Gegen das Alleinsein Uhu-Club probt für das Sommerfest in der Scholle am Freitag

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Proben für das Sommerfest: Tine Schoch, Jo Granada, Dr. Ignatz Ignaz und Heaven (von links). Foto: André HavergoProben für das Sommerfest: Tine Schoch, Jo Granada, Dr. Ignatz Ignaz und Heaven (von links). Foto: André Havergo

Osnabrück. Es gibt Kulturvereine und es gibt Vereinskultur – und es gibt den Osnabrücker Uhu-Club für alle Unter-Hundertjährigen, der seit fünf Jahren vielfältig und offen Kultur von unten fördert und sich dabei jeglicher biederen, geschlossenen Vereinsmeierei unverdächtig macht.

Wie das funktioniert, erklären die vier Verantwortlichen in gemütlicher privater Runde auf dem Balkon beim Abendessen, mit dem sie sich stärken für die Proben zum diesjährigen Sommerfest des schrägsten Clubs der Stadt. Zum Kochen treffen sie sich regelmäßig mehrmals im Monat, aber einmal im Monat rühren sie auch einen Mix aus Musik, Theatereinlagen und Gesprächen mit Gästen an – eine nicht-kommerzielle, herausfordernde „Herzensangelegenheit“, wie Kassenwart Dr. Ignatz Ignaz betont. Vom ursprünglichen Vorbild „Inas Nacht“ habe man sich zwar längst entfernt, aber die Intimität und auch körperliche Nähe zum Publikum sei nach wie vor ein Kennzeichen der allmonatlichen „Jahreshauptversammlung“, ergänzen Vereinspräsident Heaven und Zeremonienmeisterin Tine Schoch.    

Dankeschön an Gäste

Schauplatz für die facettenreichen, nur lose strukturierten Multi-Media-Shows ist das „Grand Hotel“ am Willy-Brandt-Platz, wobei in der Raucherkneipe jüngst darüber abgestimmt worden war, ob während der „Sitzungen“ geraucht werden soll – basisdemokratisch mit roten und grünen Karten, so wie es sich für einen Verein eben gehört.

Dem Mitgliedervotum beugen müssen sich zumindest in einem Punkt die Veranstalter auch beim diesjährigen Sommerfest, wo sie buchstäblich von der Muse geküsst eine Tanzperformance zu einem Siebzigerjahre-Musikvideo hinlegen sollen. Ansonsten wird sich der Vorstand aber in Zurückhaltung üben, denn das jährliche Event ist weniger als ein weiterer Club-Abend gedacht als vielmehr als ein Dankeschön an Gäste der letzten Monate, die dem Viererrat ganz besonders gefallen haben oder in Erinnerung geblieben sind, stellt Jo Granada klar, der laut Satzung für „Jugend und Soziales“ zuständig ist. Nichtsdestotrotz werden es sich die „Uhus“ aber nicht nehmen lassen, auch die ein oder andere eigene Idee umzusetzen.

Musizieren im Verein

Dabei wird es voraussichtlich unter anderem um Matratzensport im Duett gehen, der in die Annalen des Vereins eingehen wird. Bei den Mitgliedern wollen sich die Vereinsgründer zudem für deren Tanz-Idee revanchieren, indem sie im Publikum Instrumente verteilen, um gemeinsam „Carmina Burana“ aufzuführen – natürlich unter der Voraussetzung, dass die jeweiligen Instrumente nicht beherrscht werden. Die gilt selbstverständlich nicht für die Bands, die bislang zugesagt haben, darunter Safkan, Die Romane und das Duo Pyttipana. Auch die Osnabrücker Musiker Jörg Niedderer und Viviane Kudo werden die Spätsommersause bereichern, ebenso wie Clemens Nietfeld und Kollegen vom Impro-Theater Improteus.

Spaß ohne Geiz

Mit dem Lokal des Kleingartenvereins Deutsche Scholle in der Wüste direkt hinter dem Moskaubad hätte man wohl kaum einen passenderen Ort finden können für die große sommerliche Vereinsfeier mit Musik und Kleinkunst, bei der mit Sicherheit auch andere Protagonisten improvisieren werden. Bei schlechtem Wetter steht ein Saal zur Verfügung. Und obwohl die Gastronomie der Scholle seit gut einem Jahr in schottischer Hand ist, wird mit den auf die Uhu-Vereinsfahnen geschriebenen Leitmotiven „Frohsinn und Gemütlichkeit“ keinesfalls gegeizt werden.

Improvisationskunst

Dass allerdings all das, was da am Essenstisch besprochen und im Anschluss auf dem Balkon und im Wohnzimmer geprobt worden ist, dann auch tatsächlich an diesem Freitag auf dem Sommerfest genauso ablaufen wird, gilt naturgemäß als noch längst nicht ausgemacht. Denn im Unterschied zu den meisten anderen Vereinen lebt der Uhu-Club schließlich von der Spontan-Interaktion mit den Besuchern, die bei jeder Versammlung aufs Neue mit dem gesungenen Grundsatz „Ich bin nicht mehr allein, ich bin jetzt im Verein“ für einen Abend lang zu temporären Mitgliedern erklärt werden – und von einem sich selbst großzügig gestatteten Maß an Kunst- und Improvisationsfreiheit, das allen Akteuren viel Spielraum für Unerwartetes und Überraschungen lässt.


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