Forke gegen Haarschneider getauscht Osnabrücker Tierschau 2018: Wenn es im Kuhstall nach Glanzspray riecht

Von Antonia Wahmhoff

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"Beautytermin" für Kuh 63 308: Das Tier wird von Nils Kolckhorst-Kahle für ihren Auftritt auf der OHG-Tierschau aufgehübscht. Foto: Gert Westdörp"Beautytermin" für Kuh 63 308: Das Tier wird von Nils Kolckhorst-Kahle für ihren Auftritt auf der OHG-Tierschau aufgehübscht. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Am 9. September findet die alljährliche Kreistierschau statt. Was passiert, wenn die Kühe für ihren großen Auftritt vor den Preisrichtern herausgeputzt werden, haben uns Nils Kolckhorst-Kahle und Volker Ortmann gezeigt. Wir durften dabei sein, als im Kuhstall Forke gegen Haarschneider getauscht wurde.

Wir treffen Nils Kolckhorst-Kahle und Volker Ortmann von der Osnabrücker Herdbuch eG (OHG) auf dem Hof Meyer zu Strohen in Osnabrück-Hellern. Veranstaltungsort der diesjährigen Tierschau. Die beiden ziehen sich Arbeitskleidung über und nehmen uns direkt mit in den Stall. Heute wollen sie eine Kuh für ihren Auftritt auf der Tierschau vorbereiten. Noch ahnt niemand der Außenstehenden, dass hier schon wenig später anstatt Stallgeruch der Duft von Glanzspray in der Luft liegen wird. 

Tierische Schönheitsideale

„Das ist sie!“, sagen die beiden Männer und deuten auf eine der 110 Milchkühe von Landwirt Fritz Meyer zu Strohen. „Sie“ trägt die Nummer 308 und scheint mit ihren dreieinhalb Jahren ein echtes Prachtexemplar zu sein. "Bei einer Schaukuh geht es um den optimalen Körperbau, um klar erkennbare Sprunggelenke an den Hinterbeinen, um die Beckenlage und natürlich um das Euter", erklärt Nils Kolckhorst-Kahle. Der 26-Jährige ist selbst schon seit vielen Jahren als Züchter und Preisrichter aktiv. "Natürlich sind das alles Schönheitsideale, aber die führen in der Regel auch zu einem längeren Leben der Kühe", ergänzt Meyer zu Strohen. Seine "308" wird heute für ihren Auftritt aufgehübscht.

Vorsichtig rasiert Nils Kolckhorst-Kahle die Kuh. Foto: Gert Westdörp

Futter entscheidend für Erfolg

Das Schönheitsprogramm der Schaukuh beginnt mit Wasser und Seife, denn zunächst müssen das Fell und die Klauen vom groben Dreck befreit werden. Für die perfekte Gesamtkondition der Milchkühe spiele ihr Futter eine grundlegende Rolle, erklärt Ortmann, der für die OHG Landwirte bei der Futterplanung berät. Die Futterrationen sowie das Verhältnis von Gras- oder Maissilage und Kraftfutter werden sehr exakt berechnet. 

Alltag eines Kuhfitters

Nach dem Waschen und Abtrocknen geht es ans Eingemachte: Kolckhorst-Kahle stellt einen Koffer bereit und zaubert wie aus einem echten Beautycase Haar- bzw. Fellschneider und zig verschiedene Aufsätze hervor. "Man versucht, die Vorzüge der Schaukuh zu betonen und kleine Makel zu kaschieren", sagt Kolckhorst-Kahle. Wie bei echten Models also. "Haare schneiden mache ich aber nur bei Vierbeinern", versichert der 26-Jährige und lacht. Seine Tätigkeit als Kuh-Friseur wird in Fachkreisen auch als Kuhfitting bezeichnet. Mit ruhiger Hand setzt er die Maschine an und schwarz-weißes Fell fällt zu Boden. "Mit kurzem Fell sind die Knochen und Gelenke der Kuh besser erkennbar", erläutert er. Das Kuhfitting habe er zusammen mit anderen Jungzüchtern in Schulungen gelernt. "Da muss man einfach reinwachsen", weiß er.

Foto: Gert Westdörp

"Das Bestmögliche aus der Kuh herausholen" ist seine Devise. Besonderes Augenmerk legt er auf das Euter, denn natürlich spielt die Milchleistung bei der Bewertung eine Rolle. Neben gleichmäßig ausgebildeten Zitzen seien auch die Milchadern ausschlaggebend. Um diese zu betonen, muss er beim Scheren des Euters Fingerspitzengefühl beweisen. 

"Harmonisches Gesamtbild"

Als Kolckhorst-Kahle erzählt, worauf die meisten Preisrichter Wert legen, kann die tierische Damenwelt etwas aufatmen: "Die Kühe sollen nicht dürr sein. Es geht um ein harmonisches Gesamtbild." Beim Körperbau einer Kuh spreche man vom "Rahmen", erklärt er. "Früher bevorzugte man breitgebaute, also "großrahmige" Kühe", erinnert sich Ortmann. Doch es habe ein Umdenken stattgefunden. "Man hat festgestellt, dass mittelrahmige Tiere vom Stoffwechsel her robuster sind und in den Ställen besser zurechtkommen", erklärt der Experte. 

Foto: Gert Westdörp

Bei der Bewertung der Kühe spiele aber auch der persönliche Geschmack der Richter eine Rolle, gibt Kolckhorst-Kahle zu. "Außerdem handelt es sich um eine Kreistierschau", ergänzt Ortmann "da soll es mit der Vorbereitung nicht übertrieben werden." Für die Züchter sei es sehr aufwendig, ihre Tiere herauszuputzen und statt Wettkampfgedanken zu hegen, freue man sich eher füreinander. 

Laufsteg-Performance will geübt sein

Am Sonntag werden die Kühe auf der Tierschau in drei Altersgruppen präsentiert. "Zunächst begutachten die Preisrichter die Tiere im Profil und machen sich ein erstes Bild vom Körperbau, der Größe und Kondition sowie vom Euter", erklärt Kolckhorst-Kahle. Im Anschluss werde eine Vorauswahl getroffen, bis schließlich die Klassensiegerinnen im Finale gegeneinander antreten. Die Performance auf dem Laufsteg will natürlich geübt sein. "Die Züchter trainieren mit ihren Kühen den richtigen Gang und müssen beim Führen darauf achten, den Blick auf das Tier freizugeben", erläutert Ortmann.

Letzter Handgriff: Glanzspray

Und was sagt das Model zu alldem? Die „308“ lässt das fast zweistündige Beautyprogramm geduldig über sich ergehen und freut sich zwischendurch über kleine Streicheleinheiten. Für den letzten Schliff bürstet Kolckhorst-Kahle den Schwanz der Kuh und sprüht noch etwas Glanzspray auf das schwarz-weiß gefleckte Fell . "Fertig!", sagt er zufrieden. Die Misswahl der besonderen Art kann kommen. 


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