Stadtelternrat Osnabrück tagt „Illegale Drogen gibt es an allen Schulen“

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Cannabis bleibt weiterhin die Einstiegsdroge nummer 1. Foto: dpa/Daniel KarmannCannabis bleibt weiterhin die Einstiegsdroge nummer 1. Foto: dpa/Daniel Karmann

Osnabrück. Mit elf Jahren erstmals Cannabis, mit 12 Amphetamine, mit 13 abhängig, mit 18 erstmals in Haft. Die Mitglieder des Stadtelternrates mussten schlucken, als ein 22-jähriger Drogenkranker ihnen sein halbes Leben mit Drogen schilderte.

Im Ameos-Klinikum ließen sich die Eltern von Jürgen Rogowski, Leiter der Suchtstation, über illegale Drogen informieren. Der hatte zwei besondere Fachleute mitgebracht, die derzeit versuchen, ihr Leben ohne Drogen in den Griff zu bekommen.

Einstiegsdroge Cannabis

Cannabis sei weiterhin die Einstiegsdroge, hatte Rogowski eingangs erklärt. Das bestätigten auch seine beiden Patienten, der 22-Jährige und ein 50-Jähriger, dessen Drogenkarriere im Alter von 15 Jahren begann – mit Cannabis. In Haft haben beide gesessen, mehrmals Anläufe unternommen, um sich aus der Abhängigkeit zu befreien. Der Ältere will unbedingt seinen Arbeitsplatz behalten und hat sich deshalb auf die Behandlung eingelassen.

Täglich 150 Euro für Drogen

Wer illegale Drogen nimmt, braucht Geld, etwa 150 Euro am Tag, wie Rogowski mit Blick auf den Konsum eines durchschnittlichen Abhängigen vorrechnete: eine Flasche Wodka, Cannabis, mindestens sechsmal ein Schuss Heroin („gestreckt sind höchstens fünf Gramm drin“), dazu Kokain und verschiedene Medikamente, die irgendwie erreichbar sind.

Lerndroge Ritalin

Illegale Drogen seien immer und so gut wie überall erhältlich, betonte Rogowski. Und sie kämen an allen, wirklich allen Schulen vor. Ebenso kämen Suchtkranke aus allen gesellschaftlichen Schichten.

Zehnfache Dosis

Aktuelle Lerndroge sei Ritalin, die etwa von Studenten genutzt werde, um sich besser auf ihre Arbeiten konzentrieren zu können. Der Wirkstoff Methylphenida wirkt wie ein Aufputschmittel, sodass das Umfeld wird nicht mehr richtig wahrgenommen. Auch wenn das Mittel verschreibungspflichtig ist, auf der Straße sei eine Pille für ein paar Euro zu haben. Es helfe zwar kurzzeitig, sich zu konzentrieren, die Einnahme aber sei gefährlich, weil es unter anderem den Gehirnstoffwechsel durcheinanderbringen kann.

Eine weitere aktuelle Droge sei das krampflösende Pregabalin, berichtete Rogowski weiter. Das ebenfalls verschreibungspflichtige Mittel bewirke Entspannung, aber wie bei allen Drogen, müsse die Dosis ständig gesteigert werden, sagte der Fachmann. Das Zehnfache einer ärztlich verordneten Dosis sei wie bei anderen Mitteln in der Drogenszene keine Seltenheit.

Wodka im Tampon

Es müssen nicht immer illegale Drogen sein: Rogowski nannte als Beispiel das „Stopfen“: Tampons werden mit Wodka getränkt und von Mädchen in die Vagina, von Jungen in den Anus eingeführt. Durch die Schleimhaut gelangt der Alkohol schneller in die Blutbahn. Jugendliche könnten eine Alkoholvergiftung bekommen, ohne Alkohol im Magen oder eine Fahne zu haben.

Um junge Leute vor dem Drogenkonsum zu warnen, geht der Arzt Rogowski regelmäßig in Schulen: „Ich glaube, ich bin der Einzige, der das in der Region noch macht.“ Auch im Ameos-Klinikum seien Treffen mit Schülern oder mit Eltern möglich.

Besonders eindrucksvoll seien natürlich Begegnungen mit Drogenkranken wie den beiden Patienten an diesem Abend. Die Mitglieder des Stadtelternrates dankten ihren Gesprächspartnern für deren Offenheit.


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