Osnabrücker Seniorenwochen 2018 Wie müssen altersgerechte Quartiere in Osnabrück aussehen?

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Expertise von außen: Ursula Kremer-Preiß vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) bei der Eröffnungsveranstaltung der 45. Osnabrücker Seniorenwochen im Ratssitzungssaal. Foto: André HavergoExpertise von außen: Ursula Kremer-Preiß vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) bei der Eröffnungsveranstaltung der 45. Osnabrücker Seniorenwochen im Ratssitzungssaal. Foto: André Havergo

Osnabrück. Mit einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion zum Thema "Altersgerechte Quartiere" haben am Sonntag im Rathaus die 45. Osnabrücker Seniorenwochen begonnen.

Darauf, dass der demografische Wandel auch an der Friedensstadt nicht vorbeigehen wird, machte bei der von NOZ-Redakteurin Sandra Dorn moderierten Veranstaltung unter anderem Stadtrat Wolfgang Beckmann aufmerksam. Er betonte, dass in weniger als 20 Jahren „jeder dritte Bürger Osnabrücks 60 Jahre oder älter“ sein wird. Da die älteren Menschen aber gleichzeitig so „aktiv, gesund, mobil und gut ausgebildet wie nie“ sein werden, plädierte der Sozialdezernent dafür, das Augenmerk nicht auf die Probleme, sondern auf die Potenziale und Chancen dieser Entwicklung zu richten. 

Das war ganz im Sinne von Ursula Kremer-Preiß, die als Expertin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) das andernorts bereits erfolgreich erprobte Konzept der altersgerechten Quartiersentwicklung erläuterte. 


"In weniger als 20 Jahren ist jeder dritte Bürger Osnabrücks 60 Jahre oder älter"Sozialdezernent Wolfgang Beckermann


Auf dem Weg zur Mitwirkungsgesellschaft

Der Ansatz, den demografischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen dergestalt zu begegnen, dass man die Menschen dort sozialräumlich integriert, wo sie wohnen, komme dem Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Älteren entgegen, nicht in ein Heim umzuziehen, sagte Kremer-Preiß. Dabei ginge es darum, nicht nur die Betroffenen, sondern alle lokalen Akteure einzubinden in eine Weiterentwicklung "von der reinen Versorgungs- hin zu einer Mitwirkungsgesellschaft". Konkret gehe es unter anderem darum, das Wohnumfeld bedarfsgerechter und barrierefrei zu gestalten, dezentrale Einkaufsmöglichkeiten vor Ort zu schaffen oder auch Mobilität zu fördern. Begegnungsräume würden zudem Netzwerke und "lebendige Nachbarschaften" fördern, die sich keinesfalls nur auf Senioren beschränken, betonte die KDA-Expertin. Um eine lokale „Verantwortungsgemeinschaft“ etablieren zu können, sei neben einem Koordinator aus der Kommune auch ein im jeweiligen Quartier bekannter und angesehener, Projekte antreibender "Kümmerer" sinnvoll.   

Wüsteninitiative handelt vorbildlich

Nicht nur eine beispielhaft seniorengerechte, sondern auch eine generationsübergreifende Quartiersarbeit leistet in Osnabrück zum Beispiel die Wüsteninitiative, deren Entwicklung Wolfgang Timm skizzierte. Unter anderem "straßenbezogene Nachbarschaftshilfe", informelle Versorgungsketten durch das "Wüstenwerk" oder der Nachhaltigkeit verpflichtete Reparaturcafés, die generationenübergreifend genutzt würden, hätten eine höhere und bewusstere Identifikation mit dem Stadtteil quer durch alle Bevölkerungsgruppen bewirkt, berichtete Timm. 


Anette Herlitzius (Fachkoordination Seniorenarbeit). Foto: André Havergo


Prinzip der geteilten Verantwortung

Paul Meimberg vom Osnabrücker Seniorenbeirat der Stadt bescheinigte den „neuen Alten“ das Potenzial und die Zeit, "lösungsorientiert mit anzupacken", um gemeinsam mit anderen Akteuren der Stadtgesellschaft füreinander "etwas Neues zu schaffen". Jedoch: Am Netzwerk „Älter werden im Quartier“ sind bislang lediglich elf von 23 Osnabrücker Stadtteilen beteiligt. Dass mit Hellern, Sutthausen und Voxtrup ausgerechnet jene drei mit der im Schnitt ältesten Bevölkerungsstruktur nicht darunter sind, wertete Claas Beckord vom Stadtentwicklungsamt als Beleg dafür, dass "Engagement sich nicht immer mit Problemlagen" decke. 

Bündeln und vorantreiben

Anette Herlitzius wünschte sich als Fachkoordinatorin für Seniorenarbeit ein "Gesamtkonzept im Rahmen strategischer Stadtentwicklung und eines Sozialplans". Die vielen kleinräumigen Initiativen kommunal zu bündeln und in eine gemeinsame Richtung zu konzentrieren, schlug KDA-Referentin Kremer-Preiß vor. Darauf, dass man auch im Sinne der Standortentwicklung möglichst schnell und unter Einbezug der Menschen die "Beteiligung von unten" vorantreiben müsse, verwies abschließend Stadtrat Beckermann.


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