Zwischen Gehorsam und Beutetrieb Meisterschaft in Osnabrück: Wenn Hunde und ihre Halter um Pokale kämpfen

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Hobby Hund: Berthold und Conny Litfin aus Osnabrück versuchen ihre zwei Briards artgerecht auszulasten. Sie trainieren regelmäßig beim PHV und nahmen an der Stadtmeisterschaft des  „Vereins der Hundefreunde von Osnabrück und Umgebung e. V.“ teil. Foto: Thomas OsterfeldHobby Hund: Berthold und Conny Litfin aus Osnabrück versuchen ihre zwei Briards artgerecht auszulasten. Sie trainieren regelmäßig beim PHV und nahmen an der Stadtmeisterschaft des „Vereins der Hundefreunde von Osnabrück und Umgebung e. V.“ teil. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Die Zeiten, in denen Hunde an der Kette vor der Hundehütte gehalten wurden, sind in Deutschland glücklicherweise längst vorbei. Heute soll es dem „besten Freund des Menschen“ an nichts mangeln, er bekommt Spezialfutter, Spezialspielzeug, Spezialtraining, Spezialbehandlung. Wer sich dem Thema Hund voll und ganz widmet, kommt zudem an Hundemessen und Meisterschaften kaum vorbei. Auch in Osnabrück ist der Kalender vieler Hundehalter gespickt mit derartigen Veranstaltungen.

Aila, Rudy und Juma zählen zu den insgesamt 9,2 Millionen Hunden, die laut Studie des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e. V. (ZZF) derzeit bei uns leben. Der Reihe nach zeigen sie und zahlreiche andere Vierbeiner auf dem Trainingsplatz, wie gut sie auch unter Ablenkung auf ihre Besitzer hören. Jeder ihrer Pfotentritte, jedes Schwanzwedeln und Bellen wird mit Argusaugen von Prüfungsleiter, Leistungsrichter und Publikum beobachtet. 

Birgit Tobergte mit ihrem Boxer Nery von Schierenhorst. Foto: Thomas Osterfeld

Wir sind bei der Stadtmeisterschaft des „Vereins der Hundefreunde von Osnabrück und Umgebung e. V.“, die dieses Jahr vom Polizeihundverein Osnabrück (PHV) auf dem PHV-Vereinsgelände an der Lengericher Landstraße ausgerichtet wird. Hier wetteifern die Hunde in den Bereichen „Begleithund“ und „Schutzhund“ um die Stadtmeisterschafts-Wanderpokale. 

Um diese Pokale wetteifern die Hunde und ihre Halter. Foto: Thomas Osterfeld

"Wie bei der Begleithundeprüfung, die ja Voraussetzung für alle weiteren Prüfungen und den Hundesport ist, werden Leinenführigkeit, verschiedene Gangarten und das Ablegen unter Ablenkung geprüft“, erklärt Heiner Feldscher, Ausbildungswart und Vorsitzender des PHV. „Der Teil Verkehrssicherheit fällt heute weg, da es sich ja um einen Pokalkampf handelt und nicht um die klassische Begleithundeprüfung“. 

Schutzhunde müssen stellen und verbellen

Nach der Kaffeepause sind die im Training fortgeschrittenen Hunde gefragt: Im Bereich „Schutzhund“ müssen sie „revieren“, „stellen und verbellen“, sowie in den Schutzärmel beißen. „Der Ärmel ist das Beuteteil, an dem der Hund seinen Beutetrieb ausleben kann. Er lernt kontrolliert nur in diesen Ärmel zu beißen und nirgendwo anders hin“, betont Heiner Feldscher, der seinen Airedale Terrier Pelle zum Schutzhund ausbildet.

Fachsimpelei unter Hundefreunden im Vereinshaus. Foto: Thomas Osterfeld

In Deutschland gebe es, so diskutieren die PHV-Mitglieder in der Pause am Rand des Übungsplatzes, neun anerkannte Schutzhundrassen: Airedale Terrier, Boxer, Riesenschnauzer, Rottweiler, Hovawart, Dobermann, Deutscher Schäferhund, Bouvier des Flandres und Malinois. Insbesondere diese Rassen könne man ihren Anlagen getreu, mit den Aufgaben der Schutzhundeausbildung fördern und auslasten.

Bettina Pope und Boxer Edgar von Eichenbruch erhalten die Prüfungsergebnisse. Foto: Thomas Osterfeld

Auch Conny und Bertholt Litfin aus Osnabrück gesellen sich zu der Gesprächsrunde. Genau wie viele andere Hundefreunde schätzen sie den Austausch unter Gleichgesinnten, der bei Hunde-Events zu haben ist. „Das bringt Spaß und ist oftmals eine echte Bereicherung“, meint das Paar, das seine zwei Hunde Barack und Amerigo mit zur Stadtmeisterschaft gebracht hat. Barack und Amerigo sind zwei französische Schäferhunde der Rasse Briard. 

