Premiere im Theater Osnabrück Das Konzept von „Wilhelm Tell“ und neue Darsteller

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Dieser Apfel bleibt natürlich unberührt: Regisseur Robert Teufel (links vorn) steht mit einer Armbrust vor seinem Team. Von links im Bild Denise Matthey, Rebekka Zimlich, Philippe Thelen, Friederike Meisel, Mick Riesbeck und mit Apfel Juliane Böttger. Foto: Gert WestdörpDieser Apfel bleibt natürlich unberührt: Regisseur Robert Teufel (links vorn) steht mit einer Armbrust vor seinem Team. Von links im Bild Denise Matthey, Rebekka Zimlich, Philippe Thelen, Friederike Meisel, Mick Riesbeck und mit Apfel Juliane Böttger. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Am Samstag, 1. September, startet das Osnabrücker Theater mit Friedrich Schillers Revolutionsdrama „Wilhelm Tell“ in die neue Spielzeit. Zum Inhalt des Stückes, zum Regiekonzept des Teams um Regisseur Robert Teufel und zu den vier neuen Schauspielern.

Welche Freiheit gilt es zu verteidigen? Diese große Frage stellt das Regieteam um Robert Teufel zum Spielzeitauftakt des Osnabrücker Schauspiels im Theater am Domhof mit Friedrichs Schiller an „Wilhelm Tell“, denkt dabei aber auch an unsere Gegenwart, an Europa und den Trend zu neuer Nationalstaatlichkeit. In dem großen Revolutionsdrama schütteln die Schweizer zwar die tyrannische Fremdherrschaft der Habsburger ab, kehren jedoch zur Lebensweise ihrer Vorväter zurück. „Es unterläuft Schiller nicht zufällig, dass er die autochthonen Schweizer in einem Atemzug mit Volk, Boden und 1000-jährigem Besitz nennt“, sagt Dramaturg Sven Kleine beim Vorgespräch im Theater. Und Regisseur Robert Teufel („Orest“ und „Unterwerfung“ in Osnabrück) spricht vom Schweizer Gründungsmythos als einer „Retopia“, einer rückwärtsgewandten Utopie, die nichts mehr mit der Französischen Revolution zu tun habe. „Es gibt kein Modell mehr für die Zukunft“ sagt er und meint damit nicht nur den berühmten Rütlischwur, sondern ein wenig auch die politischen Systeme unserer Tage.

Kurz zum Inhalt des „Tell“

Kurz zum Inhalt des Stücks: Der Schweizer Baumgarten hat einen Burgvogt der Österreicher mit der Axt erschlagen, weil der seine Frau vergewaltigen wollte. Auch in den andern Schweizer Urkantonen Schwyz, Uri und Unterwalden mehren sich Berichte über Willkürherrschaft. Einige Bürger verabreden sich zum Widerstand gegen die Habsburger und wollen die alte Eidgenossenschaft aus dem 13./14. Jahrhundert erneuern. Wilhelm Tell ist noch nicht mit von der Partie („Der Starke ist am mächtigsten allein“). Erst als der Burgvogt Gessler ihn zwingt, seinem Sohn einen Apfel vom Kopf zu schießen und Tell Gessler tötet, schließt Tell sich dem Volksaufstand für eine freie Schweiz an. Er wird am Ende vom Volk als Befreier bejubelt.

Vier Neue im Ensemble

Vier neue Ensemblemitglieder stellen sich gleich im „Tell“ vor. Juliane Böttger, Jahrgang 1994, stammt aus Görlitz, hat in Berlin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Schauspiel studiert. Sie spielte im Berliner Ensemble und an der Berliner Volksbühne, dort die Jungfrau von Orleans in „Johanna D‘ Arc“. Osnabrück ist ihr erstes Festengagement. Im „Wilhelm Tell“ spielt sie die Ehefrauen Gertrud Stauffacher und Hedwig Tell.

Denise Matthey, geboren 1984, bekam im Wuppertaler Jugendclub Lust aufs Schauspielen. Doch erst studierte sie Medien- und Kulturwissenschaften, bevor sie ein Schauspielstudium in Frankfurt am Main absolvierte. Nach vier Jahren Stadttheater Ingolstadt, einem Jahr am Theater Krefeld und Mönchengladbach und Gastengagements in Karlsruhe, Bern, Bielefeld und Essen arbeitet sie nun fest im Osnabrücker Ensemble. Im „Tell“ spielt sie die Berta von Bruneck. Ihre Traumrolle wäre etwa die Penthesilea in Kleists gleichnamigem Drama.

Mick Riesbeck, Jahrgang 1987, ist in Osnabrück kein Unbekannter mehr. Er spielte in Pinters „Geburtstagsfeier “ den unheimlichen Gangster McCann. Er wuchs in Nürtingen bei Stuttgart auf, profitierte schon mit 13 Jahren von einer Theaterklasse in seiner Schule. Doch erst einmal studierte er Übersetzungswissenschaften in Heidelberg, ging nach Berlin, feilte an seinen Spieltechniken und studierte schließlich Schauspiel am Max Reinhart-Seminar in Wien. Jetzt ist er fest in Osnabrück und träumt davon, inspiriert durch Lars Eidinger, einmal den Hamlet zu spielen. Im „Tell“ ist unter anderem als Baumgarten und den Melchtal zu erleben.

Philippe Thelen schließlich kam 1988 im belgischen Luxemburg zur Welt und träumte früh von der Schauspielerei als Beruf. Doch dafür war sein Vater nicht gleich zu erwärmen und so machte er erst einmal seinen Master in Germanistik, bevor er dann in Amerika und Stuttgart Schauspiel studierte. Er war ein Jahr am Stuttgarter Staatstheater engagiert und spielte bei Kurz- und Kinofilmen mit. Seine Traumrolle sieht er eher im Kino: „einen der kaputten, depressiven, Ich-zerfressenen Aussteigertypen“, sagt er lachend. Im „Tell“ gibt er den Baumgarten, der einen Burgvogt erschlägt.


Premiere von Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ ist am Samstag, 1. September um 19.30 Uhr im Theater am Domhof, Regie führt Robert Teufel. Karten unter 0541-7600076.

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