Theater Osnabrück unterwegs Dance Company erzählt von Gastspielreise in China

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Ganz andere Körperkultur: Die Osnabrücker Dance Company erzählt von spannenden Eindrücken und Einblicken auf ihrer Gastspielreise nach Peking und Ningbo.

Spürbar beeindruckt ist die Dance Company des Theaters Osnabrück von ihrer Gastspielreise nach China zurückgekommen. Ende Juli, also nach dem Spielzeitende, war sie mit der finanziellen Unterstützung der Osnabrücker Sievert-Stiftung für Wissenschaft und Kultur nach Peking und Ningbo, 100 Kilometer südlich von Peking, aufgebrochen, auch um eine Kooperation mit der zeitgenössischen Kompanie „Beijing Dance/LDTX“ in Chinas Hauptstadt Peking auf den Weg zu bringen. Manche Tänzerinnen und Tänzer blieben gleich für die Theaterferien in Asien.

Die beiden Leiter des Osnabrücker Ensembles, Mauro de Candia und Patricia Stöckemann, erzählen begeistert. Vor allem erst einmal von der Größe der Stadt Peking mit ihren fast 22 Millionen Einwohnern. „Dagegen ist Berlin nicht einmal ein Dorf“, sagt Tanzchef Mauro de Candia lachend. Bei allem Drive in der Stadt erlebten sie dennoch die tägliche Bewegung der Menschenmassen als organisiert und umsichtig und nicht etwa aggressiv und chaotisch.

Gewaltiges Theatergebäude

Gewaltig erschien ihnen auch das Theatergebäude von außen wie von innen: 500 Sitzplätze hatte dort allein schon eine Studiobühne, 2000 bis 3000 Plätze der Theatersaal, riesig die Dimensionen der Bühnenbilder. Ein Glück für Kompanie bei den riesigen Distanzen in der Stadt: Das Hotel lag theaternah, wie überhaupt wohl alles bestens organisiert war rund um den Besuch der Osnabrücker. Selbst die Verständigung klappte reibungslos, obwohl die Chinesen kein Englisch sprechen: mit Spontanübersetzungen durch das Smartphone, das noch weitaus selbstverständlicher und umfassender eingesetzt werde in China als bei uns, beobachtete Patricia Stöckemann.

Die Chinesen haben Erfahrung mit ausländischen Gästen: Schon zum 17. Mal ging das „Beijing Dance Festival“ über die Bühne. Tanzensembles aus Australien, den USA, aus Israel oder Taiwan waren angereist und auch übers Jahr pflegt man Kontakte etwa zu europäischen Kompanien. Starke Unterschiede zu unserer europäischen Tanztechnik sind De Candia und Stöckemann nicht aufgefallen: „Wie wir entwickeln die Chinesen ihren Tanz ständig weiter“, so de Candia. Allerdings ist die „Beijing Dance/LDTX“ an keinem Theater angesiedelt, sondern eine freie Kompanie, die viel auf Tournee unterwegs ist.

Zu Gast mit „Unter einem Himmel„

Die Osnabrücker zeigten de Candias Produktion „ Unter einem Himmel “ vor vielen jungen Leuten und auch Familien mit kleinen Kindern und trafen auf lebhaft interessierte Resonanz, zu spüren auch in den Gesprächen nach jeder Aufführung. Gewöhnungsbedürftig für die Tänzer war allerdings das ganz andere Publikumsverhalten als das deutsche während der Aufführungen „Es wurde verspätet in den Saal gekommen, sich unterhalten, und in aller Seelenruhe Sequenzen mit dem Handy gefilmt, Kinder kamen und gingen. Es ging also äußerst lebendig zu“, sagt de Candia schmunzelnd. Auch der deutlich größere Raum als in Osnabrück verlangte den Tänzerinnen und Tänzern mehr Ausstrahlung, mehr Kraft ab als gewohnt.

Die Dance Company beobachtete bei ihren Ausflügen (auch zur Chinesischen Mauer) mit Staunen eine ganz andere öffentliche Körperkultur wie bei uns: In den gepflegten Grünanlagen oder auf Plätzen übten Passanten täglich bestimmte Tanzschritte ein oder machten Yoga- oder Tai-Chi-Übungen.

Drei Abschnitte der Kooperation

Am Ende der nun beginnenden Spielzeit gastiert „Beijing Dance/LDTX“ in Osnabrück und wird während der ersten Osnabrücker Tanzwoche auftreten. Ein Auftritt auch bei der großen Tanzgala, Workshops mit den 14 chinesischen Tänzern, ein Symposium West/Ost und vielleicht auch Exkurse in die Tanzgeschichte Chinas sind geplant. Im dritten Teil der Kooperation wird Mauro de Candia für das chinesische Ensemble choreografieren und Willy Zao, Leiter der Pekinger Kompanie, für die Osnabrücker Tänzer. Der gemeinsam entwickelte Abend schließt mit einem Finale beider Kompanien und ist sowohl in Osnabrück wie in Peking zu sehen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN