NOZ-Monatsrückblick Baustellen und Flugzeugabstürze – Osnabrück im August 2018

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Osnabrück. Das Baustellen-Chaos in der Stadt bringt Autofahrer, Arbeiter und Politiker zur Verzweiflung, Tausende feiern bei Open-Air-Konzerten und Dorffesten, mehrere Unglücksfälle beschäftigen die Region Osnabrück – der August 2018 ist ein Monat der Extreme. Mehr im NOZ-Monatsrückblick.

Das Baustellenmanagement der Stadt steht – wieder einmal – in der Kritik. Besonders die Stadtteile Sonnenhügel und Dodesheide sind durch Langzeitbaustellen auf der Hansastraße, der Bramscher Straße und der Knollstraße nur schwer zu erreichen. Die Folge sind verärgerte Verkehrsteilnehmer, die ihren Frust an den Bauarbeitern auslassen. Ein Ende der Baustellen ist noch lange nicht in Sicht. In den nächsten drei Jahren will die Stadt zwölf Millionen Euro in die Sanierung von Straßen stecken. Insgesamt sind 108 Einzelvorhaben geplant.

Bereits im Juli 2018 hatte die Industrie- und Handelskammer kritisiert, dass es keine „weitsichtige, verkehrsverflüssigende Planung und zügige Baustellenbearbeitung“ gebe. Der Handels- und Dienstleistungsverband Osnabrück-Emsland warnt jetzt vor den negativen Folgen für den Handelsstandort Osnabrück. „Die Kunden sind verärgert und überlegen sich, ob sie wegen der vielen Baustellen noch in die Innenstadt fahren oder lieber online einkaufen“, so die Präsidentin Mechthild Möllenkamp. Besonders betroffen sind die Geschäftsleute der Johannisstraße, die seit Mai 2018 gesperrt ist. Die Einzelhändler haben 30 bis 40 Prozent weniger Kundschaft und fürchten um ihre Existenz. Sie fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen.

In seiner August-Sitzung beschäftigt sich auch der Osnabrücker Rat mit dem Baustellen-Chaos. In einer Aktuellen Stunde beschließen die Mitglieder, dass externe Experten Vorschläge zur Optimierung der Abläufe oder technische Alternativen entwickeln sollen.

Zwei wichtige Bauprojekte können im August 2018 fristgerecht abgeschlossen werden. Auf dem Heger-Tor-Wall ist der erste geschützte Radweg der Stadt, die sogenannte Protected Bike Lane, befahrbar. Auf der zweieinhalb Meter breiten Radspur zwischen Dielingerstraße und Katharinenstraße können Radler problemlos überholen, ohne mit Fußgängern in Konflikte zu geraten. Zwischen Alando-Palais und Bahnhof wird der Raiffeisenplatz wieder freigegeben. In den letzten sechs Monaten wurden alte Büsche und Mauern entfernt, um den Platz übersichtlicher und sicherer zu machen. Mit der Neugestaltung soll auch der Konflikt zwischen der Alkoholszene und den Anliegern entschärft werden.

Die Parkhäuser in Osnabrück werden künftig von zwei verschiedenen Gesellschaften betrieben: von der Osnabrücker Parkstätten Betriebsgesellschaft (OPG) und der Goldbeck Services GmbH. Die OPG verkauft ihre verbliebenen 25 Prozent an ihrer früheren Tochtergesellschaft OPG Center Parking an das Bielefelder Unternehmen Goldbeck Services GmbH, das bereits die übrigen 75 Prozent besitzt. Die Kunden werden demnächst schon am Design erkennen, wem das Parkhaus gehört, in das sie gerade fahren – und vielleicht auch an den unterschiedlichen Gebühren. Eine gemeinsame Internetseite von OPG und Goldbeck gibt es nicht, in das Parkleitsystem fließen aber die Daten beider Unternehmen ein.

Der Osnabrücker Rat beschließt, das Bündnis Seebrücke zu unterstützen und bietet der Bundesregierung an, Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer aufzunehmen. Alle Fraktionen wollen den Flüchtlingen helfen, aber über das Wie gibt keine Einstimmigkeit. Die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, FDP, Linken und UWG/Piraten spricht sich dafür aus, Osnabrück als „sicheren Hafen“ zu deklarieren und Flüchtlinge aufzunehmen. Die CDU und der Bund Osnabrücker Bürger (BOB) sieht in der Initiative dagegen eine „reine Symbolpolitik“. Sie wollen die Fluchtursachen vor Ort bekämpfen und sich für eine europäische Lösung der Flüchtlingsfrage einsetzen.

Es gibt auch etwas zu feiern: Das vierte Schlossgarten-Open-Air ist ein voller Erfolg. Am ersten Abend kommen vor allem Folk-, Rock- und Punk-Fans auf ihre Kosten. Fiddler’s Green, die Donots und Dropkick Murphys begeistern die 8000 Zuschauer. Der zweite Abend wird dann deutlich ruhiger. Daniel Wirtz, Nena und Sarah Connor spielen vor fast ausverkauftem Haus. Die Veranstalter blicken dann auch optimistisch in die Zukunft. Die Produktionsfirma Goldrush und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert unterzeichnen einen Vertrag, nach dem das Schlossgarten-Open-Air bis 2023 stattfinden kann und künftig sogar drei Tage dauern soll.

