Amtsgericht Osnabrück Dieb kommt mit blauem Auge davon

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Mit Glück ist jetzt ein Dieb beim Osnabrücker Amtsgericht davongekommen: Die Schöffenkammer verurteilte den Mann zu zwei Jahren – auf Bewährung. Symbolfoto: dpaMit Glück ist jetzt ein Dieb beim Osnabrücker Amtsgericht davongekommen: Die Schöffenkammer verurteilte den Mann zu zwei Jahren – auf Bewährung. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Mit viel Glück ist jetzt ein Dieb davongekommen: Das Amtsgericht verurteilte den Mann zu zwei Jahren – auf Bewährung.

Der Bulgare mit Wohnsitz in Bremen war laut Anklage mit einem anderen Täter im November 2016 in einen Osnabrücker Club eingebrochen. Dabei hebelten sie einen Geldwechsler und einen Spielautomaten auf. Die Beute von 900 Euro teilten sie sich. Der Bruch bescherte dem Club-Inhaber einen Sachschaden von 4200 Euro.

Der 27-Jährige gestand den Tatvorwurf vollständig. Seit sieben Jahren sei er in Deutschland. Da er in Bulgarien nur bis zur zweiten Klasse in der Schule gewesen sei, habe er bislang weder schreiben noch lesen gelernt. „Ich habe deswegen hier nur Arbeit bekommen, die entweder schlecht bezahlt war oder man haute mich beim Lohn übers Ohr“, so der Angeklagte. Um die knappen finanziellen Mittel zu verbessern, habe er es mit Diebstählen versucht.

Der Diebstahl vom November 2016 in Osnabrück blieb nicht der einzige Fall. Nur wenige Monate später beging er drei Einbruchsdiebstähle in Bremen, von denen aber zwei unvollendet blieben. Dafür aber saß er bis zum Beginn der dortigen Verhandlung in Untersuchungshaft. Die Bremer Justiz verurteilte den Mann vor genau einem Jahr zu 19 Monaten Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Dabei hatte der Angeklagte Glück, dass der Bruch in Osnabrück noch nicht bekannt war – sonst wäre die Strafe in Bremen für den auch einschlägig vorbestraften Mann höher ausgefallen. Erst später identifizierte ihn die Spurensicherung. Der Mann hatte sich bei dem Diebstahl in Osnabrück verletzt. Anhand einer DNA-Probe wiesen mehrere Merkmale auf ihn – und so wurde man seiner habhaft.

Daher kam es erst jetzt zum dem Prozess in Osnabrück. Aufgabe des Schöffengerichtes war es nun, ein Strafmaß zu finden, das auch das Bremer Urteil miteinbezog. Der Staatsanwalt beantragte 27 Monate Gefängnis, die Verteidigerin des Angeklagten plädierte auf zwei Jahre Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollten.

Dem Schlussvortrag der Verteidigerin schlossen sich Richterin und Schöffen an. „Sie kommen hier heute noch einmal mit einem blauen Auge davon“, sagte die Richterin. Zugute halte müsste man dem Angeklagten, dass er sich nicht nur geständig eingelassen habe, sondern auch den Mittäter vom Osnabrücker Einbruch benannt habe. Glaubhaft habe er auch darstellen können, dass ihm die zwei Monate Untersuchungshaft eine Lehre gewesen sind, so die Richterin. Auch dass er jetzt einen Job als Reinigungskraft habe, zähle zu den Signalen, ihm eine positive Sozialprognose auszustellen.

Unterstützen wollte das das Gericht, indem es dem Mann auferlegte, statt der in Bremen ursprünglich verhängten Arbeitsstunden, diese Zeit für einen Deutschkurs zu nutzen. „Auch das ist etwas, was ihre Chance auf dem Arbeitsmarkt erhöht und sie davon abhält, weitere Straftaten zu begehen“, hielt die Richterin in der Urteilsbegründung fest.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN