelt und in einem kostbaren Schrein aufbewahrt. Und weil Nevers, wo Bernadettes Körper in einem gläsernen Sarg zu sehen ist, sieben Autostunden von Lourdes entfernt ist, kommt der Schrein mit den Reliquien nach Lourdes, damit die Pilger in Lourdes auch ein Stück Bernadette in ihrer Nähe haben. „Viele Kranke können den Schrein aber nicht besuchen“, sagt Charlotte Hengelbrock. „Die Kirche, wo er steht, liegt sehr hoch, da muss man gut zu Fuß sein, um dorthin zu kommen.“

Quer durch Deutschland und Italien

Auch deshalb geht der Schrein jetzt auf Reisen. Quer durch Deutschland und dann nach Italien. Osnabrück ist die zweite Station. „Der Schrein ist rund 40 Kilo schwer und mit Diamanten und Edelsteinen besetzt“, sagt die Malteserin. „Wir holen ihn mit einem normalen Malteser-Bulli von der ersten Station in Kevelaer ab und bringen ihn nach St. Johann.“ Ein ziemlicher Aufwand ist das. „Die Versicherung übernimmt die Wallfahrtsstätte in Lourdes, aber die haben das an hohe Auflagen geknüpft, gerade, was Sicherheit und Transport angeht.“ Täglich müssen Fotos nach Frankreich geschickt werden, um zu zeigen, dass der Schrein noch unversehrt ist. „Wir haben extra jemanden abgestellt, der sich nur darum kümmert.“



Und warum das Ganze? „Als ich gehört habe, dass diese Reise geplant ist, habe ich mich sehr dafür eingesetzt, dass der Schrein auch in Osnabrück Station macht. Es ist eine wunderbare Möglichkeit für Menschen, die nicht mehr selbst nach Lourdes fahren können, sich ein Stück Lourdes nach Hause zu holen.“, sagt Charlotte Hengelbrock. Ihr geht es nicht um wundertätige Reliquien, wie sie im Mittelalter verehrt wurden, und die man für viel Geld verhökert und phantasievoll fälschte. Für sie steht dieser Schrein „für eine schöne Erinnerung an Bernadette und an Lourdes“. Und an die vielen Menschen, denen eine Reise nach Lourdes geholfen hat, ihre Krankheit, ihr Kreuz, zu tragen. Nicht mehr und nicht weniger.


Das Programm in Osnabrück

Der kostbare Schrein mit Reliquien der heiligen Bernadette kommt am 6. September mit dem Flugzeug aus Lourdes nach Deutschland. Bis Ende November wird er in verschiedenen Regionen Deutschlands gezeigt. Dies ist das Osnabrücker Programm:

Montag, 10. September: Der Schrein wird mit dem Bulli aus Kevelaer geholt und zur Osnabrücker Kirche St. Johann gebracht. 18.15 Uhr: Pontifikalamt mit Weihbischof Johannes Wübbe zur Eröffnung.

Dienstag, 11. September: Für den Besuch geöffnet ab 15 Uhr. 16 Uhr Messe mit der St.-Elisabeth-Pflege

Mittwoch, 12. September: Für den Besuch geöffnet ab 15 Uhr. 18.15 Uhr Messe mit den Maltesern. Alte oder kranke Menschen, die gern die Messe mitfeiern möchten, aber keine Möglichkeit haben dorthin zu kommen, können sich bei jeder Malteser-Geschäftsstelle melden. Ein Fahrdienst ist eingerichtet.

Donnerstag, 13. September: Transport nach Paderborn

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN