Prozess am Landgericht 30.000 Euro aus aufgebrochenen Spielautomaten erbeutet?

Von Heiko Kluge

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Ein 41-Jähriger Mann muss sich zur Zeit vor dem Landgericht Osnabrück wegen Diebstahls verantworten. Er soll unter anderem vor fünf Jahren in Georgsmarienhütte Spielautomaten aufgebrochen haben. Foto: Michael GründelEin 41-Jähriger Mann muss sich zur Zeit vor dem Landgericht Osnabrück wegen Diebstahls verantworten. Er soll unter anderem vor fünf Jahren in Georgsmarienhütte Spielautomaten aufgebrochen haben. Foto: Michael Gründel

Osnabrück/Georgsmarienhütte. Ein 41-Jähriger Mann muss sich zur Zeit vor dem Landgericht wegen Diebstahls verantworten. Er soll unter anderem vor fünf Jahren in Georgsmarienhütte Spielautomaten aufgebrochen haben. Seine Anwältin betonte, die Vorwürfe gegen den Mann seien nicht richtig.

Diebstahl in zwei Fällen, davon in einem Fall im Versuch, wird dem aus Wermelskirchen stammenden Angeklagten zur Last gelegt. 

Am 01. September 2013 soll er sich durch ein aufgehebeltes Fenster Zugang zu einem Verbrauchermarkt in Osnabrück verschafft haben. Dort soll er – möglicherweise mit weiteren Mittätern – versucht haben, einen Geldautomaten der Volksbank Osnabrück mit einem Schweißgerät aufzubrennen. Dazu soll es dann nicht gekommen sein, weil durch einen stillen Alarm der Wachdienst informiert worden war. Der heute 41-Jährige soll geflüchtet sein und einen Sachschaden in Höhe von etwa 30.000 Euro zurück gelassen haben. 

 Am 15. September soll der Angeklagte dann mit zwei weiteren Mittätern durch ein Fenster Zutritt zu einem Geschäft in Georgsmarienhütte verschafft haben. Von dort aus sollen sie ein Loch in eine Zwischenwand gebrochen haben und so in die dahinter liegenden Räume einer Spielhalle gelangt sein. Dort sollen sie insgesamt 13 Spielautomaten und einen Geldwechselautomaten aufgehebelt haben und etwa 30.000 Euro erbeutet haben. Dem gegenüber steht ein Sachschaden von rund 67.000 Euro. An dem Tatort in Osnabrück hatten sich Gasflaschen gefunden, die dem Angeklagten zugeordnet werden konnten. Auch eine Wasserflasche mit DNA-Spuren des 41-Jährigen hatte die Polizei sichergestellt. In der Spielhalle in Georgsmarienhütte hatten die Ermittler Brechstangen und eine Eisensäge gefunden, auf denen sich ebenfalls DNA-Anhaftungen des Angeklagten befunden hatten. 

 Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Justiz mit diesem Fall beschäftigt: Das Amtsgericht Bad Iburg hatte den heute 41-Jährigen bereits im Mai 2016 für schuldig befunden und zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Mann hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Das Osnabrücker Landgericht jedoch hatte seine Berufung verworfen. Doch sollte diese Entscheidung keinen Bestand haben: Auf die Revision des 41-Jährigen hob das Oberlandesgericht Oldenburg das Urteil auf und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung an eine andere Strafkammer des Landgericht zurück.

 „Die Vorwürfe sind nicht richtig“, erklärte die Verteidigerin vor der 5. kleinen Strafkammer, die sich nun mit der Sache befassen muss. Eine Erklärung, die die Verteidigerin im Namen des Angeklagten verlas, nahm Stellung zu der in dem Osnabrücker Verbrauchermarkt sichergestellten Gasflasche. Die Schweißutensilien ihres Mandanten, wie auch die Wasserflasche hätten sich in dessen Wagen befunden. Allerdings habe der Mann den Wagen zur fraglichen Zeit an einen Verwandten verliehen, der das Auto nicht wieder zurück gegeben habe. Später habe der Verwandte dem 41-Jährigen mitgeteilt, der Wagen sei gestohlen worden. 

 Auch auf die in der Spielhalle zurückgelassenen Werkzeuge ging der Angeklagte in der Erklärung ein. „Das hätte ich niemals gemacht.“ Auch sei auf dem Überwachungsvideo des Spielkasinos zu erkennen, dass die Täter Handschuhe getragen hätten. Seine DNA-Spuren hätten damals also gar nicht entstehen können. Er wolle auch noch einmal betonen, dass er während des fraglichen Tatzeitpunks bei seiner Lebensgefährtin in Köln gewesen sei. Er habe ihr nach einer Operation beigestanden und sich um die wenige Monate alte gemeinsame Tochter gekümmert. Ihr Freund sei die ganze Nacht da gewesen, beteuerte die Frau nun im Zeugenstand.

„Das war ein recht ungewöhnlicher Einbruch mit sehr hohem Schaden“, kommentierte ein Polizeibeamter den Fall in Georgsmarienhütte. Die Einbrecher seien dabei hochprofessionell vorgegangen. „Wenn ein Täter zwei Stunden hochenstpannt vor Ort bleibt, weiß er was er tut.“ Das Video zeige, wie die vermummten Männer mit brachialer Gewalt die Automaten aufbrechen. Das Werkzeug hätten die Männer vermutlich zurück gelassen, weil sie wegen der Helligkeit des anbrechenden Tages schnell weg gemusst hätten. Die DNA des Angeklagten hätte auch trotz getragener Handschuhe bei dieser Gelegenheit auf die Werkzeuge gelangen können, so die Einschätzung des Polizisten. „Wenn ich sehe, wie die zwei Stunden lang auf diese Automaten einhämmern – das ist jeder Handschuh durchgeschwitzt.“ Zur Aufklärung der Sache hat das Landgericht zahlreiche Fortsetzungstermine bis in den Oktober hinein angesetzt.


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