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Staatsanwaltschaft ermittelt Motoren-Diebstahl im großen Stil bei VW Osnabrück?

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Aus dem Osnabrücker Volkswagen-Werk im Stadtteil Fledder sollen jede Menge Automotoren und Getriebe gestohlen worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Foto: Michael GründelAus dem Osnabrücker Volkswagen-Werk im Stadtteil Fledder sollen jede Menge Automotoren und Getriebe gestohlen worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Aus dem Volkswagen-Werk in Osnabrück sollen reihenweise Motoren und Getriebe gestohlen worden sein. Der Schaden geht offenbar in die Millionen. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt.

Der Autofabrik im Stadtteil Fledder droht ein handfester Skandal. Kriminellen soll es gelungen sein, besonders wertvolle Bauteile wie Motoren und Getriebe in großer Zahl vom Gelände zu schmuggeln sowie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Der Schaden für VW Osnabrück beträgt angeblich mehr als fünf Millionen Euro.

Hehlerware bei Ebay inseriert

Das massenhafte Verschwinden von Fahrzeugkomponenten fiel nach NOZ-Recherchen bereits im Jahr 2017 auf und wird seitdem strafrechtlich verfolgt. Auf der Online-Handelsplattform Ebay inserierte Hehlerware soll die Polizei auf die Spur gebracht haben, heißt es aus Justizkreisen. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion Ermittlungen in der Sache. Nähere Angaben zum Tatvorwurf machte sie jedoch nicht. "Wir befinden uns in einer entscheidenden Phase", sagte Sprecher Alexander Retemeyer. 

VW Osnabrück lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu betriebsinternen Vorgängen und laufenden Ermittlungen nicht äußern", teilte Sprecher Alexander Ott auf Anfrage mit.


Das Volkswagen-Werk in Osnabrück aus der Vogelperspektive, aufgenommen im Mai 2016. Foto: NOZ-Archiv/David Ebener

Hinweise auf Diebesbande

Damit bleibt eine Reihe von Fragen vorläufig unbeantwortet. Zum Beispiel, wie viele Fahrzeugteile welcher Art dem Werk durch den Vorfall tatsächlich abhanden kamen oder wie die Täter konkret vorgingen. Unklar ist auch, über welchen Zeitraum sich der mutmaßliche Diebstahl erstreckte. Und wer alles verdächtigt wird.

Möglicherweise sind die Beschuldigten im Kreise von Zulieferern zu suchen. Vielleicht haben sich die Diebe aber auch nur als solche ausgegeben. Darüber hinaus könnten auch Werksangehörige ihre Finger im Spiel gehabt haben. Vieles deutet auf eine Bande hin: Nach Informationen unserer Redaktion laufen Ermittlungsverfahren an verschiedenen Orten, wobei alle ihren Ausgang in Osnabrück haben. 


"Die Ermittlungen befinden sich in einer entscheidenden Phase"Alexander Retemeyer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück

Mangelhafte Kontrollen am Tor

Ein Insider erklärte, der mutmaßliche Motoren-Klau offenbare eklatante Schwächen sowohl bei der Ein- und Ausgangskontrolle am Tor sowie im Warenwirtschaftssystem der Autofabrik. Anscheinend sei es für die Beteiligten ein Leichtes gewesen, mit großen Fahrzeugen aufs Werksgelände zu kommen und es samt dem schweren Diebesgut wieder zu verlassen. Mit der Folge, dass für die Fertigung benötigte Teile laut den Büchern zwar vorrätig waren, aber nie am Fließband auftauchten.

Aktuell sind bei VW Osnabrück nach Firmenangaben mehr als 2300 Mitarbeiter beschäftigt. Sie bilden in den Geschäftsbereichen Technische Entwicklung, Metall-Gruppe und Fahrzeugbau die gesamte automobile Prozesskette ab – von der ersten Idee bis zur Serienproduktion. Die Kernkompetenz des Unternehmens liegt in den Gebieten Cabriolets, Roadster und Kleinserienfahrzeuge.


Neufahrzeuge der Marken VW und Porsche warten auf dem Gelände von Volkswagen in Osnabrück auf ihre Auslieferung. Foto: NOZ-Archiv/David Ebener


Von Golf Cabrio bis Porsche Cayman

Auf dem 426.000 Quadratmeter großen Werksgelände in Fledder fertigte Volkswagen Osnabrück seit März 2011 das Golf Cabriolet als erstes Modell. Seit 2012 liefen die Porsche-Modelle Boxster und Cayman am Standort vom Band. 2014 begann die Produktion des auf eine Kleinstserie beschränkten Ein-Liter-Autos Volkswagen XL1. Ein weiteres Porsche-Modell folgte im Juni 2015. Seitdem übernahm VW Osnabrück einen Teil der Endmontage des Porsche Cayenne. Außerdem lackierten und montierten die Mitarbeiter seit April 2016 die erste Generation des VW Tiguan. Im Frühjahr 2017 startete die Fertigung von Teilumfängen des aktuellen Porsche Cayman.

Ende 2018 bekommt das Werk ein weiteres Modell: den Karoq der Konzerntochter Skoda. Ab Anfang 2020 sollen dann in Osnabrück jährlich bis zu 20.000 VW T-Roc Cabriolets vom Band rollen.


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