Im September besonders aggressiv Wespenplage in Osnabrück: Wann Sie Wespen töten dürfen

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Eigentlich wäre das Wetter perfekt, um auf der Terrasse zu frühstücken. Wenn da nur nicht diese Wespen wären... Symbolfoto: dpaEigentlich wäre das Wetter perfekt, um auf der Terrasse zu frühstücken. Wenn da nur nicht diese Wespen wären... Symbolfoto: dpa 

Osnabrück. Beim Bäcker sieht man die Teilchen vor lauter Wespen nicht, beim Verspeisen selbiger gilt es jeden Bissen zu verteidigen und beim Besuch auf dem Osnabrücker Wochenmarkt redet man nicht übers Wetter, sondern über die schwarz-gelben Plagegeister. Die stehen zwar unter Naturschutz – wehren darf man sich aber dennoch. Zumal die Wespen im September noch einmal besonders aggressiv werden.

In den Cafés riecht es nach verbranntem Kaffeepulver, kein Schluck ohne Strohhalm, kein Glas ohne abdeckenden Bierdeckel. Manche schwören auf Kupfermünzen auf den Tischen, auf ausgestopfte braune Papiertüten, die Wespen signalisieren sollen, dass sich hier bereits ein Schwarm niedergelassen hat. Wieder andere setzen auf Chemiekeulen aus dem Baumarkt. Aber ist das überhaupt erlaubt? Immerhin stehen Wespen unter Naturschutz.

Allgemeiner und besonderer Naturschutz

"Die Annahme, dass man Wespen generell nicht töten darf, stimmt nicht", sagt Kathrin Schneider vom Fachdienst Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Osnabrück. Die Wespen, die so aggressiv seien und sich in Häusern einnisten, seien meistens die "Deutsche Wespe" oder "Gemeine Wespe". Für diese beiden Wespenarten gelte der allgemeine Naturschutz. Heißt: Sie dürfen getötet werden, wenn ein vernünftiger Grund vorliegt. Eine Genehmigung durch die Naturschutzbehörde sei nicht nötig. "Anders sieht es bei Kreiselwespen, Hummeln oder Hornissen aus", erläutert Kathrin Schneider. Diese Tiere stehen unter besonderem Naturschutz – sie zu töten ist verboten. 

Noch bis zum Herbst werden wir uns mit Wespen den Kuchen teilen müssen. Foto: dpa

Kreiselwespen nisten bevorzugt in Sandböden. Die Tiere, die sich in unseren Jalousien niederlassen, sind eigentlich immer Deutsche oder Gemeine Wespen und dürfen damit entfernt werden – sofern besagter "vernünftiger Grund" vorliegt. Und Selbstverteidigung ist ein vernünftiger Grund. 

Wenig appetitlich

In der Brinkhege-Filiale an der Töpferstraße in Hellern summt ein Ventilator. Der kühlt allerdings nicht die Mitarbeiter, sondern die Puddingteilchen – beziehungsweise soll dazu dienen, Wespen von den süßen Stücken zu pusten. Diana Coppenrath vom gleichnamigen Café stellt ihre Torten unter Hauben oder direkt in den Kühlschrank. Schon gestochen worden? Sie schüttelt den Kopf. "Glück gehabt!" Dennoch macht sie morgens, wenn die ersten Wespen Stürzflüge gegen ihre Fensterscheibe fliegen, lieber die Tür zu. Denn so ganz appetitlich ist es ja auch nicht, wenn Wespen über das Essen krabbeln. Zwar fressen die Tierchen im Gegensatz zu Schmeißfliegen keinen Kot, aber sie setzen sich dennoch auf Mist – um andere Tiere zu fangen.  

Während es im Landkreis Osnabrück ehrenamtliche Berater in den Städten und Gemeinden gibt, die auch zu einem nach Hause kommen, um Wespennester zu entfernen oder umzusiedeln, berät der Fachdienst Naturschutz der Stadt Osnabrück nur telefonisch. Wer sich nicht selbst mit den Wespen anlegen will, muss hier also auf einen Schädlingsbekämpfer zurückgreifen.  

Schädlingsbekämpfer mit vollen Auftragsbüchern

Die kommen den Nachfragen allerdings kaum noch hinterher. "In diesem Jahr ist es enorm", sagt Monika Angelkort, Geschäftsführerin der Firma Brockmann Schädlingsbekämpfung mit Sitz in Voxtrup. "Gefühlt war in jedem zweiten Haus in Osnabrück ein Wespennest." Zwischen 150 und 200 Nester hätten sie am Tag entfernen müssen. In diesen Tagen sei es etwas weniger geworden, da die Nächte kühler sind, doch im September – der Pflaumenzeit – müsse man sich noch einmal auf Wespenattacken gefasst machen: "Dann ist für die Wespen der Nestaufbau und die Brutpflege beendet, dann werden sie egoistisch und auch wieder aggressiver", sagt Monika Angelkort. 



Natürlich dürften Privatpersonen auch selbst Wespennester entfernen, "sofern sie denn die Deutsche und die Gemeine Wespe von anderen Arten unterscheiden können", sagt Monika Angelkort. Allerdings befänden sich die Nester häufig im Dachbereich, in Rolladenkästen oder hinter Lüftungsschlitzen und hätten oft Ausmaße von vier, fünf Quadratmetern. Für einen Laien sei es da womöglich schwer, das gesamte Nest zu erreichen. 

Ein Ende der Plage ist allerdings in Sicht: Mit den ersten Frostnächten verschwinden auch die Wespen. Übrig bleibt nur die Königin, die üblicherweise nicht in dem Nest überwintert, sondern in Vogelkästen oder alten Baumstümpfen. Im Winter, wenn sicher ist, dass nicht doch vereinzelte Wespen überlebt haben, können die Nester dann auch von Privatpersonen entfernt werden – ganz gefahrlos.  

Weiterlesen: Wespen beim Essen – So verhalten Sie sich richtig



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN