Kreideaktion in Osnabrück Therapeuten machen auf Missstände ihrer Branche aufmerksam

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Kreativer Aufschrei gegen die Missstände ihrer Branche: Therapeuten haben am Samstag in Osnabrück zu Straßenkreide gegriffen. Foto: André PartmannKreativer Aufschrei gegen die Missstände ihrer Branche: Therapeuten haben am Samstag in Osnabrück zu Straßenkreide gegriffen. Foto: André Partmann

Osnabrück. Um auf die Missstände ihrer Branche aufmerksam zu machen, haben Therapeuten in Deutschland am Samstag eine bundesweite Kreideaktion ins Leben gerufen. Auch in Osnabrück hat man sich beteiligt und der Innenstadt in diesem Zuge etwas mehr Farbe verliehen.

Es hat nicht viel gefehlt und die Aktion wäre tatsächlich ins Wasser gefallen. Im letzten Augenblick sollten sich die Regenwolken am Himmel dann allerdings doch noch verziehen: Nässe und Feuchtigkeit, das war so ziemlich das, was die Therapeuten am Samstagvormittag in der Osnabrücker Innenstadt am wenigsten gebrauchen konnten. Sie hatten sich für eine Aktion vor dem Theater getroffen – und dabei sollte Malkreide eine nicht unerhebliche Rolle spielen. 

Viele Missstände


Die Probleme und Missstände spüren nicht nur wir, die Therapeuten, sondern auch die Patienten. Mandy Liedtke, Ergotherapeutin


Die Zusammenkunft hatte einen ernsten Hintergrund: Die Therapeuten, darunter Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden, beklagen seit Jahren Missstände in ihrer Branche. Eine schlechte Vergütung durch die gesetzlichen Krankenkassen, zu teure Fortbildungen, immer weniger Auszubildende, mehr bürokratischer Aufwand – das sind nur wenige Punkte auf der Mängelliste. "So, wie es jetzt ist, kann es auf Dauer nicht weitergehen", sagt Mandy Liedtke, die als Ergotherapeutin in Osnabrück eine Praxis führt und an der Aktion teilnimmt. Denn: "Nicht nur Therapeuten werden die negativen Auswirkungen der Entwicklung spüren, sondern auch Patienten",sagt sie. 


Auch die ganz Kleinen wie der sechsjährige Antimo haben zur Kreide gegriffen. Foto: André Partmann


Bundesweite Aktion

Die Aktion fand am Samstag im gesamten Bundesgebiet statt. Sie geht zurück auf die Aktivitäten des Physiotherapeuten Heiko Schneider, der im Mai von Frankfurt am Main nach Berlin mit dem Fahrrad gefahren ist, um dort einen Brandbrief an das Bundesgesundheitsministerium abzugeben. Mit seinen Ausführungen solidarisierten sich tausende Kolleginnen und Kollegen – eine Welle des Protest wurde losgetreten, die nun in der bundesweiten Kreideaktion gipfelte.


Mit der Botschaft "#TherapeutenAmLimit" haben in Osnabrück Therapeuten auf die Missstände ihrer Branche aufmerksam gemacht. Foto: André Partmann


"Das Ziel ist, mit Passanten ins Gespräch zu kommen, zu informieren und für die Probleme zu sensibilisieren." Susanne Sitterberg, Physiotherapeutin


In Osnabrück sind ein Dutzend Therapeuten – aber auch Kinder und jene, die sich schlicht solidarisierten –  losgezogen, um die Straßen der Innenstadt mit Kreide zu bemalen. Ein wesentlicher Bestandteil der Bild und Namensgeber des kreativen Aufschreis war der Hashtag "Therapeuten am Limit". Unter diesem sind im Internet eine Reihe von Informationen zu den Problemen in der Branche zu finden. "Das Ziel ist, mit Passanten ins Gespräch zu kommen, zu informieren und für die Probleme zu sensibilisieren", erklärte Susanne Sitterberg, Therapeutin.  

Sofortprogramm wird diskutiert

Zumindest am Samstagvormittag verfehlte die Aktion nicht ihre Wirkung: Viele Passanten blieben an den bunten Straßenbildern stehen und registrierten die Botschaft. Einzelne Therapeuten gaben Flyer an die Hand. Darauf zu finden war auch die Lösung des Problems: Ein Sofortprogramm, das der Bundestagsabgeordnete Roy Kühne (CDU) aufgesetzt hat, wird derzeit politisch diskutiert und wäre in der Lage, die Situation der Therapeuten spürbar zu verbessern. Die Kreideaktion war auch dafür da, neuen Schwung in die Debatte zu bringen.  


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