Musical über das Leben auf der Straße IGS-Schüler und Abseits-Chor treten zusammen auf

Von Regine Hoffmeister

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"Ohne Träume kommste auf der Straße nicht klar", erklärte der ältere Wohnungslose den jungen Leuten, die erst seit kurzem auf der Straße leben. Foto: Thomas Osterfeld"Ohne Träume kommste auf der Straße nicht klar", erklärte der ältere Wohnungslose den jungen Leuten, die erst seit kurzem auf der Straße leben. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Am Freitagabend hat das Musiktheaterstück „Auf der Straße“ im Forum der IGS Osnabrück Premiere gefeiert. Schüler des achten Jahrgangs und der Abseits-Chor der Obdachlosenhilfe standen gemeinsam auf der Bühne.

„Leben auf der Straße, jeder hat es schwer. Leben auf der Straße, jeder schämt sich sehr“, sangen Schüler und Chor im letzten Song des Abends nach einem Text von den beiden IGS-Schülerinnen Paulina Roth und Angeline Schwier. Wie schwer es ist, ohne festen Wohnsitz zu sein, davon hatten die Schüler bereits im vergangenen Schuljahr im Rahmen eines unterrichtsübergreifenden Projekts einen Eindruck gewonnen.

Langjährige Kooperation

Schon seit rund fünf Jahren kooperiert die IGS mit der Straßenzeitung Abseits. Damals berichteten erstmals Wohnungslose im Religionsunterricht von ihrem Leben auf der Straße. Seitdem ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Obdachlosigkeit fester Bestandteil des Unterrichts. „Wir hoffen natürlich, dass dabei Vorurteile abgebaut und Hemmschwellen überwunden werden“, sagte Abseits-Chefredakteur Thomas Kater.

Auslöser für das Musical-Projekt war ein Vortrag des Wohnungslosen Andreas vor dem siebten Jahrgang im vergangenen Schuljahr. „Mehr als 150 Schüler haben ihm sehr interessiert und respektvoll zugehört“, erinnerte sich Lehrerin Cornelia Owen. Auf der Straße würden sie sich nicht trauen, Menschen wie Andreas anzusprechen, aber nach dem Vortrag seien sie intensiv miteinander ins Gespräch gekommen. „Viele Schüler hatten sich das Leben auf der Straße vorher nicht so schlimm vorgestellt.“

Musiktheaterstück

Im Wahlpflichtkurs Theater schrieben Schüler daraufhin ein Musiktheaterstück mit dem Titel „Auf der Straße“. Neben Paulina Roth und Angeline Schwier textete auch Schüler Henry Munsberg dafür einen eigenen Song, den Musiklehrerin Lydia Steinigeweg-Faust vertonte. Außerdem übten die Schüler mit dem Abseits-Chor fünf weitere Lieder ein, um die Spielszenen zu untermalen.

Im Stück erzählten zwei junge Wohnungslose davon, wie sie auf der Straße gelandet waren. Gewalt und Drogen im Elternhaus, Jobverlust, Hoffnungslosigkeit und Alkoholismus zeichneten ihren Weg. Jetzt betteln sie. Mal haben sie Glück und die Passanten sind großzügig, mal werden sie aber auch grundlos von jugendlichen Schlägern verprügelt.

Tageswohnung und Träume

Ein älterer Obdachloser – gespielt von einem Mitglied des Abseits-Chors – gibt ihnen schließlich den Tipp, dass sie in einer Tageswohnung frühstücken und duschen können. Und noch wichtiger, dass sie ihre Träume bewahren und sich etwas suchen sollen, das ihnen Halt gibt. In seinem Fall seien das die Musik und das Singen im Chor.

Vorläufig sei nur diese eine Aufführung des Stücks geplant, berichtete Lehrerin Owen. Es gebe aber bereits Interesse von Reha-Kliniken oder auch vom Emma-Theater an weiteren Aufführungen.


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