Wanderausstellung Ameos-Kunstpreis eröffnet Kunst als Therapie

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Mit dem ersten Preis wurde die Osnabrückerin Ivana Zikova-Klippel ausgezeichnet. Ihr Bild ist zusammen mit 72 weiteren Werken in der Wanderausstellung zu sehen, die jetzt in der Klinik am Gertrudenberg eröffnet wurde. Foto: Thomas OsterfeldMit dem ersten Preis wurde die Osnabrückerin Ivana Zikova-Klippel ausgezeichnet. Ihr Bild ist zusammen mit 72 weiteren Werken in der Wanderausstellung zu sehen, die jetzt in der Klinik am Gertrudenberg eröffnet wurde. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. 173 Arbeiten von 80 Künstlern sind für den bundesweiten Ameos-Kunstpreis 2018 eingereicht worden. Mit dem ersten Preis wurde die Osnabrückerin Ivana Zikova-Klippel ausgezeichnet. Ihr Bild ist zusammen mit 72 weiteren Werken in der Wanderausstellung zu sehen, die jetzt in der Klinik am Gertrudenberg eröffnet wurde.

19 Bewohner und Patienten aus dem Ameos Klinikum Osnabrück nahmen an dem Wettbewerb teil, der alle drei Jahre ausgetragen wird. Eine davon ist die Künstlerin Ivana Zikova-Klippel. Bereits im März überzeugte die 54-Jährige eine fünfköpfige unabhängige Jury aus dem Bereich Kunst und Kultur mit ihrem Aquarell „o.T.“, wo Grafisches auf Malerisches und strenge Flächigkeit auf räumliche Tiefe trifft. Die Juroren befanden das Werk „spannend, dynamisch und bestechend einfach“ und honorierten es mit dem ersten Preis.

Nicht die offizielle Kunstwelt, sondern die gesellschaftlichen Außenseiter werden zu Protagonisten dieser ‚Art Brut‘ Kunstrichtung. Viele der Künstler mit seelischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen können ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen. Zum Ablenken nutzten sie die Ausdrucksmöglichkeit des Malens. In der Auswahl der Arbeiten zeigt sich die sensible Wahrnehmung der Künstler: mal voller Hoffnung, mal bedrückend, melancholisch, pathetisch oder düster, mal mit intimen Einblicken in das Seelenleben, wie etwa die detaillierte Zeichnung der Zweitplatzierten Katharina Sievers mit Blei- und Buntstiften auf schwarzem Karton. Der Titel "F32.3", eine Diagnosebezeichnung, zeigt die Verwandlung dreier Stadien von Daseinszuständen: beginnend mit dem zersplitterten Schädel einer Tierschnauze, über einen menschlichen Kopf mit Ohr, hin zu einem offenen Hinterkopf mit skelettierter Halswirbelsäule.

Zeichnen in der Therapie gelernt

Zikova-Klippel taucht durch das Malen in ihre eigene Welt ab. Obwohl ihr Vater Künstler ist, hat sie selbst das Zeichnen erst vor 14 Jahren während der Therapie gelernt, es hilft ihr, ihr Innerstes zu sortieren. Auf einem 32x24 cm Papier gliederte sie horizontal eine Fläche in blaue und grüne Blockstreifen, am unteren Rand setzte sie ein malerisches Element. Dieser kleine Ausschnitt gibt dem Bild eine völlig neue Perspektive, vermag es, den Blick des Besuchers nicht länger an der Oberfläche verweilen sondern in der Tiefe verlieren zu lassen. „Das Malen tut mir sehr gut. Am Liebsten zeichne ich Leuchttürme, manchmal aber einfach auch kreativ aus dem Bauch heraus. Den ersten Preis zu gewinnen, das war einfach überwältigend“, kommentiert Zikova-Klippel den Erfolg bei ihrer fünften Wettbewerbsteilnahme.

Neben den drei Preisträger und dem während der Ausstellungseröffnung in Neustadt ( Holstein) von Besuchern gewählten Publikums Liebling „Hulk“ von Daniel Webers sind Arbeiten zu sehen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Der Drittplatzierten Alesja Kaplunova und ihrem Werk „Am Anfang ist die Quelle“ attestierte die Jury eine große Sogwirkung. Tatsächlich fesselte die Darstellung einer unbekleideten weibliche Figur, die sich bis auf den Hinterkopf unter Wasser befindet und an einem Stück Holz festklammert, auch an diesem Abend emotional mehrere Betrachter.

Wanderausstellung macht in Osnabrück Station

Seit 2008 wird der Kunstpreis in seiner heutigen Form für die deutschlandweiten Ameos Einrichtungen verliehen und findet immer mehr Bewunderer. „Für viele Teilnehmer ist es immer eine große Herausforderung, ihr Werk und somit auch sich selbst, einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Das ist für Viele nicht selbstverständlich und verdient unser aller Respekt“, betont Katja Watermann, Leiterin der Kunsttherapie, in ihrem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung.

„Die Welt der Kunst ist so vielfältig wie die Menschen, die sie schaffen,“ ergänzt Watermann das Zitat „Jeder Mensch ist ein Künstler“ von Josef Beys. Die Vernissage mit den für Osnabrück ausgesuchten 60 Objekten würdigt die Arbeiten der Therapieteilnehmer. Sie vermittelt Kunst über die Qualität der Arbeit und nicht über die Biografie des Künstlers. Die eindrucksvollen Werke sind in unterschiedlichen Städten in ganz Deutschland zu sehen. 

Anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Psychiatrie am Gertrudenberg macht die Wanderausstellung noch bis zum 26. Oktober in Osnabrück Station. 


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