Rund um Osnabrück

Auch im Osnabrücker Land gibt es Grund zum Feiern. Borgloh und Nemden erinnern an ihr 950-jähriges Bestehen. „Zukunft braucht Herkunft“ ist das Motto des großen Festumzugs durch die Straßen Borglohs, an sich alle Vereine und Gruppen beteiligen. Am Abend vorher hatte der Parodist und Entertainer Jörg Knör die Borgloher im voll besetzten Festzelt unterhalten. Auch Nemden kann mit einem prominenten Stargast aufwarten. Nach dem offiziellen Festakt tritt die Schlagersängerin Anna Maria Zimmermann auf.

Osnabrück hat sein Schlossgarten Open-Air, Georgsmarienhütte hat „Hütte rockt“. Bereits zum zwölften Mal findet das Festival am Harderberg statt. In diesem Jahr strömen 3800 Zuschauer auf die Wiese zwischen Maisfeld und Bielefelder Straße, um unter anderem Madsen zu hören und zu sehen.

Auch der NDR macht im Rahmen seiner Sommertour in Georgsmarienhütte Station. Höhepunkt ist die Stadtwette, bei der 250 Bürger verkleidet als „Village People“ das berühmte Lied „Y.M.C.A.“ performen müssen. Das schaffen die GmHütter spielend: 569 „Village People“ stehen am Ende auf der Bühne, unter ihnen auch Bürgermeister Ansgar Pohlmann.

In Wallenhorst kommt der neue „Wallenhorst-Takt“ nur stotternd in Gang. Mit Beginn des neuen Schuljahres tritt auch die größte Veränderung im öffentlichen Personennahverkehr seit Jahren in Kraft. Eine deutliche Verbesserung ist zum Beispiel die neue stündliche Direktverbindung zwischen den Ortsteilen Rulle und Wallenhorst. Für die Ruller Schüler, die eine Schule in Osnabrück besuchen, bringt die Fahrplanumstellung eine Verschlechterung mit sich. Sie müssen 18 Minuten früher aufstehen, um pünktlich in der Schule zu sein. An den ersten Schultagen kommen viele Schüler zu spät, auch wenn sie pünktlich aufstehen. Busfahrer lassen die Kinder an den Haltestellen stehen, weil der Bus völlig überfüllt ist. Ein zusätzlicher Bus soll jetzt Entlastung bringen.

Die CDU in Hasbergen kommt nicht zur Ruhe. Auf einer Mitgliederversammlung wird die Vorsitzende Susanne Breiwe aufgefordert, ihr Ratsmandat niederzulegen. Dem entsprechenden Antrag von Georg Schirmbeck, dem langjährigen Landtags- und Bundestagsabgeordneten, stimmen 37 Mitglieder zu. Es gibt 33 „Nein“-Stimmen und vier Enthaltungen. Das Misstrauensvotum bleibt allerdings ohne Folgen. Susanne Breiwe fühlt sich den Bürgern, die sie gewählt haben, verbunden und will ihr Mandat behalten.

Nach 14 Jahren schließt das Museum Geozentrum Hüggel in Hasbergen. Der Kultur- und Verkehrsverein (KuV) sieht sich gezwungen, die Räume aufzugeben, weil Schimmel und Feuchtigkeit die Ausstellungsstücke bedrohen. Die Verantwortung für das Museum geht auf den neu gegründeten Museumsverein über, der ein Bauernhaus in Hasbergen als neuen Ausstellungsort im Visier hat.

In Bad Rothenfelde wird der neu gestaltete Kurpark der Öffentlichkeit übergeben. Der Kaskadenbrunnen mit erweiterter Fläche, Sitzbänke und Heckenstrukturen für diverse Veranstaltungen und der Kastanienweg als schattenspendendes Element laden zum Aufenthalt ein.

Unglücksfälle in der Region

Mehrere Unglücksfälle sorgen in der Region im August 2018 für Schlagzeilen. Beim Landeanflug auf den Flughafen Münster/Osnabrück verunglückt ein Kleinflugzeug aus den Niederlanden. Dabei überschlägt sich die zweimotorige Maschine und bleibt rücklings neben der Start- und Landebahn liegen. Für die beiden Insassen, einen 59-jährigen Mann aus Recklinghausen und einen 64-Jährigen aus den Niederlanden kommt jede Hilfe zu spät. Nur zwei Tage später sterben bei einem Flugzeugabsturz in Melle ein 74 Jahre alter Pilot und seine 14-jährige Enkelin. Kurz nach dem Start war der Ultraleichtflieger auf eine Landstraße gestürzt und in Brand geraten. Als Absturzursache wird ein Motoraussetzer vermutet.

Nach einem tragischen Unglücksfall sieht es zunächst auch bei einem Brand im Franziskushospital Harderberg aus, bei dem ein 78 Jahre alter Patient ums Leben kommt. Nach Untersuchungen zur Brandursache stellen die Ermittler jedoch fest, dass das Feuer am Bett des Patienten gelegt wurde und somit wahrscheinlich Brandstiftung vorliegt. Der 56-jährige Mitpatient, der bei dem Brand unverletzt blieb, wird als Tatverdächtiger in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

Die Gemeinde Lotte trauert um Stefan Franke. Der stellvertretende Grünen-Fraktionschef verunglückt bei einer Bergtour in den Südtiroler Alpen.


Hier fassen wir jeweils zum Ende eines Monats die wichtigsten Themen der vorangegangenen Wochen in Kurzform zusammen. Ähnlich wie in den beliebten Jahresrückblicken der Zeitung können Sie hier alles Wissenswerte des Monats aus Osnabrück und Umgebung Revue passieren lassen. Hyperlinks im Text führen Sie bequem zu vorheriger Berichterstattung.

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