Ausstellung bald in Brüssel Projekt „Labor Europa“ als Vorbild

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Das Institut für Musik der Hochschule Osnabrück präsentiert mit jungen europäischen Musikern Kompositionen aus dem KZ Theresienstadt. Unter der Leitung des aus einer renommierten jüdischen Musikerfamilie stammenden Sängers, Cellisten und Musikpädagogen Simon Wallfisch wird an verschiedenen Orten im Museumsquartier konzertiert. Foto: Swaantje HehmannDas Institut für Musik der Hochschule Osnabrück präsentiert mit jungen europäischen Musikern Kompositionen aus dem KZ Theresienstadt. Unter der Leitung des aus einer renommierten jüdischen Musikerfamilie stammenden Sängers, Cellisten und Musikpädagogen Simon Wallfisch wird an verschiedenen Orten im Museumsquartier konzertiert. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Das in das Europäische Kulturerbejahr 2018 eingebettete Osnabrücker Projekt „Labor Europa“ zeichnet sich durch Modellcharakter aus.

Osnabrück Sollte man lachen oder weinen? Einige Lieder waren ja recht heiter, die im Felix-Nussbaum-Haus gegeben wurden, aber schon nach kurzer Zeit spürten die Besucher einen Kloß im Hals. Die „Lieder aus Theresienstadt“ vermittelten ein lebhaftes Bild davon, wie es zu NS-Zeiten im Getto Theresienstadt zuging. „Man trägt das schwere Schicksal, als ob es nicht so schwer, und spricht von schöner Zukunft, als ob’s schon morgen wär“, sang Jessica Denzer auf einer Bühne, die in einem Ausstellungsraum des Museums aufgebaut worden war. Es ist die Vertonung des Gedichts „Die Stadt Als-Ob“, das von dem Kabarettisten Leo Straus geschrieben wurde, der 1942 mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert und später von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde. Es gehört zu den Liedern, die anlässlich der Kulturnacht im Museumsquartier dargeboten wurden. Junge europäische Musiker und Studierende des Instituts für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück hatten den eindringlichen Liederzyklus einstudiert, um ihn an dem Abend zweimal in Form eines Wandelkonzerts zu präsentieren.

Viele wollten die Lieder hören. Schon beim ersten Konzert drängten sich mehr als 300 Zuhörer im Oberlichtsaal des Kulturgeschichtlichen Museums, um den Musikern und Sängern später in die Gänge und Ausstellungsräume des Nussbaumhauses zu folgen. An sieben Stationen wurden Kompositionen von Theresienstadtbewohnern wie Dieter Gogg, Ilse Weber, Dajana Stiller und Viktor Ulmann gesungen und gespielt, so wie es Ruth Frenk geplant hatte, die bei dem engagierten Projekt für das Konzept und die Regie verantwortlich zeichnete. Die musikalische Leitung hatte Simon Wallfisch übernommen, der als Enkel der Cellistin Anita Lasker-Wallfisch besonders prädestiniert für diese Aufgabe war: Seine Großmutter war Mitglied des Mädchenorchesters im Konzentrationslager Auschwitz – und konnte überleben.

Wallfisch brilliert

Im Nussbaum-Haus brilliert Wallfisch zusammen mit Sascha Wienhausen, dem Dekan des IfM als Produktionsleiter, und dem gesamten Musikerteam, das für eine hervorragende Realisation des Wandelkonzerts sorgte. Und das trotz einer sehr kurzen Probezeit, denn die „Lieder aus dem Getto Theresienstadt“ waren in das Projekt „Labor Europa“ eingebunden. 50 junge Europäer waren vom städtischen Büro für Friedenskultur nach Osnabrück eingeladen wurden, um eine Woche lang ihre Erfahrungen mit Europa in einen kreativen Prozess umzuwandeln. Für die Bereiche Kunst, Medien, Geschichte, Performance und Musik hatten sich Interessierte bewerben können.

„Sowohl von den Teilnehmern als auch von den Besuchern der Kulturnacht, die sich die Ergebnisse der verschiedenen Labore angeschaut haben, habe ich nur positive Rückmeldungen bekommen“, erklärte Christine Grewe als Ideengeberin und Koordinatorin nach der Veranstaltung. Beim Abschied der jungen Europäer habe es Tränen gegeben, weil sich viele Teilnehmer nicht nur durch die gemeinsame Arbeit sehr nahegekommen seien. „In der Lagerhalle als zentralem Treffpunkt, in dem alle gemeinsam gegessen haben, wurden laborübergreifend Erfahrungen ausgetauscht. Abends traf man sich dann in Clubs oder an öffentlichen Orten. Einmal haben alle zusammen im Schlossgarten den Geburtstag eines Teilnehmers gefeiert“, beschreibt Grewe die Aktivitäten der Kulturlaboranten während ihres Aufenthalts.

Besonderes Lob erhielt sie von Hans-Gert Pöttering, dem ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlamentes, der sich besonders für die Ausstellung des Geschichtslabors interessierte: „Er bestätigte, dass unsere Ausstellung, die zurzeit im Akzisehaus zu sehen ist, ab dem 18. September im Haus der Geschichte in Brüssel gezeigt werden kann“, so Grewe.

Unter der Leitung des aus einer renommierten jüdischen Musikerfamilie stammenden Sängers, Cellisten und Musikpädagogen Simon Wallfisch wird an verschiedenen Orten im Museumsquartier konzertiert. Foto: Swaantje Hehmann

Bei einem Besuch in Osnabrück hatte derweil Dr. Uwe Koch vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz den Modellcharakter von „Labor Europa“ betont. „Er ist maßgeblich mit dem Europäischen Kulturerbejahr 2018 unter dem Motto „Sharing Heritage“ befasst und hat bestätigt, dass unser Projekt unbedingt nachahmenswert ist“, meinte Grewe. Geplant sei eine Wiederholung der „Lieder aus Theresienstadt“ Anfang nächsten Jahres, weil viele das Konzert wegen des großen Andrangs nicht hätten sehen können.


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