Berthold und Conny Litfin mit ihren langhaarigen Briard-Schäferhunden. Foto: Thomas Osterfeld

Oft würden sie auf ihre zwei imposanten, langhaarigen Hunde angesprochen. „Wenn wir dann erzählen, dass wir mit Amerigo Schutzhundetraining beim PHV machen, reagieren viele Leute erst einmal skeptisch. Dann müssen wir aufklären“, berichtet Bertholt Litfin. Aus seiner Sicht gäbe es kaum Besseres für seine Briards um sie artgerecht zu beschäftigen. „Beim Schutzhundetraining stehen sie absolut im Gehorsam, sind kontrollierbar, dürfen als Belohnung ihren Beutetrieb am Schutzärmel ausleben. Bissig werden sie dadurch keinesfalls“. 

Immer neue Herausforderungen

Jeder Hund brauche immer wieder neue Reize, einfach nur Spazieren gehen auf den immer wieder selben Routen ließe Hund irgendwann geistlich verkümmern. „Früher waren wir mit Barack und Amerigo auf zahlreichen Ausstellungen, auch im Ausland. Irgendwann suchten wir dann eine neue Herausforderung für die Hunde und auch für uns“, so die Litfins, die auf diese Weise zum Gebrauchshundesport des PHV kamen. Dreimal die Woche trainieren sie dort nun mit ihren Briards die Unterordnung und den Schutzdienst. Nach dem Training seien ihre Hunde ruhig, ausgeglichen und würden auf ihren Schlafplätzen schnarchen.

Wilfried Hamann zeigt mit seinem Schweizer Schäferhund Falco das Vorbeiführen an Menschen. Foto: Thomas Osterfeld

Ist der Hund ausgeglichen und zufrieden, macht das auch den Halter glücklich. Davon berichten zahlreiche Hundebesitzer die in Osnabrück und dem Umland aus einem breit gefächerten Angebot an Hundeausbildung und -beschäftigung wählen können. Passend zur Rasse und den damit verbundenen Eigenschaften und jeweiligen Vorlieben des Hundes wird zum Beispiel beim Hundesport-Verein „Jump for Fun Hagen a.T.W. e. V.“ „Flyball“ gespielt, wobei der Hund einen aus der Wurfmaschine geschleuderten Ball über Hürden verfolgen und bringen muss. 

Dorothea von Campe mit ihrem Boxer Ivy von der Wiedemannspforte. Foto: Thomas Osterfeld

Beim Hundesport-Team Osnabrück schult Mensch mit Hund Kommunikation und Unterordnung beim „Rally Obedience“ und beim „Longier-Kurs“ der „Georgsmarienhütter Hundefreunde e. V.“ wird die Bindung des Mensch-Hund-Teams intensiviert und die Konzentration des Hundes trainiert. 

Leistungsprüfung und Wettkämpfe

Wer neben so viel Spiel und Spaß auch noch Wettkampfcharakter sucht, findet diesen Aspekt bei Leistungsprüfungen und Wettkämpfen. „Mitglieder von Hundevereinen üben laufend mit ihren Vierbeinern und freuen sich dann darüber, auf Prüfungen unter Beweis zu stellen, was die Ausbildung gebracht hat“, meint Werner Hüggelmeyer, Vorsitzender des Vereins „Hundefreunde von Osnabrück und Umgebung e. V.“. Außerdem wolle man ja als Hundehalter vergleichen und sehen, auf welchem Leistungsstand der eigene Hund ist, ergänzt Heiner Feldscher. 

Zur Sache

Hundemessen in der Region
15.-16.9.2018, „Hund, Katze & Co.“, Zentralhallen Hamm 
16.-18.11.2018, „Hund & Pferd“, Westfalenhallen Dortmund
19.-20.1.2019, „Doglive“, Messe und Congress Centrum Halle Münsterland, Münster

Hundeschwimmen zum Ende der Freibadsaison
23.9.2018, 12-16 Uhr, Freibad Bad Iburg

Egal ob sportlicher Wettkampf, Zuchtschau oder Feste der Hundeschulen und -vereine, zweierlei sollte Hund auf jeden Fall immer mitbringen: Sozialverträglichkeit gegenüber Artgenossen und den EU-Heimtierausweis, beziehungsweise Impfpass, in dem eine gültige Tollwutimpfung eingetragen ist. Damit Impfschutz gegeben ist, muss die Impfung mindestens drei Wochen vorher durchgeführt worden sein. Die Tollwutschutzimpfung ist, vom Tag der Impfung an, zwölf Monate gültig und kann später aufgefrischt werden. Im Falle einer Erstimpfung muss der Hund zum Zeitpunkt der Impfung mindestens drei Monate alt sein und die Impfung zum Zeitpunkt der Veranstaltung mindestens 21 Tage zurückliegen. 


Verein der Hundefreunde

Der „Verein der Hundefreunde von Osnabrück und Umgebung e. V.“ (VdHfrd.OS) wurde 1947 gegründet und ist Mitglied im Landesverband Weser-Ems des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH). Der Verein fördert die Hundehaltung, Rassehundezucht, den Hundesport, sowie die Ausbildung von Polizei-, Rettungs-, und Blindenhunden. Er veranstaltet jährlich die Stadtmeisterschaft von Osnabrück, Rassehundeausstellungen, kynologische Vorträge, Seminare und Schulungen. 33 Hunde- und Tierschutzvereine aus Osnabrück und Umgebung sind Mitglied im VdHfrd.OS. Kontakt: Werner Hüggelmeyer, 1. Vorsitzender, Telefon: 05461/705379, E-Mail: werner.hueggelmeyer@web.de.

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