Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ Theater Osnabrück zeigt Anti-Trump-Stück

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Osnabrück. Das Theater Osnabrück zeigt ab Sonntag im Emma-Theater Elfriede Jelineks Anti-Trump-Stück „Am Königsweg“. Auf der Bühne steht neben drei anderen Schauspielern Katharina Kessler, die neu im Osnabrücker Schauspielensemble ist.

Bereits am Tag nach Donald Trumps Wahlsieg begann Elfriede Jelinek mit der Arbeit an ihrem Stück „Am Königsweg“. Die Literaturnobelpreisträgerin war die erste Autorin von Weltrang, die sich mit dem aktuellen US-Präsidenten befasste. Das brachte dem Stück Aufmerksamkeit. Schon vor seiner Uraufführung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg (Regie: Falk Richter) wurde eine gekürzte Fassung in New York vorgestellt.

Derzeit greifen viele deutsche Bühne Jelineks Text auf. Auch das Theater Osnabrück bringt es auf die Bühne. Regie führt Felicitas Braun, die bereits Niki Orfanus „Lucas and Time“ und Sibylle Bergs „Und dann kam Mirna“ in Osnabrück inszeniert hat.

Wie eine Muppet-Show

Der Weg zum Zuschauerraum führt in diesem Fall durch einen Seiteneingang. Denn die Bühne (Timo von Kriegstein) ist nicht wie sonst hinten im Raum aufgebaut, sondern längs an der Seite. „Es gibt in dem Stück nur eine Regieanweisung“, sagt Felicitas Braun. Darin wünscht Jelinek sich, dass ihr Stück als Muppet-Show inszeniert wird. Im Großen und Ganzen haben die Regisseurin und ihr Team sich daran gehalten. So tritt etwa Miss Piggy als Seherin auf.

Wie immer hat Elfriede Jelinek keinen Text mit klar aufgeteilten Rollen geschrieben, sondern eine Textfläche. Darin werden verschiedene Stimmen laut, die etwa dem für Trump stehenden König, seinen Wählern, den Sehern oder der Autorin selbst gehören. Wer genau was sagt, das haben Braun und ihr Team erst bei der Inszenierung erarbeitet. Noch wenige Tage vorher ordnen sie noch einzelne Textpassagen neu zu. Zudem gibt es Ansagen wie in einer Fernsehshow, die das Stück strukturieren. Die sind auf einem Video zu sehen, das auf dem Golfplatz Dütetal in Lotte gedreht. Die Szenerie stehe für die „Upper-Class-Dekadenz“, so Dramaturgin Marie Senf. Jelinek habe sich viel Wissen über Trump angelesen, erklärt Marie Senf. „Außerdem hat sie eine Vorliebe für Trash und Trivialkultur“, so die Dramaturgin. Dieser Hang prägt das Stück und die Inszenierung.

Neue Schauspielerin

Ihren ersten Auftritt am Theater Osnabrück hat Katharina Kessler, die neu im Schauspielensemble ist und mit Christina Dom, Monika Vivell und Stefan Haschke auf der Bühne steht. „Anders und doch normal“ sei es, in einem Jelinek-Stück zu spielen. Denn die Figuren werden erst im Laufe der Inszenierung aus dem Text erarbeitet. Im Gegensatz zu anderen Stücken „werden sie nicht durchlebt“.

Die 1991 geborene Kessler hat in diesem Jahr ihr Schauspielstudium an der Hochschule der Künste Bern abgeschlossen. Schon während ihres Studiums stand sie im Luzerner Theater auf der Bühne und wurde 2016 mit dem Förderpreis der Armin Ziegler Stiftung ausgezeichnet.


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